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Spätestens ab 2020 wird die Kontamination von Schiffskraftstoffen zur großen Herausforderung, warnt das Beratungsunternehmen 20|20 Marine Energy. Die Industrie müsse mehr Verständnis für die Lieferketten entwickeln, es brauche Transparenz.

Die Schifffahrtsindustrie und der Bunkersektor stehen nach 2020 vor erheblichen Herausforderungen, was die Reinheit von Kraftstoffen angeht. Das werde zumindest der Fall sein, wenn die Herkunft der Produkte nicht besser verstanden werde und es keine Klarheit in Bezug auf die Qualität und Zusammensetzung dessen, was eingekauft wird, herrsche, so 20|20 Marine Energy.

Das Beratungsunternehmen reagiert mit seiner Empfehlung auf die jüngsten Berichte über Verunreinigung von Kraftstoff auf über 30 Schiffen in der Region Houston. Hinzu kommen Gerüchte über erhebliche Treibstoffqualitätsprobleme an der US-Golfküste zwischen Februar und April 2018. Bei schätzungsweise 100 Schiffen sei es zu technischen Problemen, in einigen Fällen sogar zum vollständigen Verlust der Motorleistung gekommen. Offenbar erstreckt sich das betroffene Gebiet auch über den Panamakanal.

Immer wieder Fälle von Kontamination

»An der Golfküste gab es 2013 eine Reihe von Kontaminationsschäden. Im Jahr 2007 erschütterete schon eine Vielzahl von Beschwerden an der Golfküste die gesamte Bunkerindustrie, fast jeder großen Versorgungshafen war betroffen«, sagt Adrian Tolson, Senior Partner bei 20|20 Marine Energy. »Diese Probleme treten immer wieder auf, und wieder werden die gleichen Fehler gemacht und es sieht so aus, als ob die Industrie in einem Zustand glückseliger Amnesie operiert. Das muss sich ändern.«

In der Branche müsse es erstens mehr Transparenz und Klarheit in Bezug auf die Produkte geben. Wir glauben, dass es nun an der Zeit ist, dass die Mischer und Lieferanten die Qualität ihres Brennstoffs voll und ganz garantieren, selbst wenn sie innerhalb des Platts-Fensters verkauft werden. Zweitens sollten sich Lieferanten nicht länger hinter der Tatsache verstecken können, dass Produkte »nur ISO-Spezifikationen erfüllen«, obwohl sie in Wirklichkeit nicht für den Zweck geeignet seien, und gegen Klausel 5 von ISO 8217 verstoßen, so Tolson. Und schließlich müsse es bei allen beteiligten Parteien mehr Kenntnis der Kraftstoff-Lieferkette geben.

»Dies ist besonders wichtig in einer Welt nach 2020, da bereits Bedenken hinsichtlich der Qualität von Mischprodukten bestehen, die den Markt überschwemmen werden, um die Schwefelschwelle von 0,5% zu erreichen.«

»Wenn die Industrie Teilnehmer als Kollateralschaden verliert, dann sei es so«

20|20 Marine Energy ist auch der Ansicht, dass ein Zusammenhang zwischen einer Zunahme von Kontaminationsproblemen und steigenden Rohöl- und Kraftstoffpreisen besteht, bei denen die Preise so hoch sind, dass die Erzeuger eine bessere Rendite aus der Bunkerlieferkette erzielen können.

Tolson: »2007 und 2013 waren Zeiten mit Spitzenbunkerpreisen, und so ist es nicht verwunderlich, dass wir jetzt mit diesem Problem zu kämpfen haben, denn Heizöl steigt jetzt auf 400 $ pro Tonne und Rohöl auf über 70 $ pro Barrel. Der allgemeine Konsens ist, dass der Rohölpreis nach 2020 weiter ansteigen wird und die Lieferanten für Ordnung sorgen müssen.« Sie dürften die Entschuldigung nicht mehr gebrauchen, dass Margen unter Druck stehen und sie gezwungen sind, die billigsten Komponenten zu verwenden. Die Klugen würden diese Situation als eine Gelegenheit nutzen, um ihre Marken durch Transparenz und Professionalität auszueichnen. Maßnahmen dafür könnten laut Tolson zum Beispiel Garantien sein, die die Qualität und Herkunft ihrer Produkte sicherstellen.

»Nicht alle werden dies erreichen können, und wenn dies bedeutet, dass die Industrie einige Teilnehmer als Kollateralschaden verliert, dann sei es so. Das Bunkern wird dafür besser sein«, so der Experte.