Print Friendly, PDF & Email

Der Projekt- und Stückgut-Carrier Bremen Overseas Chartering and Shipping (BOCS) hat kanadischen Eignern den Mehrzweckfrachter »Jennifer H« (12.633 tdw, Baujahr 2008) abgekauft.

Das Schiff wurde Ende Januar in Bremerhaven übernommen. Es ist in Zukunft unter dem Namen »BOCS Vision« im Einsatz.

Die Bremer Befrachtungsfirma, die einen konventionellen Liniendienst zwischen Nordwesteuropa und Westafrika unterhält, schlägt damit ein neues Kapitel in ihrer fast dreißigjährigen Geschichte auf: Es handelt sich um das erste Schiff, das zu 100% in Eigenbesitz genommen wurde. »Für uns ist das ein riesiger Schritt«, erklärte BOCS-Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin Ilse Fliege.

Ersten Schiffszukauf für BOCS unter Dach und Fach gebracht (von rechts nach links): Björn Hollnagel (Geschäftsführer), Ilse Fliege (geschäftsführende Gesellschafterin), Anna-K. Hollnagel (Generalbevollmächtigte). © Hollmann

Mit der Investition setze der Carrier ein Zeichen sowohl für die Kunden als auch für die eigenen Mitarbeiter. »Damit unterstreichen wir, dass wir fest an Afrika und an unsere Zukunft in diesem Markt glauben.« Zum Kaufpreis will sich die Unternehmerin nicht äußern. Makler bewerten das 2008 gebaute Schiff mit drei Kränen und einer kombinierten Hebekapazität von 160 t mit mehr als 6 Mio. $.

Ab 20. Februar soll die »BOCS Vision« – inzwischen unter portugiesischer Flagge – als fünftes Schiff den Westafrika-Dienst der Firma verstärken, der aktuell mit drei großen Tweendeckern der »African«-Serie (28.448 tdw, max. 150 t Hebekapazität) und dem 12.000-Tonner »WAF Passion« betrieben wird. Alle vier sind eingechartert. Die drei großen »African«-Schiffe waren von BOCS mit konzipiert worden, die Firma hält auch bedeutende Kommanditanteile an den Schiffen. Die »WAF Passion« hat BOCS von der Bremer Reederei Eugen Friederich eingechartert.

Bei letzterem handelt sich um ein typgleiches Schiff zur »BOCS Vision«, weshalb der jüngste Zukauf perfekt in das Konzept passe, wie Geschäftsführer Björn Hollnagel ausführt. »Es hat die gleiche Lukenaufteilung, Länge und Hauptmaschine. Wir wissen, wie diese Schiffe funktionieren und wie wir sie einsetzen können.« Für das technische Management zeichnet die Reederei Rörd Braren verantwortlich, die auch die Schiffe der African-Klasse bereedert.

Als »Jennifer H« kam das Schiff bereits Mitte vergangenen Jahres wegen eines Maschinenschadens nach Bremerhaven. Unter dem vorherigen Eigner – es handelt sich Maklern zufolge in letzter Konsequenz um den kanadischen Immobilieninvestor Groupe Mach – absolvierte es bei Bredo im Fischereihafen die Zehn-Jahres-Klasse. Für den Transport von Agrarerzeugnissen lässt BOCS jetzt noch die Laderaumwände sandstrahlen und neu beschichten.

Trotz dem Schaden und der Klasseerneuerung im vergangenen Jahr dürften die ehemaligen Eigner mit der »Jennifer H« einen hübschen Gewinn eingestrichen haben. Maklerberichten zufolge hatte das Unternehmen gemeinsam mit dem kanadisch-libanesischen Geschäftsmann Talal Hallak (U-Ship) den Frachter Mitte 2017 für nur 3,8 Mio. $ von der finanziell angeschlagenen SCL Reedereien AG in der Schweiz übernommen – zusammen mit fünf weiteren Schiffen.

Als Teil der Schweizer Hochseeflotte waren die Schiffe voll durch Bundesbürgschaften abgesichert. Da sie weit unter Buchwert verkauft werden mussten, waren dem Schweizer Staat seinerzeit hohe Verluste entstanden. (mph)