Kreuzfahrt-Crew birgt fünf Leichen aus dem Mittelmeer

Auf dem Weg von Mittelmeer nach Nordeuropa hat die „Sapphire Princess“ im westlichen Mittelmeer den Kurs geändert, nachdem ein Crewmitglied Treibgut entdeckt hatte. Später wurden fünf Leichen geborgen.
Kreuzfahrtschiff „Sapphire Princess“, hier vor Skagen in Dänemark
Kreuzfahrtschiff „Sapphire Princess“, hier vor Skagen in Dänemark (© Eckardt)

Was zunächst für eine mögliche Mann über Bord-Situation gehalten wurde, entwickelte sich schnell zu einem Großeinsatz. Die Brückenbesatzung ordnete die Umkehr des Schiffes und eine Untersuchung an. Wie sich später herausstellte, handelte es sich bei dem Gegenstand um eine Rettungsweste.

Vor Ort machten die Besatzungsmitglieder dann eine schreckliche Entdeckung. Fünf Leichen wurden im Wasser rund 140 sm vor der Küste von Cabo de Palos zwischen Spanien und Nordafrika gesichtet. Die „Sapphire Princess“, die von Cagliari auf der italienischen Insel Sardinien aus gestartet war, leitete eine mehrstündige Such- und Bergungsaktion ein, bei der die Einsatzkräfte die Umgebung sorgfältig absuchten, um sicherzustellen, dass niemand mehr zurückgelassen worden war.

Herkunft der Opfer ungewiss

Während einer dreistündigen Bergungsaktion konnte die Besatzung von den Rettungsbooten die Leichen aus dem Meer bergen. Laut Kapitän handelte es sich bei den Verstorbenen weder um Passagiere noch um Besatzungsmitglieder des Schiffes. Die Behörden vermuten nun, dass es sich bei den Opfern um Migranten eines Schiffes handelte, das zuvor in der Region als vermisst gemeldet worden war. Die Stimmung der Gäste an Bord kippte schlagartig, einige beschrieben den Moment als zutiefst bedrückend. Der Kapitän erkannte die emotionale Tragweite des Ereignisses und wandte sich anschließend an die fast 2.600 Gäste (davon 1.326 Amerikaner, 484 Kanadier, 366 Australier und 87 Briten) und Besatzung, um ihnen psychologische Betreuung und Unterstützung anzubieten. Doch gerade für die Crewmitglieder war der Einsatz ein schwer zu verarbeitendes Erlebnis.

Später nahm das Schiff Kurs auf Cartagena, wo die fünf Leichen würdevoll zur Obduktion überführt wurden. Die Behörden haben Ermittlungen eingeleitet, um die Identität der Opfer und die Umstände ihrer Reise zu klären.

Mittlerweile hat die „Sapphire Princess“ Nordeuropa erreicht. In diesem Sommer unternimmt das 2003 in Japan erbaute Kreuzfahrtschiff mit der futuristischen Schornsteinverkleidung Fahrten vom Basishafen Kopenhagen nach Norwegen und in das Baltikum. Nach derzeitigem Fahrplan ist das Schiff nur einmal, am 3. Juli in Kiel, in einem deutschen Hafen.

„Sapphire Princess“ seit über 20 Jahren im Dienst

Die „Sapphire Princes“ mit über 700 Balkonkabinen ist eines von zwei in Japan (Mitsubishi Heavy Industries) gebauten Kreuzfahrtschiffen von Princess Cruises. Das Schiff wurde im Mai 2004 in Dienst gestellt, ursprünglich war der Name „Diamond Princess“ vorgesehen. Am 1. Oktober 2002 brach aber beim Bau ein Feuer aus. Dadurch brannte das Schiff zu etwa 40% aus, und die Bauwerft konnte keine termingerechte Ablieferung mehr ermöglichen.

Somit wurde in Abstimmung mit der Werft und Reederei ein Namenswechsel vollzogen. Das Schwesterschiff, geplant als „Sapphire Princess“ erhielt somit den Namen „Diamond Princess“.  Durch diesen Namenswechsel konnte zumindest der Ablieferungstermin für die „Diamond Princess“ pünktlich gehalten werden. Für die Werft hatte dieser Brand die Auswirkung, dass über 10 Jahre kein Kreuzfahrtschiff mehr gebaut wurde. Erst im Jahr 2016 konnte Mitsubishi mit der „Aidaprima“ wieder ein Kreuzfahrtschiff abliefern.

Nach der Ablieferung und Taufe des bis zu 2.600 Passagiere fassenden Schiffes kam es zunächst hauptsächlich für Kreuzfahrten an der nordamerikanischen Westküste zum Einsatz, zwischenzeitlich erfolgte im Jahr 2012 ein umfangreicher Umbau und das Schiff wurde bislang vornehmlich im Pazifikraum eingesetzt. 

Verwandte Themen
Weitere Themen
Daily & Breaking News

Wir liefern werktäglich aktuelle Schlagzeilen und Updates.