„Berlin“ läuft zum 6-monatigen NATO-Einsatz aus

Der Einsatzgruppenversorger „Berlin“ verlässt heute seinen Heimathafen Wilhelmshaven, um an der Standing NATO Maritime Group 1 (SNMG 1) teilzunehmen. Er kehrt erst Ende Januar 2027 wieder zurück.
Einsatzgruppenversorger „Berlin“
Einsatzgruppenversorger „Berlin“ (© Bundeswehr)

Bei der Standing NATO Maritime Group 1 (SNMG1) handelt es sich um einen der ständigen maritimen Einsatzverbände der NATO und damit um einen der durchgehend verfügbaren Flottenverbände des Bündnisses. Der Verband besteht je nach Auftrag bzw. Bereitschaft zur Beteiligung der Bündnispartner aus mehreren Zerstörern und Fregatten sowie in der Regel einem Versorgungsschiff. Das Einsatzgebiet umfasst die Nord- und Ostsee sowie den Nordatlantik bis zur Straße von Gibraltar. Dort üben die Schiffe gemeinsam, um ihre Interoperabilität weiter zu verbessern und die Einsatzbereitschaft sicherzustellen. Gleichzeitig übernimmt die SNMG1 aber auch operative Aufgaben – neben der Abschreckung beispielsweise Einsätze zur Kontrolle von Embargos, Such- und Rettungseinsätzen oder humanitären Hilfsmissionen.

Die Wurzeln des Verbandes reichen bis in das Jahr 1967 zurück. Damals wurde der Verband noch als Standing Naval Force Atlantic aufgestellt, bevor er 2005 seinen heutigen Namen erhielt. Im Zuge der Neuausrichtung der NATO wurden die ständigen maritimen Einsatzverbände später zudem in die Strukturen der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) eingebunden. Damit zählt die SNMG1 heute zu den besonders schnell verfügbaren Kräften des Bündnisses und gilt zugleich als sichtbares Symbol der multinationalen Zusammenarbeit innerhalb der NATO.

Deutsche Marine im NATO-Verband

„In den vergangenen Monaten haben wir ein enorm herausforderndes Einsatzausbildungsprogramm hinter uns gebracht – Einsatzbereitschaft und Kriegstüchtigkeit als Selbstverständnis waren hier das Maß aller Dinge“, so Fregattenkapitän Martin Kiesewetter, Kommandant der Berlin. „Das hat die Besatzung sehr geprägt und uns zu einer Kampfgemeinschaft zusammengeschweißt. Damit sind wir bestmöglich gewappnet, um in den kommenden Wochen und Monaten mit unserem Verband gemeinsame Übungen und Manöver durchzuführen.“

Der deutsche Einsatzgruppenversorger wird im NATO-Verband verschiedene Aufgaben übernehmen. Dabei wird die Berlin an operativen Manövern teilnehmen und auch die Versorgung der anderen Kampfeinheiten sicherstellen. Zum Beispiel wird sie andere Einheiten auf See betanken. Für ein solches Manöver fahren dann bis zu drei Kriegsschiffe nebeneinander, der Abstand zwischen den Einheiten beträgt dabei oftmals gerade einmal 50 m.

Zu den Aufgaben der SNMG1 sagt Fregattenkapitän Kiesewetter: „Dabei werden das Schiff und die Besatzung vor allem für Kontrolle und Schutz strategisch wichtiger Seewege im Nordatlantik sowie der Nord- und Ostsee eingesetzt werden.“

Einsatzgruppenversorger der Berlin-Klasse

Rund 20.000 t verdrängen die aktuell größten Schiffe der Marine. Die drei Einsatzgruppenversorger der Berlin-Klasse liefern für die Unterstützung von Einsatzverbänden in See dabei alle notwendigen Ressourcen: Kraftstoff, Verpflegung, Material und Munition. Als Multifunktionsschiffe stellen die Schiffe außerdem medizinische Spezialkapazität bereit, plus für Führungsaufgaben die satellitenbasierte Kommunikationstechnik.

Alle diese Aufgaben können sie mit Luftfähigkeiten unterstützen. So haben bei den Einsatzgruppenversorgern zwei Marinetransporthubschrauber vom Typ Sea Lion im Hangar vor dem Flugdeck Platz. Mit solchen Fähigkeiten machen diese Schiffe die Marineverbände von Häfen unabhängig, wodurch sich die Stehzeit der Verbände in See je nach Größe mehr als verdoppelt. Diese Fähigkeiten sind zudem nicht auf bestimmte Seegebiete beschränkt, sondern stehen weltweit zur Verfügung – wie die deutschen Einsatzgruppenversorger bei zahlreichen internationalen Einsätzen in den vergangenen Jahren mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben. (DF)

Dieser Beitrag erschien zuerst bei unserer Partnerpublikation „ES&T“. Weitere Nachrichten aus Bereich Militär und Technik finden Sie unter esut.de.

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