ZDS appelliert im Tarifstreit an Vernunft

Unbefristete Streiks wären eine Zäsur für die deutsche Hafenwirtschaft, heißt es in einem Statement. ZDS-Verhandlungsführer Torben Seebold sagte: „Deutschland befindet sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Industrie und Exporte stehen unter Druck, Unternehmen überprüfen Standorte und Kosten. In dieser Situation braucht es Augenmaß und Verantwortung. Ein unbefristeter Streik wäre angesichts des Verhandlungsstands und des von ver.di ihren Mitgliedern zur Abstimmung vorgelegten Angebots ein unverhältnismäßiger Schritt.“
Die deutschen Seehäfen stehen im unmittelbaren Wettbewerb mit Rotterdam, Antwerpen-Brügge und weiteren europäischen Hafenstandorten. Bei länger andauernden Unterbrechungen könnten Warenströme auf andere Häfen ausweichen und sich dort neue Transportketten und Hafenanläufe etablieren.
„Ladung ist mobil. Was zunächst eine vorübergehende Umleitung wäre, könnte für die deutschen Seehäfen dauerhafte Folgen haben. Ladung, die ins Ausland abwandert, fehlt den deutschen Hafenbetrieben – und damit geraten auch Wertschöpfung und Arbeitsplätze unter Druck“, so Seebold.
Vor wenigen Tagen hatte die Gewerkschaft Verdi ein erneuertes Angebot nach einer Umfrage abgelehnt.
Der ZDS hatte nach eigener Einschätzung im Verlauf der Verhandlung zwei abschlussfähige Angebotsvarianten vorgelegt. Verdi stellt lediglich eine davon zur Abstimmung. Die Variante mit einer Laufzeit von 12 Monaten sieht 3,4% mehr Tabellenentgelt, 200 € zusätzliches Urlaubsgeld sowie eine weitere Zulage von 416 € für Beschäftigte in Containerumschlagbetrieben vor. Das entspreche einem Gesamtvolumen von bis zu 4,4%. Das Angebot liege damit deutlich über der aktuellen Inflationsrate und im Vergleich zu jüngsten Tarifabschlüssen großer DGB-Gewerkschaften am oberen Ende.
Deutschlands Seehäfen sind zentrale Schnittstellen der industriellen Versorgungsketten. Rund 60% des deutschen Warenhandels werden über den Seeweg abgewickelt. Über die Häfen gelangen Rohstoffe, Vorprodukte, Energieträger, Maschinen, Fahrzeuge und Konsumgüter nach Deutschland und auf die internationalen Märkte. Längerfristige Unterbrechungen könnten deshalb auch Bahn- und Lkw-Verkehre, Logistikzentren, Produktionsstandorte und industrielle Lieferketten im gesamten Bundesgebiet beeinträchtigen, mahnt der Verband.
Der ZDS appellierte deshalb an die Beschäftigten, bei der Urabstimmung die Folgen einer Eskalation zu berücksichtigen. „Die Auswirkungen eines längerfristigen Streiks würden weit über die Hafenbetriebe hinausreichen. Gerade deshalb sollte sehr genau abgewogen werden, welche Konsequenzen eine solche Eskalation für die Lieferketten und den Wirtschaftsstandort Deutschland hätte“, sagt Seebold.

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