Offshore-Wind-Gesetz: „Die nächsten Monate sind entscheidend“

Das Thema ist nicht wirklich neu, seit langem fordert die Branche bessere politische Anreize für den Ausbau der Offshore-Wind-Industrie in Deutschland. Nun steht mit der ersten Lesung im Deutschen Bundestag die entscheidende Phase für die Novelle des WindSeeG an, weshalb sich der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) bemüßigt sieht, die Forderungen der Branche zu erneuern.
Nach der ersten Lesung heute wird der Gesetzentwurf zur weiteren Beratung an die Ausschüsse überwiesen. Federführend ist der Ausschuss für Wirtschaft und Energie. Im November soll dort eine Sachverständigenanhörung zum WindSeeG stattfinden. Anschließend folgen die Beratungen im Ausschuss sowie die zweite und dritte Lesung im Bundestag.
Die Abgeordneten des Bundestags werden in einem aktuellen Statement aufgerufen, die Rahmenbedingungen für neue Investitionen und die Realisierung von Offshore-Windprojekten zu verbessern. Aktuell drohe der Branche eine Auftrags- und Investitionslücke entlang der Lieferkette. Im Mittelpunkt stünden daher ein CfD-Only-Ausschreibungsmodell, eine Indexierung und eine einmalige Rückgabeoption für gefährdete Projekte aus den Ausschreibungsjahren 2023 bis 2025.
Gemeinsam mit dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der IG-Metall Küste und dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) richtet der BWO diesen einen Appell an die Abgeordneten.
Seit Juni 2025 ist keine Offshore-Wind-Ausschreibung erfolgreich abgeschlossen worden. Gleichzeitig benötigen Hersteller, Häfen, Installationsunternehmen und maritime Dienstleister Jahre im Voraus belastbare Aufträge für Investitionen in Produktionskapazitäten, Infrastruktur und Beschäftigung. Bleiben neue Aufträge aus und bestehende Projekte über Jahre in der Schwebe, droht ein Fadenriss entlang der Lieferkette. Der BWO und weitere Verbände fordern deshalb, das WindSeeG auf ein CfD-only-Modell mit Indexierung umzustellen und einen Rückgabe- und Neuausschreibungsmechanismus für Projekte der Ausschreibungsjahre 2023 bis 2025 zu schaffen.
„Die nächsten Monate sind entscheidend für Investitionen und industrielle Kapazitäten in der Offshore-Wind-Branche. Unternehmen müssen heute entscheiden, ob sie in Fabriken, Schiffe und Personal investieren. Dafür brauchen sie belastbare Aufträge und eine verlässliche Projektpipeline. Wenn diese ausbleibt, drohen in Deutschland und Europa Kapazitäten und gut bezahlte Industriearbeitsplätze verloren zu gehen“, sagte Stefan Thimm, Geschäftsführer des BWO.
„Das parlamentarische Verfahren bietet jetzt die Chance, mehr Realisierungssicherheit zu schaffen. Ein CfD-only-Modell mit Indexierung und eine Lösung für gefährdete Bestandsprojekte können Investitionen mobilisieren und dazu beitragen, Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland und Europa zu erhalten.“ Offshore-Wind liefere dafür große Mengen klimafreundlichen und wettbewerbsfähigen Strom und stärke zugleich die Resilienz der europäischen Energieversorgung.
Die Branche bietet aktuell rund 49.000 Arbeitsplätze und kann diese Zahl nach Ansicht des Verbands „deutlich ausbauen“, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Nun heißt es, das WindSeeG müsse im parlamentarischen Verfahren gezielt nachgebessert werden: „Im Mittelpunkt stehen ein einfaches, einstufiges CfD-only-Ausschreibungsmodell mit Indexierung sowie wirtschaftlich tragfähige Höchstwerte. CfDs verbessern die Finanzierbarkeit von Projekten. Eine wirksame Indexierung reduziert Kostenrisiken zwischen Zuschlag und Inbetriebnahme und damit unnötige Risikoaufschläge in den Geboten. Damit sollen wieder mehr Bieter für deutsche Offshore-Wind-Ausschreibungen gewonnen und Investitionen in Projekte und Lieferketten abgesichert werden.“
Zudem sprechen sich die Verbände für einen geordneten Rückgabe- und Neuausschreibungsmechanismus für gefährdete Projekte aus den Jahren 2023 bis 2025 aus. Die Sicherheitsleistungen für CfD-Vergaben sollten auf 100 Mio. € je GW begrenzt und eine Begrenzung von Zuschlägen pro Bieter geprüft werden.
„Das neue Ausschreibungsdesign muss sich vor allem an der tatsächlichen Realisierung messen lassen: Entscheidend ist, ob aus Zuschlägen finanzierbare Projekte, Investitionsentscheidungen, belastbare Aufträge für die Lieferkette und schließlich gebaute Offshore-Windparks entstehen“, so Thimm weiter.

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