Neuer großer Ostsee-Eisbrecher wird in Fernost gebaut

Nach rund 50 Jahren bekommt Schweden einen neuen Eisbrecher. Die Ausschreibung ist beendet, der Auftrag wurde erteilt. Zum Zuge kommt eine Werft in Fernost.
Eisbrecher
Schweden bekommt einen neuen Eisbrecher aus Südkorea (© Swedish Maritime Administration)

Wie die Swedish Maritime Administration bestätigt hat, fiel die Wahl auf die südkoreanische Werft HD Hyundai Heavy Industries. Sie soll den Eisbrecher bauen und im Jahr 20229 abliefern. Das Schiff soll größer sein als die derzeitigen Eisbrecher und in der Lage sein, einen bis zu 32 m breiten Kanal zu brechen. Bisher lag das Maximum bei 24 m.

In der jüngeren Vergangenheit wurden in mehreren Ländern die Anstrengungen für Eisbrecher deutlich intensiviert: Deutschland bekommt eine neue „Polarstern“, die bei TKMS gebaut wird, die USA haben Aufträge vergeben – im eigenen Land –, Finnland hat ein neues Konzept abgesegnet.

Schwedens derzeitige große Eisbrecher wurden in den 1970er- und 1980er-Jahren gebaut und erreichen das Ende ihrer technischen Lebensdauer. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Eisbrechkapazität, nicht zuletzt aufgrund strengerer Winter und rauerer Eisbedingungen auf See. Ohne diese Kapazität drohen mehrere Häfen in Nordschweden bis zu 130 Tage im Jahr geschlossen zu sein.

„Neun von zehn Gütern, die nach Schweden exportiert und importiert werden, werden auf dem Seeweg transportiert. Die schwedische Grundstoffindustrie ist auf einen ganzjährig funktionierenden Seeverkehr angewiesen. Unsere Eisbrecher haben Schweden jahrzehntelang gute Dienste geleistet, müssen nun aber schrittweise ersetzt werden. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Einsatzbereitschaft zu sichern und die Häfen ganzjährig offen zu halten“, sagte Erik Eklund, Generaldirektor der schwedischen Seefahrtsbehörde.

Der neue, noch namenlose Eisbrecher basiert auf einem schwedisch-finnischen Gemeinschaftsprojekt, das in Zusammenarbeit mit der finnischen Verkehrsinfrastrukturbehörde und dem Konstruktionsbüro Railotech entwickelt wurde. Der Entwurf wurde durch umfangreiche Tests in Eisbecken und Windkanälen validiert. Der Energieverbrauch soll mit dem Design um 40% reduziert werden können.

Insgesamt vier Werften hatten sich um den Bau beworben, wie die Behörde bestätigte. Um welche Werften es sich dabei handelte, wurde nicht veröffentlicht. „Die Angebote wurden anhand vorab festgelegter Kriterien bewertet. Preis, Garantie und Lieferzeit bildeten die Grundlage der Beurteilung“, heißt es.

Weitere Aufträge könnten folgen: „Die Erneuerung der Eisbrecherflotte ist Teil eines langfristigen Vorhabens; die Planung für weitere Eisbrecher läuft bereits“, schreibt die Behörde.


Eisbrecher auch Thema im HANSA-Podcast

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© HANSA

Die steigenden Anforderungen an Schiffe für Eisgewässer standen kürzlich aktuell auch im Mittelpunkt des HANSA Podcast. Nils Reimer, Leiter „Arctic Technology“ bei der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt (HSVA), spricht in einer Episode über neue Forschungs- und Spezialschiffe für Arktis und Antarktis – darunter Projekte wie die „Polarstern“.

Reimer beschreibt den zunehmenden Zielkonflikt zwischen Umweltschutz und Sicherheit, veränderte Eis- und Klimabedingungen sowie die Folgen für Rumpfform, Propeller, Ruder, Antriebskonzepte und alternative Kraftstoffe. Sein Fazit: Schiffe für Eisregionen müssen heute für ein deutlich breiteres Einsatzspektrum ausgelegt werden als noch vor wenigen Jahren.

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