Geopolitik, Resilienz, Service & Co.: „Großes Interesse an deutscher Flagge“

Christian Bubenzer hat sich das Ziel gesetzt, ein Drittel der deutschen Handelsflotte unter die deutsche Flagge zu bringen. Der Einflaggungsmanager des Bundesverkehrsministeriums führt viele Gespräche mit Reedereien, die Aufmerksamkeit ist so groß wie viele Jahre nicht mehr.
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Christian Bubenzer, Einflaggsungsmanager bei der BG Verkehr aus dem Bundesverkehrsministerium, im Gespräch beim HANSA Podcast (© Westerkamp/HANSA)

Auch die neue Schiffsbesetzungversordnung spielt dabei eine Rolle. Viele Reedereien, „die schon lange lange nicht mehr auf die deutsche Flagge gesetzt haben“ könne man mittlerweile überzeugen, berichtet Bubenzer exklusiv gegenüber der HANSA.

In der neuen Episode des HANSA Podcasts sagt der erfahrene Flaggen-Experte: „Wir freuen uns, dass das Interesse an der deutschen Flagge in der Seeschifffahrt so groß ist, das motiviert uns natürlich ungemein.“

Bubenzer spricht über konkrete Zahlen an Schiffen mit Schwarz-Rot-Gold am Heck. Die Rede ist unter anderem von „langsamer Steigerung“ und „Steigerungsfähigkeit“. In den letzten zweieinhalb Jahren sei man mit dem Team der BG Verkehr und gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium „richtig durchgestartet“. Zentral sei ein intensiver Dialog mit Reedereien gewesen, aus dem eine lange Liste an Verbesserungswünschen in punkto Service, Bürokratie und Rechtslage entstand. „Von der Liste haben wir einiges abgearbeitet. Es kommt noch einiges und es dauert einfach ein bisschen Zeit, bis sich das dann auch wirklich bei allen Reedereien herumgesprochen hat“, so Bubenzer weiter.

Jetzt kostenlos die aktuelle Folge des HANSA PODCASTs hören: Hier oder auf SpotifyDeezerPodimoApple Podcast oder Youtube.

Ein Grund für das zunehmende Interesse ist laut Bubenzer auch die Geopolitik und die angespannte Sicherheitslage in einigen Seegebieten wie unter anderem der Straße von Hormus. „Wir leben in unsicheren Zeiten, da wird das Thema Flagge wichtiger“, berichtet er und geht auf Gespräche hinter verschlossenen Türen, die Themen „Resilienz eines Wirtschaftsstandortes“ und „Kernflotte für das Land“ sowie den Schutz deutscher Schiffe in Krisen- und Kriegsgebieten ein.

Bekommt die deutsche Flagge eine Service-Agentur?

Ein anderes wichtiges Thema – für Bubenzer eine der wichtigsten Verbesserungen – ist die Anpassung der Schiffsbesetzungsverordnung. Im Kern geht es darum, dass der Kapitän nicht mehr zwingend aus einem EU-Land kommen muss, wenn man die deutsche Flagge führen will. In der Podcast-Episode geht es um die Anforderungen und verschiedene Voraussetzungen, die dafür seitens der Reederei erfüllt werden müssen.

Nicht zuletzt setzen Bubenzer und sein Team auf ein laufendes Markterkundungsverfahren unter der Federführung des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie. Reeder werden befragt, ob sie eine Service-Agentur für die deutsche Flagge wollen – analog zu den Einrichtungen anderer internationaler Flaggen. Bubenzer spricht über mögliche Details eines One-Stop-Shops – und nicht zuletzt über die vieldiskutierte und seit Jahren von den Reedern geforderte „einheitliche Flaggenstaatsverwaltung“.

Der Experte kündigt weitere Einflaggungen an und berichtet von Gesprächen mit vielen Reedereien: „Besonders freut uns, dass es uns zunehmend gelingt, Reedereien zu überzeugen, die schon lange, lange nicht mehr auf die deutsche Flagge gesetzt haben. Das ist ein gutes Zeichen.“

Nicht zuletzt dreht sich das Gespräch um konkrete Zahlen: Je nach Berechnungsweise ist die Zahl ausgeflaggter Schiffe mehr als drei oder fast sechs Mal so hoch wie die unter Deutschland-Flagge (es gibt eine neue Berechnungsmethode). Das sei „natürlich ein Punkt, der uns definitiv nicht zufriedenstellt“. Eine offizielle Zielmarke gibt es zwar nicht. Bubenzer spricht darüber, wann er zufrieden ist und nennt sein ganz persönliches Ziel: „ein Drittel der deutschen Handelsflotte unter deutscher Flagge“. Das müsse möglich sein.

Hören Sie hier die komplette Episode. Der „Einflaggungsmanager“ Christian Bubenzer spricht darin außerdem über:

  • Weitere Verbesserungen und weitere Hausaufgaben für die Behörden
  • Das große Argument „Kosten“ und der Vergleich zu anderen Registern
  • Schifffahrtsrecht und private Sicherheitsteams an Bord
  • Hoheitliche Aufgaben und Zusammenarbeit mit Klassifikationsgesellschaften
  • Imagewandel, Vorurteile und „Umparken im Kopf“
  • Ausbildung und Förderung
  • Bessere Karrierechancen für deutsche Seeleute
  • Marketing und Vertrieb für deutsche Flagge
  • Schiffstypen unter deutscher Flagge
  • Containerschiffe und MPP-Schiffe
  • Überzeugungsarbeit bei Tailwind, Tui Cruises & Co.
  • Rückenwind aus dem Verkehrsministerium
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