Havariekommando übt Unfallbekämpfung im Watt

Die Übung begann am Samstagmorgen bei Norden-Utlandshörn. Im Mittelpunkt stand die Zusammenarbeit von landseitigen Einsatzkräften, die sich auf den Einsatz im maritimen Bereich vorbereiteten. Sie sollten trainieren, wie gefährliche Stoffe nach einem Schiffsunfall im Watt geborgen und Maßnahmen vor Ort eingeleitet werden können.
Nach vorherigen Übungen in den Landkreisen Friesland und Wittmund ist in diesem Jahr der Landkreis Aurich Gastgeber. Das Havariekommando, gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Küstenländer mit Sitz in Cuxhaven, hat die Übung initiiert und gemeinsam mit dem Landkreis und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) organisiert.
Das Havariekommando koordiniert das Unfallmanagement bei komplexen Schadenslagen auf See und an den Küsten. Bei großen Schiffsunfällen mit Folgen für die Küste greift die Bund-Länder-Gemeinschaft auf die landseitigen Gefahrenabwehrkräfte zurück, die bereits in den betroffenen Regionen vorhanden sind. Übungen wie diese bereiten die Kräfte darauf vor, auch Chemikalienunfälle im maritimen Bereich zu bekämpfen, in diesem Fall im schwer zugänglichen Watt. Dabei lernen sie auch, das vom Havariekommando bereitgestellte Spezialgerät zur Schadstoffunfallbekämpfung einzusetzen.
Ziel der Übung war außerdem, Abläufe und Kommunikationswege zwischen dem Havariekommando, dem Landkreis und den beteiligten Organisationen zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Erst kürzlich absolvierten Einsatzkräfte unter Leitung des Havariekommandos außerdem eine Übung auf der „Mein Schiff 3“, um die Versorgung von Verletzten an Bord eines Kreuzfahrtschiffs zu trainieren.
Das Szenario: Zwei Schiffe kollidieren vor Borkum
Das angenommene Szenario begann mit der Kollision eines Containerschiffs mit einem Massengutfrachter nördlich von Borkum. Das Containerschiff verlor zahlreiche Container, von denen einige gefährliche Stoffe und Güter enthielten. Nach einer Driftberechnung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie war zu erwarten, dass Container und Ladungsteile zwischen Borkum und Juist in Richtung Leybucht treiben und das Festland erreichen.
Das Havariekommando alarmierte daraufhin den Landkreis Aurich und beauftragte ihn mit den erforderlichen Maßnahmen vor Ort. Hier setzte die Übung an: Die örtlichen Strukturen wurden aktiviert und die Feuerwehreinheiten alarmiert. Sie erkundeten die Lage und übten die Bergung gefährlicher Stoffe im Watt sowie einer kontaminierten Person, dargestellt durch eine Übungspuppe. Zum Einsatz kamen dabei unter anderem Feuerwehrleute in schweren Chemikalienschutzanzüge und Hägglunds-Kettenfahrzeuge, die sich für schwer zugängliches Gelände eignen.

„Die Übung ist insgesamt gut verlaufen und wir konnten wichtige Erkenntnisse gewinnen“, sagte Übungsleiter Sebastian Kroll vom Havariekommando, Fachbereich „Schadstoffunfallbekämpfung Küste“. „Besonders das Schlickwatt hat uns vor große Herausforderungen gestellt, weil das Gelände nur schwer zugänglich ist. Das hat auch gezeigt, dass es bei solchen Einsätzen Grenzen gibt, was machbar ist. Die Sicherheit der Einsatzkräfte hat dabei immer oberste Priorität.“
„Das war eine umfangreiche und für die Feuerwehr alles andere als alltägliche Übung. Die Herausforderungen unterscheiden sich deutlich von dem, was wir sonst kennen“, so Thomas Weege, stellvertretender Stadtbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Norden und Einsatzleiter während der Übung. „Bei einem solchen Unfall müssen viele Maßnahmen ineinandergreifen und es gilt auch zu bedenken, dass Menschen in Gefahr geraten können. Dafür braucht es kreative Ideen und unterschiedliche Lösungsansätze. Die Übung war deshalb sehr aufschlussreich: Wir konnten verschiedene Möglichkeiten ausprobieren, unsere eigenen Grenzen kennenlernen und sehen, wie vielfältig die Optionen sind. Besonders gut war die Zusammenarbeit der vielen beteiligten Organisationen. Insgesamt war das eine ganz besondere und sehr lehrreiche Erfahrung.“
An der Übung beteiligt waren neben dem Havariekommando, dem Landkreis Aurich und dem NLWKN (Betriebsstelle Norden und Bauhof Hilgenriedersiel) die Feuerwehrtechnischen Zentralen der Landkreise Wittmund und Friesland, der Gefahrgutzug und der ABC-Zug des Landkreises Aurich sowie der Gefahrgutzug der Feuerwehr Norden. Unterstützt wurde die Übung durch das Deutsche Rote Kreuz, die Fachberatung Chemie der Kreisfeuerwehr Aurich sowie die THW-Ortsverbände Jever, Norden und Oldenburg, das THW-Ausbildungszentrum Neuhausen und das Mediatem des THW-Landesverbandes Niedersachsen Bremen.

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