»Es hat sich viel bewegt, aber wir sind noch nicht am Ziel«

Sie sind vor Kurzem zur Präsidentin von WISTA Germany gewählt worden. Was hat Sie motiviert, für dieses Amt zu kandidieren, und welche Schwerpunkte möchten Sie in den kommenden Jahren setzen?
Carolyn Köhler: Die Wahl zur Präsidentin von WISTA Germany ist für mich eine große Ehre, und ich bedanke mich für das Vertrauen unserer WISTA-Mitglieder. Für dieses Amt zu kandidieren, war für mich ein naheliegender Schritt, weil ich mich seit vielen Jahren mit großer Leidenschaft in der maritimen Wirtschaft engagiere und immer wieder erlebt habe, wie wertvoll persönliche Begegnungen, Austausch und starke Netzwerke sind.
Mein eigener Weg in der maritimen Wirtschaft hat mir gezeigt, wie vielfältig und spannend diese Branche ist. Sie verbindet technisches Know-how, internationale Zusammenarbeit und wirtschaftliche Bedeutung auf einzigartige Weise. Gleichzeitig habe ich immer wieder erlebt, dass persönliche Kontakte und Netzwerke entscheidend sein können – für den fachlichen Austausch ebenso wie für die persönliche Entwicklung.
Was mich an WISTA besonders begeistert, ist die Verbindung von Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven. Ich möchte gemeinsam mit unserem Vorstand dazu beitragen, dieses starke Netzwerk weiterzuentwickeln und seine Rolle innerhalb der maritimen Wirtschaft weiter auszubauen.
Dabei ist mir wichtig, die Sichtbarkeit unserer Mitglieder und ihrer Expertise zu stärken, den Dialog innerhalb und außerhalb der Branche zu fördern und gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft zu entwickeln. Ich bin überzeugt: Vielfalt und unterschiedliche Perspektiven sind wichtige Voraussetzungen für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.
WISTA Germany steht für Vernetzung, Sichtbarkeit und die Förderung von Frauen in der maritimen Branche. Wo sehen Sie den Verein heute – und wo möchten Sie ihn künftig hin entwickeln?
Köhler: WISTA Germany ist heute ein etabliertes und angesehenes Netzwerk innerhalb der maritimen Wirtschaft. Was den Verein für mich besonders auszeichnet, ist die Verbindung von fachlicher Kompetenz, internationaler Vernetzung und persönlichem Austausch.
Besonders wertvoll finde ich, dass WISTA Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der maritimen Wirtschaft zusammenführt. Gerade diese Vielfalt an Erfahrungen und Perspektiven ermöglicht einen offenen Dialog und schafft einen Raum, in dem neue Ideen entstehen können. In einer Zeit, in der sich unsere Branche so stark verändert, sind solche Plattformen wichtiger denn je.
Ich sehe großes Potenzial darin, diese Stärke weiter auszubauen: als Plattform, die Menschen zusammenbringt, Wissen teilt und neue Kooperationen ermöglicht. Gerade in einer international geprägten Branche ist der Austausch über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Mir ist außerdem wichtig, die internationale Zusammenarbeit innerhalb der WISTA-Familie noch stärker zu nutzen. Viele Herausforderungen unserer Branche sind global – und gemeinsam können wir voneinander lernen und neue Perspektiven gewinnen.
Mein Ziel ist es, WISTA Germany als modernes Netzwerk weiterzuentwickeln, das Impulse gibt und die maritime Wirtschaft aktiv mitgestaltet.
Die maritime Industrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel – von der Dekarbonisierung über die Digitalisierung bis hin zu geopolitischen Herausforderungen. Welche dieser Themen werden aus Ihrer Sicht die Arbeit von WISTA Germany besonders prägen?
Köhler: Die maritime Wirtschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Dekarbonisierung, Digitalisierung und geopolitische Veränderungen sind eng miteinander verbunden und stellen die gesamte Branche vor neue Aufgaben.
Ich sehe die besondere Rolle von WISTA Germany darin, Menschen zusammenzubringen, Wissen zu verbinden und unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen. Gerade Netzwerke können in Zeiten des Wandels Orientierung geben und den Austausch zwischen Expertinnen und Experten fördern.
Ein weiteres Thema, das mich besonders beschäftigt, ist der Fachkräftemangel. Die Zukunft unserer Branche hängt davon ab, ob es uns gelingt, Talente zu gewinnen, langfristig zu begeistern und ihnen attraktive Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten.
Ich bin überzeugt, dass starke Netzwerke einen wichtigen Beitrag leisten können, um diese Herausforderungen gemeinsam zu meistern.
Trotz vieler Fortschritte sind Frauen in Führungspositionen der maritimen Wirtschaft nach wie vor unterrepräsentiert. Wo sehen Sie die größten Hürden – und was muss sich ändern, damit mehr Frauen Verantwortung übernehmen?
Köhler: Es hat sich in den vergangenen Jahren viel bewegt, aber wir sind noch nicht am Ziel. Aus meiner Sicht liegen die Herausforderungen weniger im fehlenden Potenzial, sondern vor allem in den Rahmenbedingungen: transparente Karrierewege, sichtbare Vorbilder und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie müssen weiter gestärkt werden.
Ich bin überzeugt, dass Vielfalt ein echter Erfolgsfaktor ist. Unterschiedliche Perspektiven fördern Innovation, erweitern den Blickwinkel und helfen Unternehmen, bessere Entscheidungen zu treffen.
Netzwerke wie WISTA leisten hier einen wichtigen Beitrag. Sie schaffen Sichtbarkeit, ermöglichen Austausch und unterstützen Frauen dabei, Verantwortung zu übernehmen und ihren eigenen Karriereweg aktiv zu gestalten.
Netzwerke spielen gerade zu Beginn einer Karriere oft eine entscheidende Rolle. Welchen Rat würden Sie insbesondere jungen Frauen geben, die heute in die maritime Branche einsteigen möchten?
Köhler: Mein Rat ist: Seien Sie neugierig, bauen Sie Netzwerke auf und trauen Sie sich, Verantwortung zu übernehmen. Die maritime Wirtschaft bietet vielfältige und spannende Möglichkeiten – und sie braucht Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven, Ideen und Erfahrungen.
Ich möchte junge Frauen ermutigen, Chancen aktiv zu nutzen, sich Vorbilder zu suchen und gleichzeitig ihren eigenen Weg zu gehen. Oft entstehen neue Möglichkeiten genau durch den Austausch mit anderen Menschen.
Was begeistert Sie persönlich auch nach all den Jahren noch an der maritimen Branche – und worauf freuen Sie sich in Ihrer neuen Rolle als WISTA-Präsidentin am meisten?
Köhler: Was mich bis heute begeistert, ist die Vielfalt und Dynamik der maritimen Branche. Sie verbindet Menschen, Länder und Kulturen und ist gleichzeitig ein entscheidender Bestandteil unserer globalen Wirtschaft.
In meiner neuen Rolle als WISTA-Präsidentin freue ich mich besonders auf den Austausch mit unseren Mitgliedern, auf neue Begegnungen und darauf, gemeinsam Ideen für die Zukunft unserer Branche zu entwickeln.
Besonders freue ich mich darauf, viele unserer Mitglieder persönlich kennenzulernen und ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Sichtweisen noch besser zusammenzubringen. Denn ein Netzwerk lebt nicht nur von Strukturen und Veranstaltungen, sondern vor allem von den Menschen, die es mit Leben füllen.
Die maritime Wirtschaft lebt seit jeher von Verbindung – von Häfen, Menschen und Kontinenten. Genau diese Verbindung möchte ich mit WISTA weiter stärken und gemeinsam mit unseren Mitgliedern Zukunft gestalten. Menschen miteinander zu verbinden und gemeinsam etwas zu bewegen, ist für mich die größte Motivation.
Über Carolyn Köhler
- Präsidentin von WISTA Germany e. V. sowie erfahrene Führungskraft in der internationalen maritimen Wirtschaft.
- Langjährige Expertise in den Bereichen HSSEQ, Schiffsmanagement, Compliance, Sicherheitsmanagement sowie operativer Exzellenz.
- Umfassende Erfahrung in der Führung, Entwicklung und Förderung internationaler Teams sowie im Aufbau einer nachhaltigen Sicherheits- und Unternehmenskultur.
- Engagiert für Vernetzung, Innovation, Wissenstransfer und die Gewinnung sowie Entwicklung von Fach- und Führungskräften in der maritimen Wirtschaft

HANSA and WISTA empower women in the maritime industry
Im Rahmen einer exklusiven Partnerschaft mit dem deutschen Verband der Women‘s International Shipping
& Trading Association porträtiert die HANSA in regelmäßigen Abständen ein Mitglied vom WISTA Germany e.V.

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