Verhärtete Fronten im Tarifstreit für Schiffbau & Co.

Zum Auftakt der Tarifverhandlungen in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie hat der Arbeitgeberverband Nordmetall die Forderung der IG Metall Küste als „unrealistisch und inakzeptabel“ zurückgewiesen.
Nordmetall, Lürssen, Blue
© Lürssen

Verhandlungsführerin Lena Ströbele von der Schiffbaugruppe Lürssen sagte nach den rund zweistündigen Verhandlungen in Hamburg-Bergedorf: „Fünf Prozent Lohnsteigerung und weitere Zusatzleistungen für ein Jahr sind angesichts der dramatischen Lage der M+E-Industrie nicht akzeptabel“.

Neben vielen weiteren Branchen gehören auch deutsche Werften zu Nordmetall. Nordmetall und die IG Metall Küste kommen am 27. Oktober in Oldenburg zur zweiten Verhandlungsrunde zusammen. Kommt es dort zu keiner Einigung, endet am 31. Oktober die Friedenspflicht. Ab dem 1. November wären dann Warnstreiks möglich.

Man habe den Gewerkschaftsvertretern ausführlich dargestellt, dass die deutsche M+E-Industrie seit 2019 gut 340.000 Arbeitsplätze verloren hat und der Abbau von bis zu 300.000 weiteren Stellen droht, wenn jetzt nicht energisch umgesteuert wird. Die Produktion liegt demnach 15% unter dem Niveau von 2019. „Das liegt nicht nur an den immer noch schlechten Rahmenbedingungen im Land, der wachsenden Konkurrenz aus China, den US-Zöllen und internationalen Konflikten. Das liegt vor allem an den viel zu hohen Arbeitskosten in der M+E-Industrie. Etwa 55 € kostet eine Arbeitsstunde in Deutschland, nur gut 18 € in Polen, bei mittlerweile vergleichbarer Produktqualität, um nur ein Beispiel zu nennen – diese Differenz vernichtet Wettbewerbsfähigkeit“, so Ströbele.

Angesichts dieser historischen Krise hätten noch nie so viele norddeutsche M+E-Firmen Produktionsverlagerungen ins Ausland geplant wie heute: „Mehr als ein Viertel fühlen sich gezwungen wegzuziehen. Der extreme Kostendruck setzt selbst den Unternehmen mit gut gefüllten Auftragsbüchern in der Luft- oder Raumfahrtindustrie, unter Schiffbauern und der Rüstungswirtschaft massiv zu – von gebeutelten Betrieben im Maschinen- oder Straßenfahrzeugbau ganz zu schweigen. Wenn wir den Abbau von Arbeitsplätzen und die Verlagerung oder Schließung von Betrieben verhindern wollen, müssen wir jetzt Kosten senken, um den Standort zu retten.“

Nachdem man in der ersten Verhandlungsrunde am Donnerstag versucht habe, ein gemeinsames Bewusstsein für diese existenzielle Bedrohung herzustellen, müssten beide Seiten in den kommenden Wochen die richtigen Schlüsse aus diesem Befund ziehen. „Nur wenn wir jetzt eindeutige Signale des Umsteuerns gegen den massiven Kostendruck geben, haben wir als Sozialpartner unsere gemeinsame Verantwortung für das Land und unsere Industrie wahrgenommen“, sagte die Tarifverhandlungsführerin.

Seitens der Gewerkschaft hieß es im Nachgang: „Unsere Forderungen liegen seit Wochen auf dem Tisch. Die Arbeitgeber kennen die Themen und die Erwartungen der Beschäftigten. Umso enttäuschender ist es, dass sie heute kein Angebot vorgelegt haben“, sagte Verhandlungsführer Daniel Friedrich. „Wir erwarten, dass Nordmetall in der zweiten Verhandlungsrunde konkrete Vorschläge macht, damit wir ernsthaft in die Verhandlungen einsteigen können.“

Die IG Metall erläuterte ihre Forderung nach einer Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Gewerkschaft verweist dabei auf die wirtschaftliche Breite der Branche, die schwindende Kaufkraft und die anhaltend hohen Lebenshaltungskosten. Die Arbeitgeber wiesen die Forderung als zu hoch zurück, ohne eigene Vorschläge zu unterbreiten.

Friedrich betonte, dass die Beschäftigten sowohl mehr Geld als auch mehr Sicherheit benötigen: „Die Menschen spüren die steigenden Lebenshaltungskosten jeden Tag. Gleichzeitig erleben viele Kolleginnen und Kollegen eine große Unsicherheit mit Blick auf die Zukunft ihrer Arbeitsplätze. Deshalb geht es in dieser Tarifrunde um beides: um eine faire Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg und um verlässliche Perspektiven für die Beschäftigten.“

Die IG Metall sei bereit, konstruktiv und zügig zu verhandeln. „Die Arbeitgeber warnen immer wieder, dem Industriestandort Deutschland laufe die Zeit davon, spielen aber selbst auf Zeit“, sagte Friedrich. „Jetzt müssen sie mit einem Angebot zeigen, dass sie Verantwortung für die Zukunft der Industrie und ihrer Beschäftigten übernehmen. Die Kolleginnen und Kollegen erwarten zu Recht Ergebnisse und keine Verzögerungstaktik.“

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