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Die Nord/LB übernimmt für 180 Mio. € sämtliche Anteile von den bisherigen Co-Gesellschaftern, der Freien Hansestadt Bremen (41 %) und dem Sparkassenverband Niedersachsen (4 %). Die beiden führenden BLB-Vorstände treten zurück.

Die BLB wird künftig eine 100%ige Tochtergesellschaft der Nord/LB. Bremen bleibt zwar Sitz der Bank, das Land erhält als Kaufpreis lediglich 180 Mio. € an Geldleistungen für 41% der Anteile.

Die strategisch wichtigen BLB-Beteiligungen an dem städtischen Hafen- und Logistikunternehmen BLG (Bremer Lagerhaus-Gesellschaft) sowie den Wohnungsgesellschaften Gewoba und Brebau im Wert von weiteren 82 Mio. € verbleiben zusätzlich bei Bremen.

Um den Preis, so ist zu hören, war erbittert gerungen worden, am Ende steht ein erhebliches Minusgeschäft für Bremen: 2012 hatte das Land seinen Anteil an der BLB von 7,5% auf 41,2% aufgestockt und dafür stille Einlagen in Höhe von 480 Mio. € umgewandelt – was damals in etwa einem Wert von insgesamt 600 Mio. € entsprach. Der Gesamt-Verlust liegt demnach bei knapp 220 Mio. €.

Die beiden BLB-Vorstände Stephan-Andreas Kaulvers (Vorsitzender) und Heinrich Engelken (Vize) kündigten umgehend ihren Rücktritt an. »Wir haben zur Kenntnis genommen, dass es personelle Veränderungen geben soll. Dem wollen wir nicht im Wege stehen«, hieß es knapp in einer Mitteilung. Über den Wechsel im Vorstand werde demnächst der Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung entscheiden. Vorerst sollen die Manager »beratend« aktiv bleiben.

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Stephan-Andreas Kaulvers
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Heinrich Engelken. Fotos: BLB

 

 

 

 

 

 

»Wir haben zur Kenntnis genommen, dass es personelle Veränderungen geben soll.
Dem wollen wir nicht im Wege stehen«

Wegen »fauler« Kredite im Schifffahrts-Portfolio hatte die Bremer Landesbank Anfang Juni ungeplante Einzelwertberichtigungen vornehmen müssen und einen hohen Verlust in einem »mittleren dreistelligen Millionenbereich« zum Ende des Jahres angekündigt. Das Kreditinstitut sollte nach Maßgabe der EZB rund 700 Mio. € abschreiben, dafür fehlten allerdings rund 400 Mio. € an Eigenkapital. Vor allem Bremen sah sich nicht in der Lage, Geld nachzuschießen. Daher war in den vergangenen Wochen alles auf eine Übernahme durch die Nord/LB hinausgelaufen.

Auch der gestern (31.08.) von der BLB verkündete Halbjahresabschluss 2016 gab keinen Grund zum Optimismus: Das Ergebnis nach Steuern lag bei minus 384 Mio. € (1. HJ 2015: +56 Mio. €). Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft stieg deutlich auf 449 Mio. € (Vergleichszeitraum 2015: 108 Mio. Euro). Sie entfiel fast ausschließlich auf das Segment Schiffsfinanzierung.

Das Portfolio der BLB, das den heutigen »Notstand« letztlich ausgelöst hatte, umfasste zuletzt (Ende 2015) etwa 6,5 Mrd. € (knapp 650 Schiffe) – rund ein Drittel des gesamten Kreditvolumens der Landesbank. Containerschiffe (204), MPP (197) und Bulker (71) gehören nicht nur zu den besonders vom Ratenverfall betroffenen Segmenten, sondern machten zusammen mehr als zwei Drittel der Flotte rund 68% des Kreditvolumens (4,3 Mrd. €) der BLB aus.

Nach Wertberichtigungen in Höhe einer neuen Rekordsumme von 341 Mio. € (2014: 271 Mio. €) und einem Gewinneinbruch um gut 90 % auf nur noch 5 Mio. € nach IFRS (2014: 31 Mio. €) hatte der nun scheidende Vorstandschef Kaulwers bereits im April bei der Präsentation der Bilanzzahlen für 2015 einen harten, aber »wertschonenden« Sanierungskurs angekündigt. Demnach war geplant, das Schifffahrts-Portfolio in den kommenden zwei bis drei Jahren deutlich um knappe 2 Mrd. € auf maximal noch 4,5 Mrd. € zu reduzieren.

Dies wird nun zur Aufgabe der Nord/LB (2015: 1481 Schiffe, 19 Mrd. €), die nicht weniger unter der anhaltende Schifffahrtskrise leidet. Das erste Halbjahr 2016 hatte mit einem Konzernergebnis vor Steuern von minus 364 Mio. € geendet. Insgesamt mussten im vergangenen Jahr 916 Mio. € in die Risikovorsorge eingestellt werden – bei einem operativen Ergebnis von nur noch 383 Mio. €. Die Übernahme der BLB stelle für die NordLB dennoch eine überschaubare Belastung dar, hieß es. Mittel- und langfristig seien wegen der zu erzielenden Synergien positive Effekte zu erwarten.

NordLB
Die NordLB-Zentrale in Hannover