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Die Elbvertiefung sei zwar begonnen, doch der Hamburger Hafen bleibe im Wettbewerb der Nordrange-Häfen weiter massiv benachteiligt. Der Unternehmerverband UVHH fordert schnelles Handeln der Politik.

Hamburg UVHH Bilanz 2018-19 Umschlagergebnisse im Vergleich
Umschlagergebnisse im Vergleich (Quelle. UVHH)

Die ausbleibende Elbvertiefung habe den Hamburger Hafen massiv Marktanteile gekostet. Darauf verweist der Unternehmerverband UVHH in seinem Jahresbericht für 2018. Über 17 Jahre Planungs- und Genehmigungsdauer haben dem Hamburger Hafen einen erheblichen Schaden zugefügt. Dies zeige die Umschlagentwicklung im Vergleich zu den wichtigsten Wettbewerbshäfen in den vergangenen zehn Jahren. Während Hamburg zwischen 2009 und 2018 einen Rückgang um -10% verkraften musste, konnten Rotterdam und Antwerpen um jeweils +27% zulegen.

Der Containerumschlag in Hamburg sank leicht von 8,8 auf 8,7 Mio. TEU, wobei der Rückgang ausschließlich auf eine sinkende Anzahl von Leercontainern zurückzuführen ist. China ist nach wie vor der stärkste Handelspartner der Hansestadt. Auch wenn die Mengen im Vergleich zum Vorjahr geringfügig abgenommen haben, steht die Volksrepublik immer noch für etwa ein Drittel des gesamten Warenaustausches im Containerverkehr. Singapur, als traditionelles Drehkreuz für asiatische Produkte, konnte sich dieser allgemeinen Entwicklung ebenfalls nicht entziehen und tendierte im Ranking der wichtigsten Handelspartner des Hamburger Hafens ebenfalls etwas schwächer.

Hamburg UVHH Bilanz 2018-19 Gesamtumschlag Hafen Hamburg
Gesamtumschlag Hafen Hamburg (Quelle: UVHH)

Die Russlandverkehre, zu denen auch die Gütermengen zählen, die von Hamburg via Finnland nach Russland transportiert werden, sind aufgrund der anhaltend schwierigen politischen Rahmenbedingungen weiter zurückgegangen, sodass beide Länder im Ranking je einen Platz nach unten gerutscht sind. Polen und Südkorea haben ihre Vorjahrespositionen halten können. 2018 hat es drei Veränderungen unter den Top Ten der Handelspartner gegeben. Neu dabei sind Brasilien, Taiwan und Indien.

Hamburg UVHH Bilanz 2018-19 nicht containerisierte Gueter
Wichtige, nicht-containerisierte Guetergruppen (Quelle: UVHH)

Die Mengen beim Massengutumschlag sind 2018 leicht gesunken. Bei den Sauggütern belasteten die geringen Getreideexporte aufgrund des trockenen Sommers die Umschlagszahlen. Im Segment Flüssigladung war ein besonderer Rückgang bei den Exporten von Mineralölprodukten zu beobachten. Der Bereich Greifergut hat sich dagegen erneut als stabilisierender Faktor in der Umschlagsstatistik erwiesen und konnte über alle Güterarten hinweg Zuwächse verzeichnen. Der Import von Eisenerz und Kohlen für die Stahlerzeugung spielt hier eine wichtige Rolle.

Vorläufige Umschlagentwicklung 2019: +6%

Der Seegüterumschlag ist im ersten Quartal 2019 um 6% auf 34,6 Mio. t gestiegen. Der Zuwachs erstreckte sich über alle Güterarten. Der Containerumschlag wuchs vor allem wegen nach Hamburg verlegter Nordamerikadienste um 6,4% auf 2,3 Mio. TEU. Die gesamte Stückgutmenge stieg entsprechend um 5,4% auf 23,9 Mio. t. Noch erfreulicher entwickelte sich der Umschlag von Massengut. Aufgrund gestiegener Importmengen bei Mineralölprodukten, Ölfrüchten und Getreide konnte dieses Marktsegment um 7,5% auf 10,7 Mio. t zulegen.

Hamburg UVHH Bilanz 2018-19 Top 10 Handelspartner Container
Hamburgs Top 10 Handelspartner Container (Quelle: UVHH)

Mit Blick auf die Entwicklung insbesondere in den Westhäfen sagt UVHH-Präsident Gunther Bonz: »Es wird viele Jahre dauern, um diese Mengenverluste wieder ausgleichen zu können.« Die Unternehmen im Hamburger Hafen seien im Wettbewerb jedoch noch weiteren erheblichen Nachteilen ausgesetzt.

Ebenfalls seit bereits 17 Jahren versuche die deutsche Logistikbranche, die steuerliche Benachteiligung bei Importen über deutsche Seehäfen gegenüber den Westhäfen zu beseitigen. Die neue Bundesregierung habe zwar erklärt, diese Benachteiligung beseitigen zu wollen, außerdem habe die Finanzministerkonferenz im Dezember 2018 konkrete Maßnahmen dazu beschlossen. Die vollständige Beseitigung dieser Benachteiligung soll allerdings noch mehrere Jahre benötigen.


In der aktuellen HANSA Speakers’ Corner spricht UVHH-Präsident Gunther Bonz über die Benachteiligungen für deutsche Häfen im internationalen Wettbewerb, Stichworte sind: Planungsrecht, Einfuhrumsatzsteuer, Schwergut, Umwelt, Tonnagesteuer.


Die OECD habe im Rahmen einer Untersuchung über Subventionen im Maritimen Sektor einen »unglaublichen« Steuerskandal aufgedeckt. Durch Entscheidungen der EU-Kommission können seit 1996 einige Reeder für ihre Terminalgeschäfte unter anderem in Rotterdam und Antwerpen die im Vergleich zu den normalen Steuersätzen äußerst günstige und eigentlich nur für Schiffe gedachte Tonnagesteuer anwenden. In Deutschland oder Frankreich tätige Terminalunternehmen zahlen hingegen die normalen Steuersätze.

Warum die EU-Kommission diese Privilegien unter anderem für bestimmte Hafenunternehmen in Rotterdam und Antwerpen erteilt habe, sei in den von der OECD aufgedeckten Entscheidungen der EU-Kommission nicht dargelegt.