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In keinem Bundesland arbeiten mehr Menschen in der Offshore-Windenergie ­als in Baden-Württemberg. Dies geht aus einer Studie des Marktforschungsinstituts wind:research hervor, die heute offiziell vorgestellt wurde.

Wie die HANSA bereits im Januar berichtet hat, ist die Wertschöpfung für den Bau von Offshore-Windparks deutschlandweit verteilt. Das aktuelle Problem sei aber, dass diese Wertschöpfung  durch die von der Bundesregierung geplante Ausbaudelle für die Windenergie auf See geschwächt wird, heißt es heute seitens des Branchenverbands WAB.

Der WAB e.V. setzt daher seit Sommer 2019 die »WAB-Inn2Power German Inland Campaign« um, welche die Wahrnehmung der Offshore-Wind-Zulieferindustrie stärken soll. »Diese mittelständischen Unternehmen schaffen Beschäftigung und Wertschöpfung in Deutschland und tragen einen großen Teil zur Umsetzung der Energiewende bei. Vor allem die innovativen kleinen und mittelständischen Unternehmen leiden unter einer Pause im deutschen Offshore-Wind-Ausbau in den kommenden Jahren und unter den wenig ambitionierten Ausbauzielen der Bundesregierung für 2030«, hieß es heute. Die durch das EU-Projekt Inn2POWER unterstützte German Inland Campaign macht den Angaben zufolge deutlich, dass diese Unternehmen einen starken Heimatmarkt benötigen, um ihr Exportpotenzial zu erschließen und langfristig weitere Arbeitsplätze zu schaffen.

Die wind:research-Studie zeigt, dass sich die Wertschöpfungskette der Offshore-Windenergie über das gesamte Bundesgebiet erstreckt. Die EnBW ist einer der größten Entwickler und Betreiber von Windparks in der deutschen Nord- und Ostsee. Beim Bau der jüngsten Offshore-Windparks von EnBW haben zu Hochzeiten über 600 Mitarbeiter auf der Großbaustelle mitten im Meer gearbeitet und gelebt. Dabei waren mehr als 80 Schiffe im Einsatz.

Die Beschäftigten in der Offshore-Windenergie in Baden-Württemberg arbeiten vor allem im Engineering sowie in der Forschung und Entwicklung. Dieser Schwerpunkt bringt Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Südwesten einen Umsatz mit Offshore-Windenergie von rund einer Milliarde Euro (1,01 Mrd.). Hier liegt Baden-Württemberg auf Rang vier unter den deutschen Bundesländern, hinter Niedersachsen (2,53 Mrd.), Hamburg (1,79 Mrd.) und Nordrhein-Westfalen (1,13 Mrd.). Auch bei der Zahl der Marktteilnehmer liegt Baden-Württemberg im Bundesländervergleich auf einem Podiumsplatz. Die 86 im Südwesten aktiven Marktteilnehmer werden nur von Niedersachsen (126) und Nordrhein-Westfalen (98) übertroffen.

»Die Analyse hat gezeigt, dass – auch für uns in der Ausprägung überraschend – viel Wertschöpfung, also Umsätze, Arbeitsplätze und Marktteilnehmer gerade auch in Baden-Württemberg vorhanden ist«, so Dirk Briese, Geschäftsführer von wind:research.

Laut der Studie hängt die Zahl der Beschäftigten in der Offshore-Wind-Branche in Deutschland (derzeit 24.350) stark von den Ausbauzielen der Bundesregierung ab. Die deutsche Zulieferindustrie für die Windenergie auf See habe früh zu den globalen Technologieführern gezählt. Sie könne bei einer entsprechenden Unterstützung auch dabei helfen, die in den kommenden Jahren zu erwartenden Arbeitsplatzverluste der fossilen Industrien auszugleichen.

Die seit einiger Zeit absehbare Ausbaulücke bedrohe Arbeitsplätze in Deutschland und kann  nach Ansicht er Branche dazu führen, dass Unternehmen ins Ausland abwandern. »Die Windindustrie am Standort Deutschland braucht zuverlässige politische Rahmenbedingungen, um langfristige Investitionen für den Erhalt der Technologie- und Innovationsführerschaft zu rechtfertigen. Wenn Marktgröße, kontinuierlicher Ausbau und wirtschaftliche Perspektive fehlen, werden wir auch in der Zulieferkette einen Trend hin zur Produktion in attraktiveren Märkten sehen«, sagte Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems.

Deshalb solle die Bundesregierung umgehend die rechtlichen Voraussetzungen für die Ausschreibung des 2018 im Koalitionsvertrag angekündigten »Sonderbeitrags« schaffen. Bis zu 2 Gigawatt an zusätzlicher Kapazität für Offshore-Wind seien nicht nur technisch und wirtschaftlich machbar, sondern auch industriepolitisch erforderlich.

Längerfristig benötigt die Branche ambitionierte und verlässliche Ausbauziele. Den positiven Effekt der Ausbauziele zeigen auch die Szenarien der Studie. Aufgrund der Auftragsflaute im deutschen Markt ist voraussichtlich bis 2022/23 mit sinkenden Beschäftigtenzahlen und Umsätzen zu rechnen. Danach hängen der Zuwachs oder die weitere Abnahme der Beschäftigung von den Ausbauzielen bis 2035 ab. Im pessimistischen Fall droht der Verlust von mehr als 8.000 Arbeitsplätzen – im optimistischen Fall kommen rund 10.000 neu hinzu.

»Jeder dritte Beschäftigte in der Windenergie auf See arbeitet in Baden-Württemberg, Bayern oder Hessen. Das zeigt: auch küstenferne Bundesländer profitieren von einem stetigen Ausbau der Windenergie auf See und von einer langfristigen Perspektive für diese Technologie. Das sollte sich auch in der politischen Unterstützung ambitionierter Ausbauziele niederschlagen«, kommentierte WAB-Geschäftsführerin Heike Winkler die Ergebnisse der Studie.

Die Ergebnisse der Studie

  • 771 Marktteilnehmer waren Ende 2018 im Bereich der Offshore-Windenergie in Deutschland tätig.
  • Davon sind 33 % ausschließlich in der Offshore-Windenergie tätig, die anderen zwei Drittel auch in der Onshore-Windenergie oder in weiteren Bereichen.
  • Die Marktteilnehmer haben insgesamt rund 350 Beschäftigte, die Vollzeit in der Offshore-Windenergie tätig sind.
  • Sie erwirtschaften ca. 9,8 Milliarden Euro Umsatz. Darin enthalten ist auch Umsatz durch den Export. Marktteilnehmer im Ausland und damit Umsatz durch den Import wurden nicht untersucht, da sich die Studie auf die Wertschöpfung innerhalb Deutschlands konzentriert.

 

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