EU-Einsatzkräfte betreten russischen Schattentanker

Am Sonntag ist im Rahmen einer EU-Marineoperation der sanktionierte Tanker „Toa Payoh“ inspiziert worden. Der Einsatz verlief friedlich. Es war die zweite Inspektion innerhalb kurzer Zeit.
Ein Person beobachtet ein Frachtschiff auf dem Mittelmeer
© Bundeswehr

Europa verstärkt die Überprüfung von Schiffen, die im Verdacht stehen, sanktioniertes Öl zu transportieren. Nach der „South Star“ nahmen Einsatzkräfte der EU-Marineoperation EUNAVFOR MED Irini, die unter italienischer Führung steht, einen weiteren Tanker ins Visier.

Die „Toa Payoh“ (30.083 BRZ, 50.922 tdw), ein 183 m langer Chemikalien- und Öltanker, war in Fahrt von Benin in Richtung Türkei. Das Schiff ist in der Nähe der sizilianischen Insel Pantelleria abgefangen worden, Einsatzkräfte der Mission betraten den Tanker zu einer Inspektion.

Grund dafür war, dass die von der EU sanktionierte „Toa Payoh“ erst in der vergangenen Woche zur Flagge von Kamerun gewechselt war. Die Kontrolle sollte zeigen, ob der Tanker berechtigt war, die Flagge zu führen, und ob die Registrierungsunterlagen gültig waren. Das geht aus Berichten der Nachrichtenagentur Reuters hervor.

Der Kapitän des Tankers soll sich nicht kooperativ gezeigt haben, sodass ein italienisches Militärteam das Schiff mit einem Hubschrauber betrat. Sie starteten von der Fregatte „Thaon di Revel“, dem Flaggschiff der Mission. Die Inspektion wurde von einem griechischen Schiff sowie einem polnischen Seeaufklärungsflugzeug begleitet. Sie dauerte etwa zwei Stunden und sei ohne Zwischenfälle verlaufen, teilte das italienische Verteidigungsministerium gegenüber Reuters mit.

„Toa Payoh“ durfte nicht festgesetzt werden

Die Einsatzkräfte waren im Rahmen der Mission nicht berechtigt, das Schiff zu beschlagnahmen; daher wurde die „Toa Payoh“ nicht festgesetzt. Allerdings können die sichergestellten Unterlagen weiter geprüft werden. Durch nationale Behörden ist eine spätere Beschlagnahmung des Tankers damit möglich.

Der Einsatz folgt auf die Durchsuchung des Tankers „South Star“ (22.531 BRZ, 39.817 tdw). Irini-Einsatzkräfte betraten das Schiff ebenfalls unter dem Verdacht, dass es unter einer falschen Flagge fahren könnte. Registriert ist der Tanker unter der Flagge von Äquatorialguinea.

EUNAVFOR MED Irini ist eine 2020 gestartete Marineoperation. Vorrangiges Ziel ist die Durchsetzung des UN-Waffenembargos gegen Libyen. Primäres Einsatzgebiet ist daher die libysche und tunesische Küste, es reicht bis nach Sizilien und Griechenland. Die EU-Regierungen haben das Mandat der Mission erweitert, sodass Irini-Einsatzkräfte auch dazu berechtigt sind, Schiffe zu Überprüfungszwecken zu betreten.

Auch die Bundeswehr ist an der Mission beteiligt, das Mandat läuft vorerst bis zum 31. März 2027 und steht zur Verlängerung aus. Maximal 300 Soldatinnen und Soldaten können für EUNAVFOR MED Irini eingesetzt werden.

Bleiben Sie mit WhatsApp immer auf dem Laufenden!

Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal und erhalten Sie eine Auswahl unseres umfangreichen Nachrichten-Angebots direkt auf Ihr Smartphone. Scannen Sie einfach den QR-Code mit Ihrem Handy oder klicken Sie – falls Sie bereits mobil unterwegs sind – auf diesen Link.
Verwandte Themen
Weitere Themen
Daily & Breaking News

Wir liefern werktäglich aktuelle Schlagzeilen und Updates.