Autos laden Fähre: Lies startet Projekt mit Norden-Frisia

Auch die Hochschule Osnabrück und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt sind an Bord. Gemeinsam haben die Partner den ersten Prototyp einer neu entwickelten Ladesäule in Betrieb genommen. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies gab den Startschuss für das sogenannte „bidirektionale Laden“.
Der Kern: Parkende Elektroautos werden damit zu Stromspeichern, die den vollelektrischen Katamaran „Frisia E-1“ – das erste elektrisch betriebene Seeschiff unter deutscher Flagge – mit Energie versorgen sorgen. Das Volkswagen Werk Emden hat für die Erprobung des Forschungsprojekts ein Elektrofahrzeug des Modells ID.7 zur Verfügung gestellt, das bereits über die notwendigen technischen Voraussetzungen verfügt.
Bereits 2025 hatte die Reederei Norden-Frisia den Elektrokatamaran „Frisia E-1“ in den Dienst gestellt. Der E-Kat soll mit einem möglichst hohen Anteil an von der Reederei selbst erzeugten, erneuerbaren Energien betrieben werden. Um diesen Anteil weiter zu erhöhen, war im September 2025 gemeinsam mit der Hochschule Osnabrück das Forschungsprojekt gestartet worden. Technischer Ansatz ist ein sogenanntes Vehicle-to-Grid-System (V2G). Dabei werden die Batterien der Autos, welche die Ladestationen auf den Parkplätzen der Frisia nutzen, als Zwischenspeicher in die Beladung des E-Kats eingebunden.
„Was hier in Norddeich entsteht, ist Energiewende zum Anfassen“, sagte Ministerpräsident Lies. „Eine elektrische Seefähre, die mit Strom aus parkenden Elektroautos aus Emder Produktion versorgt wird, zeigt ganz konkret, wie die Zukunft von Mobilität und Energie aussehen kann. Hier wird Zukunft nicht diskutiert, sondern gemeinsam von Wissenschaft und Wirtschaft praktisch erprobt.“
Das Projekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit 164.894 € gefördert und läuft bis Januar 2027. Umweltminister Christian Meyer hob die Bedeutung für den Klimaschutz hervor: „Direkt am Weltnaturerbe Wattenmeer entsteht ein geschlossener Kreislauf aus Sonnenstrom, Elektroautos und emissionsfreier Schifffahrt. Dieses Projekt ist beispielgebend für den Weg in eine dekarbonisierte Mobilität. Es entlastet die Stromnetze, spart CO2 und beweist, dass Klimaschutz und starke regionale Wirtschaft keine Gegensätze sind.“
Das Erprobungsfahrzeug, ein ID.7 mit der Aufschrift „from Emden with Love“, wurde im Volkswagen Werk Emden gefertigt und mit einer speziellen Software ausgestattet, die das bidirektionale Laden ermöglicht. Das Auto kann Strom nicht nur aufnehmen, sondern auch wieder abgeben – beispielsweise an das Ladesystem des E-Katamarans.
Die Reederei hat am Norddeicher Hafen bereits 242 solarüberdachte Stellplätze mit Ladepunkten errichtet; der Ausbau auf 600 ist geplant. Rund 60% des Fahrstroms des E-Kats sollen aus selbst erzeugtem Solarstrom stammen. „Unser Ziel ist die CO2-freie Inselversorgung“, sagte Frisia-Vorstand Carl-Ulfert Stegmann.

Bleiben Sie mit WhatsApp immer auf dem Laufenden!









