Maritime Future Summit: KI verändert Schiffsdesign und Betrieb

Beim Maritime Future Summit auf der SMM 2026 diskutierten am Mittwoch Experten über den Einsatz künstlicher Intelligenz im Schiffsentwurf und im Betrieb. Neben Effizienzgewinnen rückten dabei Cybersecurity, und Vertrauen in den Mittelpunkt.
(© Wygand)
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Künstliche Intelligenz entwickelt sich in der maritimen Industrie von einer digitalen Assistenz zu einem Werkzeug, das entlang des gesamten Lebenszyklus eines Schiffes eingesetzt werden kann. Das Spektrum reicht dabei vom Entwurf über die Interpretation von Vorschriften bis zur autonomen Navigation und Analyse der Flottenperformance.

Beim diesjährigen Maritime Future Summit in Hamburg diskutierten Vertreter aus Schiffsdesign, Technologieunternehmen, Klassifikationsgesellschaften und Schifffahrt in drei Sessions über Möglichkeiten und Grenzen der Technologie. Moderiert wurde die Konferenz von Volker Bertram von der World Maritime University und Michael Meyer, Chefredakteur der HANSA.

v.l.n.r.: Mia Elg (Deltamarine), Dimitri Ponkratov (Siemens Digital Industries Software), Carla Ferreira (DNV) und
Moderator Volker Bertram (© Wygand)

Schnellere Entwürfe mit KI

Mia Elg von Deltamarin zeigte, wie KI-Agenten einzelne Aufgaben im zunehmend komplexen Schiffsdesign schneller bearbeiten und unterschiedliche Analysen frühzeitig zusammenführen können. Dabei gehe es nicht allein um Zeitersparnis: „Unser Ziel ist es, dadurch qualitativ hochwertigere Entwürfe zu entwickeln“, sagte Elg. Allerdings bleibe die Technologie von den vorhandenen Informationen abhängig: „KI kann keine Probleme lösen, für die uns die erforderlichen Daten in unseren Systemen fehlen.“

Dimitri Ponkratov, Global Head of Marine bei Siemens Digital Industries Software, stellte Anwendungen vor, bei denen KI und digitale Zwillinge Designentscheidungen unterstützen. Anhand der Integration eines Tanks in einen Maschinenraum veranschaulichte er, wie sich unterschiedliche Lösungen schneller entwickeln und bewerten lassen.

Carla Ferreira von der Klassifikationsgesellschaft DNV warnte zugleich davor, technische Leistungsfähigkeit mit Zuverlässigkeit gleichzusetzen: „Auch leistungsfähige KI kann auf See versagen.“ Gerade bei sicherheitskritischen Anwendungen müsse nachvollziehbar sein, auf welcher Grundlage ein System zu seinen Ergebnissen komme. „KI muss evidenzbasiert sein“, unterstrich Ferreira.

Auch Halluzinationen großer Sprachmodelle wurden diskutiert. Ferreira hielt vollständig fehlerfreie Modelle für unrealistisch. Ponkratov sah darin zugleich einen Anstoß, Ergebnisse kritisch zu hinterfragen: Fehlerhafte Ausgaben könnten Nutzer dazu zwingen, KI-generierte Informationen genauer zu prüfen.

KI-Assistenten und autonome Systeme

Im zweiten Panel verlagerte sich der Fokus auf den Schiffsbetrieb. Oskar Levander von Kongsberg Maritime bezeichnete Cybersecurity als eine der größten Herausforderungen. Entscheidend seien zudem die richtigen Informationen und eine entsprechende Schulung der Besatzungen.

Für die kommerzielle Schifffahrt erwartet Levander künftig KI-Assistenten auf der Brücke. Diese könnten Informationen aus unterschiedlichen Bordsystemen zusammenführen und die Crew beim Equipment- und Performance-Monitoring sowie bei Sicherheitsaufgaben unterstützen.

Der Australier Robert Dane von Ocius stellte autonome maritime Systeme für Vermessungs- und Überwachungsaufgaben vor. Die China Classification Society (CCS) berichtete zugleich über Testeinrichtungen und technische Arbeiten an höheren Autonomiestufen. Damit gewinnen neben technischen Fragen auch Ethik, Haftung und das Vertrauen in automatisierte Entscheidungen an Bedeutung.

v.l.n.r.: Michael Meyer (HANSA), Rodion Denisyuk (eyegauge), Mona Kanafi (Wärtsilä), Nils Aden (Harren Group) und Volker Bertram (© Wygand)

Auf die Frage, ob KI die Sicherheit erhöhe oder neue Risiken schaffe, verwies Dane auf einen Vorteil automatisierter Systeme: „KI wird nicht müde, wie Menschen“. Levander erwartet langfristig eine breite Nutzung der Technologie auf nahezu allen Schiffen.

Flottendaten besser nutzen

In der dritten Session ging es um konkrete Anwendungen im laufenden Betrieb. Rodion Denisyuk von eyeGauge aus Paris zeigte, wie Edge AI Informationen aus bestehenden Bordsystemen zusammenführen kann, ohne die vorhandene Infrastruktur vollständig auszutauschen.

Wärtsilä richtete den Blick auf Performance-Optimierung und sogenannte KI-Agenten. Diese könnten künftig selbstständig auf unterschiedliche Datenquellen und Werkzeuge zugreifen und einzelne Schritte einer Analyse übernehmen. Mit der zunehmenden Autonomie wächst jedoch auch der Bedarf an verlässlichen und möglichst automatisierten Validierungsverfahren.

Nils Aden, Geschäftsführer der Bremer Reederei Harren Group, betonte aus Reedereisicht, dass es nicht darum gehe, KI möglichst überall einzusetzen. Entscheidend sei vielmehr der „Sweet Spot“ zwischen maritimer Erfahrung, vorhandenen Prozessen und neuen KI-Anwendungen.

„In diesem Jahr hatten wir wirklich sehr kristische Denker auf der Bühne. Das hat mir sehr gut gefallen“ betonte Volker Bertram abschließend.

Der Summit machte deutlich, dass KI viele Bereiche der Schifffahrt bereits längst erreicht hat. Neben möglichen Effizienzgewinnen werden künftig vor allem die Sicherheit der Systeme, die Überprüfbarkeit ihrer Ergebnisse und die Rolle des Menschen entscheidend sein.

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