MS&D stellt Verteidigungsfragen in den Mittelpunkt

Der dritte Tag der SMM markierte den Auftakt der Marinekonferenz „Maritime Security & Defence“ (MS&D), bei der die maritimen Verteidigungsfähigkeiten Europas im Mittelpunkt standen. In seiner Begrüßungsrede betonte Claus Ulrich Selbach, Vice President Exhibitions Maritime and Energy bei der Hamburg Messe & Congress, das neu erwachte öffentliche Interesse am militärischen Sektor. „Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist Verteidigung in der Öffentlichkeit wieder zu einem zentralen Thema geworden“, sagte er und fügte hinzu, dass immer mehr Menschen die Bedeutung der Verteidigung verstehen.
In diesem Jahr sind allein aus der Marineindustrie mehr als 60 Aussteller auf der SMM vertreten; insgesamt bieten über 250 Unternehmen weitere Technologien und Zulieferprodukte an. Selbach dankte den Partnern, dem Team und Sponsoren wie Rheinmetall, bevor er das Wort an Karsten Schneider, Präsident des Deutschen Maritimen Instituts (DMI), übergab.

Schneider bezeichnete die Marineindustrie als „treibenden Faktor für das weltweite Wohlergehen und die Sicherheit“ und benannte drei Schlüsselfaktoren, die den Sektor in den vergangenen Jahren verändert haben. Erstens prägen maritime Blockaden – die früher vor allem aus großen Kriegen bekannt waren – heute den Alltag der Schifffahrt: Die Krise im Roten Meer erzwang in den letzten Monaten Routenänderungen, und eine Blockade der Straße von Hormus würde nicht nur die Versorgung mit Öl und Gas, sondern auch mit Düngemitteln unterbrechen, was Hunger und Mangelernährung zur Folge hätte.
Zweitens entstehen durch das Versagen traditioneller Seemächte neue Konflikte: Russland gelang es nicht, das Schwarze Meer zu kontrollieren, während sich die USA als unfähig erwiesen, die Straße von Hormus zu sichern.
Und drittens hat sich ein neues Gleichgewicht zwischen den Verbündeten im Nordatlantik herausgebildet. Angesichts des wachsenden Drucks durch Russland und eines weitgehend eigenständig agierenden Trump muss Europa handeln. Schneider sprach von einem „neuen Abkommen zwischen den USA und den europäischen Verbündeten“, bei dem die alte Welt mehr Verantwortung als bisher übernimmt. Hierfür mahnte der DMI-Präsident an, zunächst die Anforderungen zu betrachten und erst dann die Lösungen der Industrie in den Blick zu nehmen.
Europas maritime Fähigkeiten
Im ersten Panel, moderiert von DMI-Vorstandsmitglied Heinz Schulte, wurden die maritimen Fähigkeiten Europas bewertet, wobei die Diskussionsteilnehmer auch neue Ideen zu deren Stärkung einbrachten. Giovanni Cremonini, stellvertretender Leiter des Bereichs Maritime Wirtschaft beim Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD), stellte die „European Defence Projects of Common Interest“ (EDPCIs) vor, die darauf abzielen, die Fähigkeiten der EU-Mitgliedstaaten zu stärken. Im Hinblick auf das maritime Lagebild und die Interoperabilität umfasst das Projekt auch Pläne für ein modulares europäisches Kampfschiff in einer Größenordnung von 3.000 bis 10.000 tdw. Die diesbezügliche Ratsentscheidung, so Cremonini, werde in den kommenden Wochen erwartet.
Oliver Juckenhöfel, Executive Vice President für Überwasserschiffe bei TKMS, erklärte, die Sicherheitslage verändere sich in „alarmierendem Tempo“; es bleibe keine Zeit, langwierigen Fahrplänen zu folgen. Der Bedarf an Marineschiffen werde sich voraussichtlich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, während die industrielle Basis in der EU noch „stark zersplittert“ sei.
Irina Haesler, Leiterin der EU-Vertretung und Vorstandsmitglied beim Verband Deutscher Reeder (VDR), warf die Frage auf, ob maritime Sicherheit unsichtbar sei – bis sie verloren gehe. Sie verwies auf hybride Bedrohungen in der Ostsee sowie auf die Straße von Hormus als Schauplatz militärischer Konfrontationen. „Sicherheit ist kein abstraktes Konzept mehr“, sagte sie. „Seekrieg ist nicht Geschichte, sondern hat verschiedene Gesichter.“
Angesichts des defensiven Vorgehens der EU im Rahmen der Mission ASPIDES fragte Haesler, ob Europa nicht auch proaktiver agieren sollte. „Maritime Sicherheit ist für alle sichtbar geworden“, stellte sie fest. „Die Frage ist, ob Europa und seine Mitgliedstaaten bereit sind, auf das zu reagieren, was sie nun sehen können.“
Auf die Podiumsdiskussion folgten eine Keynote von Vizeadmiral Jan-Christian Kaack, dem Inspekteur der Deutschen Marine, sowie weitere Diskussionsrunden, die sich auf operative Anforderungen und den U-Boot-Sektor konzentrierten. Am heutigen Freitag folgen weitere Diskussionen zu aktuellen Entwicklungen in der Verteidigungsbranche sowie über unbemannte Systeme. Ein ausführlicher Bericht über die diesjährige MS&D wird zu einem späteren Zeitpunkt in den Print- und Online-Publikationen der HANSA erscheinen. Das zugehörige MS&D-Magazin des Mittler Reports steht schon jetzt kostenlos zum Download bereit.

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