EU-Pflicht für Offiziere auf Schiffen unter deutscher Flagge fällt

Um die Attraktivität der deutschen Flagge für Reedereien zu erhöhen und der Herausforderung „Fachkräfte“ zu begegnen, hat die Bundesregierung die Schiffsbesetzungsordnung angepasst. Es geht um die Nationalität von Kapitänen und Offizieren.
Foto: Selzer

Seit dem Wochenende können auf Schiffen unter Deutscher Flagge erstmals auch Kapitäne und Schiffsoffiziere eingesetzt werden, die nicht aus der EU stammen, wie das Portal „Deutsche Flagge“ über Social Media bekannt gab. Bisher galt für den Kapitän und auf einem größeren Schiff auch für einen Schiffsoffizier die EU-Vorgabe.

Daran wird sich auch vorerst nichts ändern, wie betont wurde: „Bei diesem Grundsatz bleibt’s auch, aber Reedereien haben jetzt weitere Wahlmöglichkeiten“. Der Kapitän oder Schiffsoffizier aus einem Drittstaat hat entweder ein Befähigungszeugnis aus einem EU-Staat: Dann reicht ein deutsches Endorsement und die Teilnahme am Kurs „Deutsches Seeschifffahrtsrecht“. Oder es gibt ein Befähigungszeugnis aus einem Nicht-EU-Staat. In diesem Fall lässt sich die Reederei zusätzlich von der Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr eine Genehmigung ausstellen.

Es gibt drei Voraussetzungen, um die neue Regelung anwenden zu können:

  • Auf dem Arbeitsmarkt ist kein EU-Kapitän oder EU-Schiffsoffizier verfügbar.
  • Der Reeder versichert, dass er aktuell keinen EU-Schiffsoffizier zum Kapitän befördern kann.
  • Der Reeder richtet für jeden Kapitän oder jeden Schiffsoffizier aus Drittstaaten zwei neue Ausbildungsstellen ein. Bei Reedereien mit Schiffen ausschließlich unter 500 BRZ reicht eine Ausbildungsstelle. Das können den Angaben zufolge sein: Schiffsmechaniker-Auszubildende, Offiziersassistenten (NOA, TOA, ETOA) oder Junioroffiziere mit Seefahrtschul-Abschluss vor maximal fünf Jahren.

Wichtig ist zudem, dass dies nicht „pro Schiff“ gilt, die Genehmigung ist reedereibezogen und sie gilt zunächst für sechs Monate. Wenn die Ausbildungsstellen eingerichtet sind, wird sie um weitere 54 Monate verlängert.

„Mit der Option des flexiblen Einsatzes von qualifizierten Fachkräften aus Drittstaaten reagiert das German Federal Ministry of Transport auf den zunehmenden Mangel an EU-Kapitänen und -Schiffsoffizieren auf dem maritimen Arbeitsmarkt. Die Flexibilisierung der Schiffsbesetzung hat einen doppelten Nutzen: Sie macht die Deutsche Flagge wettbewerbsfähiger und setzt Anreize für mehr Seefahrt-Ausbildung“, heißt es in dem Statement.

Diese Reform wird als ein weiterer wichtiger Baustein zur nachhaltigen Stärkung der Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen Flagge bezeichnet. Gerade in den vergangenen zwei Jahren seien zahlreiche Maßnahmen umgesetzt worden, um den Service zu verbessern, Verfahren zu beschleunigen und bürokratische Hürden abzubauen.

Tatsächlich scheint derzeit einiger Schwung in die Sache gekommen zu sein. Einflaggungsmanager Christian Bubenzer sieht ein „großes Interesse“ an der deutschen Flagge. Neben der Rechtslage und Aspekten wie der Schiffsbesetzungsverordnung spielen dabei auch die angespannte Seicherheitslage auf See (und damit der potenzielle Schutz deutscher Schiffe durch deutsche Sicherheitsbehörden) sowie die vieldiskutierte Resilienz des Standorts Deutschlands eine große Rolle. Bubenzer erläutert diese Punkte ausführlich und exklusiv gegenüber der HANSA in der neuen Episode des HANSA-Podcasts. Hören Sie rein! Es geht in dem Gespräch unter anderem auch um:

  • Sehr viele und sehr gute Gespräche mit Reedereien
  • Weitere Verbesserungen des deutschen Schiffsregisters und weitere Hausaufgaben für die Behörden
  • Das große Argument „Kosten“ und den Vergleich zu anderen Registern
  • Schifffahrtsrecht und private Sicherheitsteams an Bord
  • Hoheitliche Aufgaben und Zusammenarbeit mit Klassifikationsgesellschaften
  • Imagewandel, Vorurteile und „Umparken im Kopf“
  • Ausbildung und Förderung
  • Bessere Karrierechancen für deutsche Seeleute
  • Marketing und Vertrieb für deutsche Flagge
  • Schiffstypen unter deutscher Flagge
  • Containerschiffe und MPP-Schiffe
  • Überzeugungsarbeit bei Tailwind, Tui Cruises & Co.
  • Rückenwind aus dem Verkehrsministerium
Deutsche Flagge, Bubenzer, Podcast

Bleiben Sie mit WhatsApp immer auf dem Laufenden!

Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal und erhalten Sie eine Auswahl unseres umfangreichen Nachrichten-Angebots direkt auf Ihr Smartphone. Scannen Sie einfach den QR-Code mit Ihrem Handy oder klicken Sie – falls Sie bereits mobil unterwegs sind – auf diesen Link.
Verwandte Themen
Weitere Themen
Daily & Breaking News

Wir liefern werktäglich aktuelle Schlagzeilen und Updates.