Schutzverein: Hormus-Konflikt sorgt für mehr Streitfälle

Mehr Streitigkeiten um Charterverträge, verunreinigte Bunker und anhaltende Sanktionsthemen beschäftigen den Schutzverein Deutscher Rheder. Auf seiner Jahresmitgliederversammlung in Hamburg berichtete der Verein zudem über einen Verlust für 2025.
Von links: Michael Wester des Schutzvereins Deutscher Rheder, Gastredner und Schifffahrtsökonom Martin Stopford sowie Vorstandsvorsitzender Michael Silies (© Wygand)
Von links: Michael Wester des Schutzvereins Deutscher Rheder, Gastredner und Schifffahrtsökonom Martin Stopford sowie Vorstandsvorsitzender Michael Silies (© Wygand)

Die Auswirkungen des Irankriegs auf die Schifffahrt schlagen sich beim Schutzverein Deutscher Rheder in steigenden Fallzahlen nieder. Aktuell liegt die Zahl der Schadensfälle bei 187 nach 173 im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Verein unterdessen mit einem leichten Anstieg gegenüber 2025. Das berichtete Geschäftsführer Michael Wester auf der Jahresmitgliederversammlung am Donnerstag im Hamburger Hotel Empire Riverside.

Ein wesentlicher Grund sind nach Angaben des Schutzvereins die Folgen des Irankriegs und der faktischen Sperrung der Straße von Hormus Ende Februar. Diese hätten die Durchführung zahlreicher Charterverträge beeinträchtigt und Streitigkeiten über die vertraglichen Verantwortlichkeiten ausgelöst.

Bei Schiffen, die im Persischen Golf eingeschlossen waren, ging es unter anderem um Zeitverluste und den Umgang mit der an Bord befindlichen Ladung. Bei Einheiten außerhalb des Golfs stellte sich teilweise die Frage, welche Alternativhäfen für das Löschen der Ladung als sicher anzusehen waren. Die weit überwiegende Zahl dieser Fälle habe sich zeitnah und ohne höhere Rechtskosten lösen lassen, berichtete der Verein.

Bunkerqualität und Sanktionen bleiben wichtige Themen

Daneben gewinnen Streitigkeiten um die Bunkerqualität an Bedeutung. Nach Beobachtung des Schutzvereins werden vermehrt Verunreinigungen festgestellt, die ein Abpumpen des Kraftstoffs von Bord erforderlich machen. Weiterhin beschäftigen den Verein zudem Sanktionsthemen. Diese betreffen neben Russland auch andere Länder und Fahrtgebiete, darunter Kuba.

Weniger im Vordergrund standen im laufenden Geschäftsjahr dagegen Anfragen zu Dekarbonisierungsvorschriften. Die praktische Umsetzung und die vertragliche Verteilung der Verantwortlichkeiten scheinen aus Sicht des Vereins größtenteils unproblematisch zu verlaufen. Dies führt er auf die teils intensiven Vorbereitungen der betroffenen Schifffahrtsunternehmen zurück.

Höhere Rückstellungen belasten die Bilanz

Für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2025 legte der Vorstandsvorsitzende Michael Silies von Wilhelmsen Ahrenkiel Ship Management eine Bilanz mit gestiegenen Beitragseinnahmen, aber einem negativen Ergebnis vor. Die Einnahmen erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr um rund 35.000 € auf etwa 1,68 Mio. €. Unter dem Strich stand dennoch ein Nettoverlust von rund 319.330 €. Im Jahr 2024 hatte der Schutzverein noch einen Gewinn von rund 72.511 € erzielt.

Ausschlaggebend war nach Vereinsangaben ein erhöhter Rückstellungsbedarf infolge neuer Berechnungsmethoden. Ohne diesen Effekt wäre das Ergebnis positiv ausgefallen, trotz eines Anstiegs der Aufwendungen für Versicherungsfälle, den Versicherungsbetrieb und sonstige Positionen um insgesamt rund 150.000 €. Das Kapitalanlageergebnis erreichte etwa 200.000 € nach rund 260.000 € im Vorjahr.

Der Verlust wurde auf Beschluss des Vorstands aus der Verlustrücklage gedeckt. Diese belief sich anschließend auf rund 5,77 Mio. €. Für seine Mitglieder konnte der Schutzverein 2025 Ansprüche im Umfang von 13,2 Mio. € durchsetzen beziehungsweise abwehren. Im Vorjahr waren es 27,9 Mio. € gewesen.

Beiträge steigen 2027 um rund 3%

Volles Haus: Am Donnerstagabend kamen die Mitglieder des Schutzvereins und geladene Gäste im Empire Riverside zusammen (© Wygand)

Die Zahl der versicherten Schiffe hat sich leicht reduziert. Aktuell gehören 848 Einheiten mit einer Gesamttonnage von rund 16,1 Mio. BRZ zum Bestand. Für 2026 erwartet der Schutzverein weiter steigende Beitragseinnahmen und ein positives Kapitalanlageergebnis. Dem stehen voraussichtlich höhere Zahlungen für Versicherungsfälle sowie anhaltend hohe Aufwendungen für die Digitalisierung gegenüber. Obwohl derzeit kein weiterer Anstieg des Rückstellungsbedarfs erwartet wird, prognostiziert der Verein erneut einen Verlust.

Für 2027 rechnet der Schutzverein derweil mit einer konstanten Zahl versicherter Schiffe. Die Mitgliedsbeiträge sollen um rund 3% steigen und dann zwischen 650 € und 2.655 € je Schiff und Jahr liegen.

Die Mitgliederversammlung wählte Silies erneut in den Vorstand. Beim anschließenden traditionellen Jahresessen sprach der Schifffahrtsökonom Martin Stopford über die Entwicklung der Einnahmesituation in der Schifffahrt während der vergangenen 60 Jahre und seine Erwartungen für die Containerschifffahrt.

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