Klimafreudliche Schifffahrt: Bund beschließt nationalen Aktionsplan

Der Aktionsplan umfasst insgesamt 47 einzelne Maßnahmen, deren Umsetzung nun mit dem Kabinettsbeschluss beginnen kann. Die neuen Fördermaßnahmen des Aktionsplans wurden mit 400 Mio. € aus dem Titel „klimafreundliche Schifffahrt und Häfen“ im Klima- und Transformationsfonds hinterlegt. Das Geld soll in den nächsten Jahren in die Dekarbonisierung des Sektors fließen.
Die See- und Binnenschifffahrt ist laut einer Mitteilung des Bundes von „zentraler Bedeutung“ für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Sie sichere Versorgung, Wertschöpfung und Beschäftigung im Land und sei ein unverzichtbarer Bestandteil leistungsfähiger Lieferketten. Mit dem Nationalen Aktionsplan schaffe die Bundesregierung nun die Voraussetzungen für die klimafreundliche Schifffahrt, damit die Branche die Klimaziele erreicht und wettbewerbsfähig bleibt.
„Die Schifffahrt steht vor einem tiefgreifenden Wandel und großen Herausforderungen“, sagte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU). „Wir unterstützen mit dem Nationalen Aktionsplan klimafreundliche Schifffahrt die Branche dabei, die Transformation erfolgreich zu gestalten, neue Wertschöpfung zu schaffen und Deutschland als führenden Innovationsstandort für klimafreundliche maritime Technologien zu positionieren. Dabei verfolgt der Aktionsplan ausdrücklich einen technologieoffenen Ansatz und schafft verlässliche Rahmenbedingungen, damit sich die besten klimafreundlichen Lösungen am Markt durchsetzen können. So bringen wir Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Innovation zusammen.“
Der Aktionsplan ist Teil des Klimaschutzprogramms 2026 der Bundesregierung. Er wurde in einem breiten Dialog mit Verbänden, Wissenschaft sowie Landes- und Bundesressorts erarbeitet und ergänzt die Aktivitäten der Bundesregierung auf internationaler und europäischer Ebene. Die Maßnahmen sind auch eng mit den Aktivitäten des BMV zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels insbesondere mit dem Aktionsplan Niedrigwasser Rhein verknüpft.
Zu den zentralen Handlungsfeldern gehören:
- die Entwicklung und Nutzung alternativer Antriebs- und Energiesysteme
- die Versorgung der Schifffahrt mit kohlenstoffarmen und nachhaltigen erneuerbaren Energieträgern
- die klimafreundliche Modernisierung der Schiffsflotte
- der Aufbau grüner Schifffahrtskorridore
Leitende Prinzipien des Aktionsplans sollen laut Bund Technologieoffenheit sowie der Abbau „unnötiger bürokratischer Hürden“ sein. So würden die Markteinführung und der Hochlauf klimafreundlicher Technologien beschleunigt werden.
Die klimafreundliche Transformation der deutschen See- und Binnenschifffahrt bleibe dabei laut Bundestag ein gemeinsamer Prozess: Noch in diesem Herbst folgen die nächsten Umsetzungsschritte auf der BMV-Fachkonferenz klimafreundliche Schifffahrt am 05. November 2026 gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Ländern, Wirtschaft, Verbänden, Wissenschaft, Ressorts und Behörden.
NABU kritisiert Plan als unzureichend
Der Naturschutzbund NABU, der sich bereits im vorgeschalteten Beteiligungsprozess eingebracht hatte, begrüßte die Zielsetzung des Nationalen Aktionsplans für klimaneutrale Schifffahrt (NAPS). Bei zentralen Maßnahmen gebe es jedoch Nachbesserungsbedarf.
„Der NAPS setzt wichtige Impulse, um die Schifffahrt klimafreundlicher und zukunftsfähiger zu machen“, sagte NABU-Schifffahrtsexperte Sönke Diesener. „Doch die für die Umsetzung vorgesehenen Mittel reichen bei Weitem nicht aus. Jetzt muss es heißen: Nicht kleckern, sondern klotzen. Wer die Schifffahrt klimafreundlich umbauen will, muss einen deutlich größeren Anteil der ETS-Einnahmen in emissionsfreie Schiffe, Häfen und erneuerbare Energieträger investieren.“
Deutschland nehme aus dem maritimen EU-Emissionshandel voraussichtlich jährlich 700 Mio. bis 1,4 Mrd. € ein. Dennoch sehe der Plan nur 400 Mio. € über vier Jahre vor, um klimafreundliche Schiffe und Häfen zu fördern. Das kritisiert der NABU als unzureichend. Darüber hinaus fordert er, Fördermaßnahmen, Infrastrukturinvestitionen sowie Forschungs- und Entwicklungsprogramme konsequent am tatsächlichen Potenzial zur Treibhausgasminderung auszurichten. Fossile Kraftstoffe sollten grundsätzlich von der Förderung ausgeschlossen werden. Auch LNG ist aus Sicht des NABU keine nachhaltige Klimaschutzoption: Neben den weiterhin hohen CO₂- und Methanemissionen von fossilem LNG sprechen begrenzte nachhaltige Biomassepotenziale, Methanschlupf und die langfristige Bindung an fossile Technologien gegen eine Förderung LNG-basierter Lösungen.

„Öffentliche Gelder müssen gezielt in Technologien fließen, die die Schifffahrt wirklich klimaneutral machen. Entscheidend ist, wie viel Treibhausgase eine Technologie tatsächlich einspart. LNG erfüllt diesen Anspruch nicht – egal, woher es stammt. Seine Förderung ist deshalb nicht zu rechtfertigen“, ergänzt NABU-Schifffahrtsexpertin Raija Koch.
Das Thema Nachhaltigkeit in der Schifffahrt wird auch beim diesjährigen HANSA-Forum eine wichtige Rolle einnehmen. Malte Siegert, 1. Vorsitzender des NABU Hamburg, diskutiert im Rahmen des Forums mit ZVDS-Geschäftsführer Alexander Geisler darüber, ob die Schifffahrt genug für eine nachhaltige Zukunft tut, wo Hindernisse liegen und ob die Branche sie gemeinsam angehen kann. Alle Informationen zum diesjährigen Programm und zur Anmeldung finden Sie auf unserer Website.

Bleiben Sie mit WhatsApp immer auf dem Laufenden!






