Angriffe auf Schiffe nehmen zu: Unsicherheit am Dry-Bulk-Markt

Die Marktaussichten in der Massengutschifffahrt sind durchwachsen, allen voran durch die Lage an der Straße von Hormus und im Schwarzen Meer. Abhängig von der Entwicklung sind zwei Zukunftsszenarien denkbar.
Getreide, Bulker, Schwarzes Meer, Ukraine
Bulker im Schwarzen Meer (© Infrastrukturministerium Ukraine)

Die Straße von Hormus ist primär als Nadelöhr für Öltransporte wichtig: Bis zu 20% des weltweit gehandelten Rohöls passiert die strategisch wichtige – und derzeit umkämpfte – Meerenge zwischen Oman und Iran. Aber auch für den Dry-Bulk-Sektor ist die Straße nicht unwichtig. Nach Angaben des Baltic and International Maritime Council (Bimco) entfallen im Normalfall etwa 4% der Nachfrage in der Massengutschifffahrt auf Routen, die durch die Straße von Hormus führen.

Seit ihrer faktischen Sperrung, sowohl von Seiten des Iran als auch der USA, mussten Reeder auf alternative Fahrtrouten zurückgreifen, die das Volumen vor Kriegsbeginn jedoch nicht vollständig ersetzen konnten. Die Störungen haben zudem die Versorgung mit Energie und Düngemitteln verknappt, was das globale Wirtschaftswachstum belastet und Sorgen hinsichtlich der Ernährungssicherheit aufwirft. Auch im Schwarzen Meer, einem der wichtigsten Exportkorridore für beispielsweise Getreide aus der Ukraine, ist die Lage angespannt.

„Geopolitische Verwerfungen trüben weiterhin den Ausblick für den Markt der Massengutschifffahrt“, so Filipe Gouveia, Shipping Analysis Manager bei der Bimco. „Die faktische Schließung der Straße von Hormus bleibt der größte Unsicherheitsfaktor, während Angriffe auf Schiffe und Hafeninfrastruktur im Schwarzen Meer ein weiteres Risikoelement darstellen.“

Geschlossen oder offen?

Angesichts dieser Unsicherheit hat die Bimco zwei Prognoseszenarien entwickelt. Das Szenario „Straße von Hormus geschlossen“ geht davon aus, dass die Meerenge in den Jahren 2027 und 2028 faktisch geschlossen bleibt, während das Szenario „Straße von Hormus offen“ davon ausgeht, dass Schiffe die Region ab 2027 wieder ungehindert passieren können.

„Wir erwarten, dass sich das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage im Massengutsektor in den Jahren 2027 und 2028 allmählich abschwächt – wenn auch ausgehend von einem hohen Niveau. Das Wachstum des Frachtvolumens dürfte begrenzt bleiben, während die Auslieferung neuer Schiffe zunimmt, insbesondere im Capesize-Segment“, so Gouveia.

Sollte Hormus geschlossen bleiben, rechnet die Organisation für 2027 mit einem Wachstum der Nachfrage nach Tonnage von 0,5 bis 2,5%. Dem steht ein Angebotswachstum von 3 bis 4% gegenüber. Falls die Meerenge wieder geöffnet wird, dürften sowohl die Nachfrage als auch das Angebot um jeweils einen Prozentpunkt höher liegen. „In diesem Szenario würde die Nachfrage nach anderen Gütern als Kohle stärker wachsen, gestützt durch eine verbesserte Wirtschaftslage und eine höhere Importnachfrage aus den Ländern am Persischen Golf“, teilte die Bimco mit. „Gleichzeitig würde die derzeit im Golf festliegende Flotte wieder regulär in Betrieb gehen, und die Fahrtgeschwindigkeiten könnten – im Vergleich zum anderen Szenario – etwas höher bleiben, was das Angebot weiter vergrößert.“

Grafik: Prognostiziertes Marktwachstum (Dry Bulk) in den Szenarien „Hormus offen“ (l.) und „Hormus geschlossen“
Prognostiziertes Marktwachstum (Dry Bulk) in den Szenarien „Hormus geschlosse“ (l.) und „Hormus offen“ (© Bimco)

Für 2028 wird in beiden Szenarien ein Wachstum der Nachfrage nach Tonnage von 0,5 bis 2,5% prognostiziert, während für das Angebot ein Zuwachs von 3 bis 4 % erwartet wird. Das Wachstum des Frachtvolumens aufgrund rückläufiger Kohletransporte dürfte begrenzt bleiben; zudem könnte die Rückkehr von Massengutfrachtern zum Panamakanal das Wachstum der durchschnittlichen Transportdistanzen dämpfen.

Auf der Angebotsseite dürften zunehmende Schiffsablieferungen zu einem kräftigen Flottenwachstum führen, auch wenn gleichzeitig mehr Schiffe verschrottet werden. Schließlich ist bei einer Abschwächung der Marktbedingungen mit einem leichten Rückgang der durchschnittlichen Fahrtgeschwindigkeit zu rechnen.

„Störungen der Schifffahrt im Schwarzen Meer stellen ein zusätzliches Abwärtsrisiko für den Marktausblick dar“, so Gouveia. „Die Prognose geht davon aus, dass russische und ukrainische Getreidemengen, die 2026 nicht verschifft werden können, stattdessen im Jahr 2027 exportiert werden. Sollten diese Mengen jedoch dauerhaft ausfallen, könnte das Wachstum bei Massengütern im Jahr 2027 um bis zu 0,5 Prozentpunkte und das Wachstum bei Getreidetransporten um bis zu 4 Prozentpunkte geringer ausfallen.“

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