Bundesregierung blockiert Zippel-Übernahme durch Cosco

Auch in der maritimen Branche war die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit verfolgt worden, da die Zippel-Spedition im Hinterlandverkehr der großen Seehäfen eine große Rolle spielt – das war auch der Grund für den Vorstoß von Cosco.
In den vergangenen Tagen war bereits durchgesickert, dass Berlin sich das ganze Thema genau anschaut, nachdem das Kartellamt die Übernahme bereits durchgewunken hatte. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür bislang nicht.
Heute berichten mehrere Medien, unter anderem das Handelsblatt, dass in der heutigen Kabinettssitzung beschlossen wurde, den Deal zu stoppen.
Es bestehe die Gefahr strategischer Abhängigkeiten, welche „im Zuge politischer Verwerfungen als Druckmittel genutzt werden könnten“, wird aus einem Regierungsdokument zitiert. „Durch den Erwerb würde der strategische Einfluss Chinas auf Deutschland und die europäische Transportinfrastruktur gestärkt“. Zippel sei trotz geringer Marktanteile ein etablierter Akteur mit jahrzehntelang gewachsener Marktkenntnis: „Diese Informationen sind für Cosco beziehungsweise für China sehr interessant.“
Nach dem umstrittenen und vieldiskutierten Einstieg am Hamburger Containerterminal Tollerort hatte Cosco das nächste Ziel in der hiesigen Logistik-Branche in den Blick genommen und will 80% der Hamburger Speditionsgruppe Zippel kaufen. Sie ist unter anderem im Hinterlandverkehr der beiden großen deutschen Häfen Hamburg und Bremerhaven aktiv – ein Geschäft, das nach Ansicht einiger Experten und Linienreedereien mehr Effizienz vertragen könnte. Im exklusiven HANSA-Interview hatte Mingfeng Wang, EuropaChef der Reederei, bereits das Hinterland und weitere „Kooperationen“ ins Spiel gebracht (HANSA 02/2024).
der plan der Chinesen stieß jedoch umgehend auf einige Kritik, dabei ging es um Sicherheitsbedenken und zu viel Macht des Staatskonzerns in der hiesigen Logistik. Noch im Mai hatte die Bundesregierung jedoch mitgeteilt, dass ein Veto nicht ohne Weiteres möglich ist, da Zippel „nicht als Betreiber Kritischer Infrastruktur im Sinne des BSI-Gesetzes registriert“ ist. Das neue „Kritis-Dachgesetz“ wurde dabei aber nicht einbezogen. Ob das nun der Fall ist oder wie es zum Umdenken in der Politik gekommen ist, bleibt vorerst unklar. Weitere Informationen wurden im Frühsommer noch als „Vertraulich“ eingestuft. Das Bundeskartellamt hatte anders als der Verfassungsschutz keine Bedenken und gab der geplanten Transaktion grünes Licht.
Offenbar gab es nun Bedenken mehrerer Ministerien, darunter auch das Verteidigungs-, das Wirtschafts- und das Außenministerium. Hintergrund ist demnach die Rolle der Zippel-Spedition in der Militärlogistik für die Bundeswehr und die Nato. „Von China beeinflusste Elemente der europäischen Transportinfrastruktur stünden im Konflikt- oder Krisenfall nicht oder zumindest nicht uneingeschränkt zur Verfügung“, wurde aus einem der vertraulichen Dokumente zitiert.

Bleiben Sie mit WhatsApp immer auf dem Laufenden!






