HANSA-Forum 2025: Highlights und Bilder

Beim 27. HANSA-Forum kamen zahlreiche maritime Experten zusammen, um sich über aktuelle Themen und Strategien für die Zukunft auszutauschen – darunter u.a. Reeder, Finanzierer, Politiker, Manager, Makler, Versicherer, Klassen und Juristen.
(© Jonas Walzberg / HANSA)

Die Themenpalette reichte von der Container- und MPP-Schifffahrt über die Logistik, Spezial- und Offshore-Schiffe sowie maritime Finanzierung und Politik bis hin zu Cyber-Risiken, Umweltregulierung und alternativen Energieträgern.

Makrotrends bestimmen die Schifffahrt

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank (HCOB), rückte die sogenannten „5 Ds“ in den Mittelpunkt, die auch den Rahmen für die Schifffahrt mitgestalten: Demografie, Deglobalisierung, Dekarbonisierung, Digitalisierung sowie AI & Defense . Er verwies darauf, dass die fortschreitende Erderwärmung perspektivisch neue Schifffahrtsrouten eröffnen könnte. Auch das „Friendshoring“ könne Effekte haben.

Ploß erkennt deutsche Häfen als sicherheitspolitischen Faktor an

Der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Christoph Ploß (CDU), hob im Gespräch mit HANSA-Chefredakteur Michael Meyer die wachsende Bedeutung der maritimen Wirtschaft hervor und unterstrich, dass Deutschland einen handlungsfähigen Schiffbau und eine große Flotte unter deutscher Flagge. Angesichts eines hohen Sanierungsbedarfs sprach er sich für zielgerichtete Investitionen aus, die jedoch gut begründet sein müssten. Außerdem sah er die Häfen als essenziellen Bestandteil der Nato-Logistik und kündigte an, sich für eine Stärkung der deutschen Flagge einzusetzen sowie bürokratische Hürden abzubauen.

Finanzierung unter neuen Bedingungen

Der erste Paneltalk mit Schiffsfinanzierern widmete sich Flottenmodernisierungen, der Weltwirtschaft und dem Sanktionsumfeld. Vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an Schiffe und neue Kraftstoffe diskutierten im Internationalen Maritimen Museum Hamburg Vertreter von Deutscher Bank (Bastian Dühmert), HCOB (Jan-Philipp Rohr), Warburg Bank (Jens Dose) und KfW IPEX-Bank (Delphine Deroche) über Märkte, Risiken und Finanzierungsmöglichkeiten. Jens Dose von der MM Warburg Bank wies darauf hin, dass man neben der Betrachtung „grüner“ Schiffe berücksichtigen müsse, dass die heute eingesetzte Flotte weiterhin gebraucht werde. Die Experten diskutierten zudem die potenziellen Effekte der jüngst gescheiterten IMO-Verhandlungen zum Net Zero Framework und der Währungsentwicklungen mit einem schwächeren Dollar. Allgemeiner Tenor: Der Markt bietet noch einige Potenziale, Kapital ist vorhanden. Bastian Dühmert von der Deutschen Bank sprach von einem „kompetitiven Markt“ in der Schiffsfinanzierung.

Nischenmärkte und Zukunftsstrategien

Aus Sicht eines Reeders berichtete Lucius Bunk von der Hamburger MPP-Reederei Auerbach inwiefern er für sein Unternehmen mögliche Chancen sieht. Er ging auf Motive für strategische Entscheidungen und das Zusammenspiel mit Investoren ein. Für die eigene Flotte peilt Bunk 20 bis 25 Einheiten an, wobei Eigentum nicht zwingend erforderlich sei.

Containerschifffahrt unter Druck: MSC, Otto Group und Alphaliner analysieren

Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Containerschifffahrt. Nils Kahn, Geschäftsführer von MSC Germany, erläuterte die Pläne des Marktführers. MSC profitiere nach seinen Worten von der Möglichkeit, direkte Hafenanläufe anbieten zu können. „Diese operative Freiheit ist für uns als MSC ein echter Wettbewerbsvorteil“, so Kahn. Die Rahmenbedingungen hätten in den vergangen Jahren aber auch für MSC verändert. Kahn betonte zudem, dass die deutschen Seehäfen jetzt Investitionen benötigten und Mittel aus dem Sondervermögen gezielt in die Häfen fließen müssten, um Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung zu sichern. Auch der Deal mit der HHLA sei als langfristige Partnerschaft zu verstehen.

Die Otto Group aus Hamburg rückte die Nachhaltigkeitsanforderungen an die Containerschifffahrt in den Mittelpunkt. Die Nachhaltigkeitsmanager Sophie Hering und Lucas Schümann stellten klar, dass 80 bis 90 % der Waren des Konzerns per Schiff transportiert werden und stellten eine „Wunschliste“ vor, die an die Linienreedereien addressiert war. Alphaliner-Chefanalyst Jan Tiedemann beleuchtete ausführlich Markttrends, Orderbücher und die Dynamik im Carrier-Wettbewerb.

Cybersicherheit und Offshore im Fokus

Generalleutnant Michael Vetter, Abteilungsleiter Cyber/IT im Verteidigungsministerium, betonte die Notwendigkeit, technologische Kompetenzen auszubauen und einen Markt für Cyberprodukte in der Bundeswehr zu schaffen. Der Bund müsse im Ernstfall in allen Dimensionen, an Land, in der Luft und zur See, widerstandsfähig sein.

Im Panel zur Offshore- und Spezialschifffahrt wurden zukünftige Kapazitätsengpässe betont. Kobbe Peirs, Area Manager bei Jan De Nul, rechnet ab 2030 mit einem knappen Angebot und verwies auf bereits stark ausgelastete Werften. Phillip Maracke (Deutsche Offshoreschiffahrt) erläuterte derweil, man sehe sowohl Spot- als auch langfristige Vertragsmöglichkeiten, plane jedoch nicht, selbst zum maritimen Contractor zu werden. Matthias Mroß (GRS Group) hob hervor, dass Reeder grundsätzlich akzeptieren müssten, projektbezogen zu arbeiten, um im Offshore-Segment erfolgreich zu sein. Matthias Becker von Anglo-Eastern Shipmanagement berichtete von einigem Bedarf an externem Management in der Offshore-Flotte.

Regulierungen, neue Kraftstoffe und Risiken

In einem weiteren Panel wurde die Frage diskutiert, wie Reeder mit den komplexen Regularien wie EU ETS sowie FuelEU umgehen. Versicherungsexpertin Simone Vitzthum (Skuld) stellte klar, dass FuelEU-bezogene Penalties dort nicht gedeckt seien; Reeder müssten ihre P&I-Vorgaben einhalten. Viele Fragen drehten sich aktuell um Biofuels, die eng mit Klassifikationsgesellschaften abzustimmen seien.

Ralf Garrn (Oceanscore) verwies darauf, dass weltweit bereits rund 12.000 Handelschiffe über 5.000 BRZ von den aktuellen Regularien betroffen seien. Pooling sei aus seiner Sicht die günstigste Lösung, da sich Beiträge in Pools deutlich reduzierten. Gleichzeitig bemängelte er, dass unterschiedliche Regularien bislang nicht aufeinander abgestimmt seien.

Rasmus Stute, Vice President & Area Manager bei DNV, gab einen Überblick über das aktuelle „regulatory framework“ und erläuterte, wie eine Klassifikation Reeder bei ihren Compliance-Strategien unterstützen kann.

Preisverleihung: MSC erhält „HANSA Maritime Excellence Award“

Zum Abschluss des Forums wurde der „HANSA Maritime Excellence Award“ vergeben. Preisträger ist in diesem Jahr die Mediterranean Shipping Company (MSC). MSC-Geschäftsführer Nils Kahn nahm die Auszeichnung stellvertretend für das Unternehmen und Gründer Gianluigi Aponte entgegen.


Einen ausführlichen Rückblick mit vielen weiteren Einblicken, Zitaten und Impressionen lesen Sie in der kommenden Januar-Ausgabe der HANSA.

HANSA-Verleger Peter Tamm (l.) übergab am Donnerstagabend den „HANSA Maritime Excellence Award“ an MSC-Germany-Geschäftsführer Nils Kahn
Foto: Jonas Walzberg

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