Anschütz präsentiert Autonomics CGA

Moderne Schiffsbrücken erzeugen große Datenmengen: Radar, AIS, elektronische Seekarten und zusätzliche Sensoren liefern kontinuierlich Informationen über die Umgebung des Schiffes. Die Herausforderung für Navigatoren besteht jedoch nicht mehr darin, Zugang zu diesen Informationen zu erhalten, sondern daraus ein klares Verständnis sich schnell entwickelnder Situationen abzuleiten und unter Zeitdruck sichere und regelkonforme Entscheidungen zu treffen.
Automonics CGA (Collision and Grounding Avoidance) ist die neueste Entwicklung von Anschütz im Bereich der navigatorischen Entscheidungsunterstützung und soll Brückenpersonal dabei helfen, diese Komplexität zu bewältigen. Das System basiert auf umfangreichen Erfahrungen mit autonomer Navigation und jahrzehntelanger Autopilot-Expertise. Es verbindet ein verbessertes Situationsbewusstsein mit einer COLREG-basierten Bewertung und umsetzbaren Manöverempfehlungen, wobei der Navigator jederzeit informiert bleibt und die Kontrolle behält.
Im Mittelpunkt von Automonics CGA steht eine fortschrittliche Sensorfusion. Radar, AIS, elektronische Seekarten und KI-gestützte elektrooptische/Infrarot-Sensoren (EO/IR) werden zu einem konsistenten Echtzeit-Lagebild zusammengeführt. Der integrierte EO/IR-Sensor Automonics Eye liefert zusätzliche KI-generierte Ziele und verbessert damit die Erkennung kleiner, niedrig aus dem Wasser ragender und nicht kooperativer Objekte, die andernfalls nur schwer zu erfassen wären.
Automonics CGA geht jedoch über die reine Wahrnehmung hinaus. Das System analysiert kontinuierlich Begegnungssituationen und bewertet potenzielle Risiken gemäß den COLREG-Anforderungen. Diese Bewertung bildet die Grundlage für die Ermittlung sicherer Manöveroptionen und unterstützt regelkonforme und konsistente Entscheidungen auch in komplexen Situationen mit mehreren Verkehrsteilnehmern.
Eine zentrale Funktion von Automonics CGA ist die dynamische Berechnung sicherer Manövrierbereiche. Das System ermittelt, wo sichere Manöver zur Vermeidung von Kollisionen und Grundberührungen möglich sind, und visualisiert diese Optionen direkt für den Navigator. Dabei berücksichtigt es die Eigenschaften des Schiffes, Karteninformationen, den umgebenden Verkehr und navigatorische Einschränkungen einschließlich Flachwasser und anderer in den Seekarten verzeichneter Gefahren.
Auf Grundlage dieser Bewertung berechnet Automonics CGA Kollisionsvermeidungstrajektorien sowohl für Kurs- als auch für Geschwindigkeitsänderungen. Diese Trajektorien werden entsprechend der Entwicklung der Situation aktualisiert und berücksichtigen dabei die Bewegungen anderer Verkehrsteilnehmer, das Verhalten des eigenen Schiffes und die Umgebungsbedingungen. Das Ergebnis ist nicht nur eine Warnung, sondern eine konkrete und umsetzbare Handlungsempfehlung mit dynamisch erzeugten Trajektorien für Kurs und Geschwindigkeit, die eine konsistente Ausführung der gewählten Manöver unterstützen.
Bei Manövern, die ausschließlich eine Kursänderung erfordern, können ausgewählte Aktionen direkt an einen Anschütz-Autopiloten zur Ausführung übertragen werden. Gleichzeitig überwacht das System weiterhin die Situation und aktualisiert seine Empfehlungen in Echtzeit. Diese Kombination aus Situationsbewusstsein, regelbasierter Bewertung und Unterstützung bei der Ausführung unterscheidet Automonics CGA von herkömmlichen Assistenzlösungen.
Automonics CGA soll die kognitive Belastung auf der Brücke reduzieren, indem Informationen strukturiert, relevante Ziele priorisiert und der Bedarf an manuellen Analysen verringert werden. Navigatoren können sich dadurch stärker auf die Entscheidungsfindung konzentrieren, anstatt fortlaufend Kollisionsrisiken zu bewerten und Ausweichmanöver zu planen. Dies soll eine frühere Risikoerkennung, eine klarere Einschätzung der Verkehrssituation und konsistentere Reaktionen in anspruchsvollen Betriebssituationen ermöglichen.
Für Reedereien und Betreiber bietet Automonics CGA nach Angaben des Unternehmens das Potenzial für konsistentere Betriebsabläufe, größere Sicherheitsmargen und eine höhere Zuverlässigkeit innerhalb von Flotten. Das als Stand-alone-Lösung konzipierte System wird für den Einsatz mit unterschiedlichen Brückenkonfigurationen entwickelt und soll damit die Entwicklung hin zu intelligenterer und stärker automatisierter Navigation unterstützen.
Anschütz wird Automonics CGA auf der SMM 2026 präsentieren und zeigen, wie für die autonome Navigation entwickelte Technologien in praktische Lösungen für den täglichen Schiffsbetrieb übertragen werden können.
Nach der Messe soll das System mit ausgewählten Kunden in eine Validierungsphase gehen. Diese Pilotinstallationen sollen unter realen Betriebsbedingungen weitere Erkenntnisse liefern und die nächste Entwicklungsphase unterstützen.

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