The container ship MSC Chicago sails up river to the Port of Savannah's Garden City Terminal near Savannah Ga. (Georgia Ports Authority/Stephen B. Morton)
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Die Importe an den wichtigsten US-Containerhäfen könnten 2020 ihren niedrigsten Stand seit vier Jahren erreichen. Davon gehen Marktbeobachter angesichts der anhaltenden Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die US-Wirtschaft aus.

»Die Wirtschaft erholt sich, aber die Einzelhändler sind vorsichtig, nicht mehr zu importieren, als sie verkaufen können«, sagt der für für Lieferketten- und Zollpolitik zuständige Vizepräsident des US-Einzehandelsverbands National Retail Federation (NRF), Jonathan Gold. Die NRF hat gerade gemeinsam mit Hackett Associates wieder ihren monatlichen Bericht »Global Port Tracker« veröffentlicht. In den US-Häfen, die von Global Port Tracker erfasst werden, wurden im Juni, dem letzten Monat, für den nachträgliche Zahlen vorliegen, 1,61 Mio. TEU umgeschlagen. Das waren 4,9 % mehr als im Mai, aber 10,5 % weniger als im Vorjahr.

»Die Regale werden gefüllt sein, aber dies ist nicht das Jahr, in dem die Lager voll mit unverkauften Waren sind. Je mehr der Kongress tut, um Geld in die Taschen der Verbraucher zu stecken und die Unternehmen mit Liquidität zu versorgen, desto eher können wir zur Normalität zurückkehren«, so Gold.

Im Juli wurden schätzungsweise 1,76 Mio. TEU importiert, was einem Rückgang um 10,2 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Für August werden 1,81 Mio. TEU prognostiziert, was einem Rückgang um 7,3 % entspricht; für September 1,69 Mio. TEU (-9,5 %); für Oktober ebenfalls 1,69 Mio. TEU, (-10,4 %); für November 1,59 Mio. TEU (-5,8 %); für Dezember 1,56 Mio. TEU (-9,6 %).

Mit diesen Zahlen ergäbe sich für das Jahr 2020 eine Gesamtmenge von 19,6 Mio. TEU, ein Rückgang um 9,4 % gegenüber dem Vorjahr und die niedrigste jährliche Gesamtmenge seit den 19,1 Mio. TEU im Jahr 2016. In der ersten Hälfte des Jahres 2020 würden der Schäzung zufolge insgesamt 9,5 Mio. TEU erreicht, bereits ein Rückgang um 10,1 % gegenüber dem Vorjahr.

»Hochsaison wird eine Enttäuschung sein«

Die Marktbeobachter erwarten, dass der August der verkehrsreichste Monat der Hochsaison zwischen Juli und Oktober sein wird, wenn die Einzelhändler Waren für die Winterzeit einführen. Da die Einzelhändler ingesamt jedoch weniger Ware bestellen, wäre die Gesamtmenge des Monats der niedrigste Spitzenwert für die Saison seit den 1,73 Mio. TEU im Jahr 2016 und weit unter dem Spitzenwert von 1,96 Mio. TEU im vergangenen Jahr. Die Hochsaison umfasst normalerweise den verkehrsreichsten Monat des gesamten Jahres, in diesem Jahr waren es aber vermutlich der Januar mit 1,82 Mio. TEU.

»In diesem Jahr scheint die Hochsaison durch die Coronavirus-Pandemie zusammen mit so ziemlich allem anderen, was wir als normal ansehen, aus der Bahn geworfen worden zu sein«, sagte Hackett-Associates-Gründer Ben Hackett. »Wir hatten wahrscheinlich schon unseren geschäftigsten Monat. Und da die Pandemie die Wirtschaft seither immer stärker in Mitleidenschaft gezogen hat, wird die Hochsaison im Vergleich dazu wahrscheinlich eine Enttäuschung sein.«

Der Global Port Tracker, der von der Beratungsfirma Hackett Associates für die NRF erstellt wird, liefert historische Daten und Prognosen für die US-Häfen Los Angeles/Long Beach, Oakland, Seattle und Tacoma an der Westküste; New York/New Jersey, Port of Virginia, Charleston, Savannah, Port Everglades, Miami und Jacksonville an der Ostküste sowie Houston an der Golfküste.

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