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Carsten Bullemer (© MDS/HANSA)
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Zwischen der deutschen maritimen Wirtschaft und der Startup-Branche passt es (noch) nicht so gut. Gründer Carsten Bullemer wünscht sich mehr Offenheit und Experimentierbereitschaft.

In der neuen Folge des HANSA PODCASTs spricht Bullemer, Gründer von Marken wie beispielsweise Vesseltracker, Searoutes, Navisense und Trusteddocks sowie Organisator der Konferenz »Seadevcon« und der »Maritime Startup-Night«, unter anderem über das Geschäft mit der deutschen Schifffahrtsbranche und die politisch-regulatorischen Rahmenbedingungen.

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Angesichts steigender Zinsen und nervöser Investoren kann man seiner Beobachtung nach in der Branche durchaus Bewegung erkennen, zum Teil wollen sich Startups bereits personell verkleinern. Um seine eigenen Firmen macht sich Bullemer keine allzu großen Sorgen, weil man ein wenig wie die sprichwörtliche schwäbische Hausfrau wirtschafte und bislang kein großes Fremdkapital aufgenommen habe (»was zum Teil vielleicht gar nicht so gut war«) und daher relativ unabhängig ist.

Im Vergleich zu anderen internationalen Standorten sei das Geschäft mit der hiesigen maritimen Branche recht schwergängig, meint er. Auch Bullemer selbst ist mit seinen Produkten vorrangig international erfolgreich. Woher die Zurückhaltung hierzulande kommen könnte? »Es gibt meistens zwei Statuszustände: Entweder man steht kurz vor der Pleite oder man ist gerade dabei, Milliardär zu werden. Als wir anfingen, waren alle pleite. Jetzt sind es alles Milliardäre. Weder der Eine noch der Andere hat allerdings einen großen Bedarf, Prozesse zu verbessern oder Dinge anders zu machen«, sagt Bullemer. Gerade in Deutschland brauche es mehr Zeit und Geduld bis es heißt, »wir machen jetzt mal was Digitales«.

Den bisweilen geäußerten Einwand, dass die Produkte von Startups für Reeder und andere maritime Unternehmen zum Teil nicht wirklich passgenau sind, sieht Bullemer nicht zwingend als Hindernis für eine Zusammenarbeit: »Was nicht passt, kann passend gemacht werden.« Diese Offenheit vermisst er und verweist auf das Geschäftsmodell der Branche, gerade auch in Deutschland, dass auf vielen traditionellen Beziehungen und zwischengeschalteten Maklern basiert – und bei dem man »nicht unbedingt an Transparenz interessiert ist.«

Was kann man tun, damit man besser zusammenfindet? »Das ist die schwierigste Frage. Ich würde mich freuen, wenn die Herrschaften, die auf ihren Assets sitzen, sei es auf Schiffen, Häfen oder ähnlichem, sich mal mit Leuten mit Ideen und technischem Knowhow  zusammentun und vielleicht auch erstmal ein paar verrückte Dinge ausprobieren«, so Bullemer. Vielleicht komme das eine oder andere Gute dabei heraus.

Eine Möglichkeit, die beiden Seiten näher zusammen zu bringen, ist die »Maritime Startup-Night«. Sie findet in diesem Jahr im Rahmen der Messe SMM in Hamburg statt (die HANSA ist Media-Partner). Bullemer und sein Team haben sich einiges vorgenommen, wollen auch neue Wege einschlagen: »Ich glaube, man muss sich ein wenig von der Idee verabschieden, dass man eine große Anzahl Reeder vor Ort hat, die am Ende ihr Scheckbuch ziehen.« Geplant ist ein »bunter Abend« mit der einen oder anderen Überraschung. »Alle sind herzlich willkommen. Am Ende ist es eine Networking-Veranstaltung und manchmal kommen dabei Dinge zustande, die man erst Jahre später sieht«, so der Co-Organisator.


Hören Sie die komplette Episode hier – oder auf allen gängigen Podcast-Portalen.

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Carsten Bullemer spricht unter anderem über:

  • das Geschäft mit der deutschen Schifffahrtsbranche und die politischen Rahmenbedingungen
  • seine Erfahrungen als Gründer (und Anteilsverkäufer) und seine Pläne
  • Fremdkapital und sogenannte »Einhörner« – in der maritimen Branche eher in der Gestalt von Ponys
  • die Passgenauigkeit von Startups
  • die hanseatische Kaufmannstradition nach dem zweiten Bier
  • die »Maritime Startup-Night«, die im September in Hamburg stattfindet sowie seine Pläne für einen »bunten Abend« á la »Wetten, dass?«
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