Neuer CMB-Bulker ein „klares Bekenntnis“ zum Ammoniak-Antrieb

Mit der „Mineral Europa“ hat CMB.Tech den ersten Bulker mit Ammoniak-Antrieb in Fahrt gebracht. Schiffsmanager Anglo-Eastern begleitete die Reederei bei dem Projekt, das mehrere Herausforderungen mit sich brachte.
Heckansicht des Bulkers „Mineral Europa“ auf dem Meer
© CMB.Tech

Bei der „Mineral Europa“ handelt es sich um einen Bulker mit 210.000 tdw, gebaut von der chinesischen Werft CSSC Qingdao Beihai Shipbuilding. Das Besondere an dem Newcastlemax-Frachter: Er ist mit einem WinGD-Dual-Fuel-Motor ausgestattet, der neben konventionellem Schiffskraftstoff auch Ammoniak verwenden kann. Das ermöglicht dem Betreiber operative Flexibilität, während sich die Infrastruktur zur Versorgung mit Ammoniak und auch die Wirtschaftlichkeit des Kraftstoffss weiterentwickeln.

Kürzlich legte das neue Schiff der Reederei CMB.Tech zu seiner Jungfernreise nach Australien ab. Die „Mineral Europa“ ist das erste in einem umfangreichen Programm: Bis 2029 sollen 21 Einheiten mit Ammoniak-Antrieben in die Flotte der Reederei aufgenommen werden, die meisten davon entfallen auf das Bulk-Segment.

Entwickelt wurde das Konzept des Schiffs von CMB.Tech und dem Schiffsmanager Anglo-Eastern, der die mehrjährigen Anstrengungen in den Bereichen Engineering, Neubau und Betrieb würdigte. In Zusammenarbeit mit der Reederei bündelte Anglo-Eastern die Kompetenzen von Anglo-Eastern Technical Services (AETS), dem Geschäftsbereich für Neubau und Projektmanagement, mit Schiffsmanagement, Crewing, Ausbildung und operativer Expertise, um dieses Ziel in ein für den sicheren Seebetrieb konzipiertes und vorbereitetes Schiff umzusetzen.

Von Wasserstoff zu Ammoniak

Die Arbeiten für die „Mineral Europa“ begannen 2018, als CMB.Tech und AETS alternative Kraftstoffkonzepte für Massengutfrachter und deren wirtschaftliche Machbarkeit für Supramax- und Newcastlemax-Schiffe untersuchten – zunächst mit Wasserstoff, später mit Ammoniak. Bis 2020 entwickelte AETS die Designphilosophie, das Sicherheitskonzept, die Risikominderungsmethodik, die Kraftstoffversorgung, die allgemeine Anordnung und erste technische Berechnungen – zu einem Zeitpunkt, als die geltenden Regeln und Normen für Ammoniak als Schiffskraftstoff noch in der Entwicklung waren.

Die daraus resultierenden Konzepte erhielten laut Anglo-Eastern im Jahr 2021 die grundsätzliche Genehmigung von Lloyd’s Register und dem American Bureau of Shipping (ABS). Der Designansatz stellte die Sicherheit der Besatzung in den Vordergrund. Auch sollte das Ladungsvolumen vollständig erhalten werden. Ammoniak, das toxische Eigenschaften aufweist, durfte – ob diffus oder direkt – nicht aus dem Schiff austreten. Die „Mineral Europa“ integrierte Kraftstofftanks, doppelwandige Rohrleitungen, Belüftung, Detektions- und Rückhaltesysteme, Motorschnittstellen, Notabschaltung und Dampfmanagement in ein einziges Betriebssystem.

„Die ,Mineral Europa‘ demonstriert eindrucksvoll, was möglich ist, wenn die Überzeugung eines Reeders auf fundierte Ingenieurs- und Betriebskompetenz trifft“, sagte Björn Højgaard, CEO von Anglo-Eastern. „CMB.Tech hatte die Vision und den Mut, Kapital zu investieren und entschlossen zu handeln, obwohl der Weg noch in der Entwicklung war. Anglo-Eastern brachte die notwendigen Kompetenzen ein, um diese Vision in die operative Realität umzusetzen. Genau darin liegt für mich die wahre Bedeutung dieses Projekts: unsere Fähigkeit, einen Reeder von der ersten Idee bis zum sicheren Betrieb auf See zu begleiten – unabhängig davon, welchen Technologieweg er wählt.“

„Die technische Herausforderung bestand nicht nur in der Umstellung auf einen neuen Treibstoff“, fügte Arunava Sengupta, Geschäftsführer von AETS, hinzu. „Sicherheits-, Sicherheits- und Betriebsanforderungen mussten als integriertes System funktionieren, ohne den Hauptzweck des Schiffes als Frachtschiff zu beeinträchtigen.“ Man habe einen risikobasierten Ansatz gewählt, der durch umfangreiche Sicherheitsstudien gestützt wird, um ein wirtschaftlich tragfähiges, praktikables und letztendlich sicheres und handhabbares Design für die Besatzung zu entwickeln. „Zu sehen, wie das Schiff von der Machbarkeitsstudie zum erfolgreichen Ammoniakbetrieb gelangt, ist ein bedeutender Meilenstein und ein stolzer Erfolg für alle Beteiligten“, sagte Sengupta.

Meilenstein auf dem Weg zur Dekarbonisierung

Die operative Vorbereitung begann laut Anglo-Eastern bereits „lange vor der Indienststellung des Schiffes“. Der Schiffsmanager entwickelte spezifische Betriebs-, Bunker-, Wartungs- und Notfallvorkehrungen. Die Ausbildung von Seeleuten und Landteams umfasste einen dreidimensionalen digitalen Zwilling, einen Simulator für ein Ammoniak-Brennstoffgasversorgungssystem, Übungen zur Bunkerung und Notfallszenarien. Höhere Offiziere nahmen zudem an Werft- und Seeerprobungen teil und machten sich so direkt mit dem Schiff, seinen Systemen und seinem Sicherheitskonzept vertraut.

„Die Mineral Europa ist das Ergebnis eines klaren Bekenntnisses, den Ammoniakantrieb auf See praktikabel zu machen. Anglo-Eastern hat von Anfang an eng mit unserem Team zusammengearbeitet. Diese Kontinuität, zusammen mit der Expertise aller Projektpartner, hat dazu beigetragen, das Schiff von der frühen Entwicklungsphase über erfolgreiche Seeerprobungen bis zur Inbetriebnahme zu begleiten“, sagte Alexander Saverys, CEO von CMB.Tech. „Sie markiert einen wichtigen Meilenstein auf unserem Weg zur Dekarbonisierung. Wir beweisen, dass die Dekarbonisierung der Schifffahrt kein fernes Ziel mehr ist. Sie findet bereits heute statt. Die Mineral Europa ist das erste Schiff ihrer Art, aber viele weitere werden in den kommenden Monaten und Jahren folgen. Lasst uns heute dekarbonisieren, um sicher durch die Zukunft zu navigieren.“

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