BSH testet nächste Generation digitaler Seekarten

Digitale Seekarten sollen künftig aktuelle Wasserstandsdaten direkt in die Navigation einbeziehen und Bereiche markieren, die für ein bestimmtes Schiff zu flach sind. So lässt sich zum Beispiel verhindern, dass ein Schiff in einem Fahrwasser auf Grund läuft, weil sich der Wasserstand verändert hat. Diesen Ansatz hat das BSH im Projekt „Baltic Sea e-Nav“ an Bord des Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiffs „Deneb“ mit einer simulierten Sturmflut erprobt.
Dabei wurden aktuelle Wasserstandsdaten in eine digitale Seekarte eingespeist. Das System kennzeichnete anschließend sogenannte „No-Go-Areas“ – Bereiche, die für das jeweilige Schiff nicht tief genug waren. Gerade in engen Fahrwassern könnten solche Informationen helfen, gefährliche Situationen zu vermeiden.
Die „Deneb“ (969 BRZ), gebaut auf der Peene-Werft und 1994 in Dienst gestellt, ist eines von drei Forschungsschiffen, die für das BSH im Einsatz sind. Reeder ist die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium für Verkehr. Das ca. 52 m lange Schiff bietet Platz für 16 Besatzungsmitglieder sowie sieben Wissenschaftler. Im Dezember 2025 gab das BSH bekannt, dass die „Deneb“ durch einen namensgleichen Neubau mit einem Methanolantrieb ersetzt werden soll. Die geplante Ablieferung ist im Jahr 2030.
IHO stellt gemeinsame technische Standards
Damit Anwendungen wie digitale Seekarten über Ländergrenzen hinweg funktionieren, braucht es gemeinsame technische Standards. Die Internationale Hydrographische Organisation (IHO), der das BSH vor 100 Jahren beigetreten ist, koordiniert deren internationale Entwicklung und Weiterentwicklung. Ein Beispiel ist der Standard S-100. Er soll künftig unterschiedliche maritime Informationen wie Wassertiefen, Wasserstände und Strömungen miteinander verknüpfen und so neue digitale Navigationsanwendungen ermöglichen.
Das Projekt „Baltic Sea e-Nav“ zeigt, wie sich Staaten dafür konkret abstimmen: Sieben hydrographische Dienste im Ostseeraum haben sich dort auf gemeinsame Empfehlungen für S-100-Produkte verständigt. Dazu gehören Vorgaben für eine einheitliche Bezugsfläche der Tiefenangaben und für die räumliche Auflösung der Daten. „Die Herausforderungen auf See lassen sich nur gemeinsam bewältigen. Internationale Zusammenarbeit ist dafür unverzichtbar“, sagt BSH-Präsident Helge Heegewaldt.
Wie wichtig diese Zusammenarbeit ist, zeigt die Bilanz von Mathias Jonas, der von 2017 bis August 2026 Generalsekretär der IHO war. „Die oft divergierenden nationalen Interessen der IHO-Mitglieder technisch zu moderieren, ohne dabei selbst politisch zu agieren, war die größte Herausforderung meiner Amtszeit“, sagt er. Während der neun Jahre seiner Amtszeit stieg der Anteil des weltweit vermessenen Meeresbodens um ca. das Fünffache, die Zahl der Mitgliedstaaten von 87 auf 104.
Die Arbeit des BSH geht dabei über die sichere Navigation hinaus. Die erhobenen Meeresdaten bilden auch eine wichtige Grundlage für die Planung von Offshore-Windparks, den Schutz von Meeresräumen und die Meeresforschung. Einheitliche Standards und verlässliche Daten helfen damit nicht nur, die Schifffahrt sicherer zu machen, sondern unterstützen auch die vielfältige Nutzung der Meere.

Bleiben Sie mit WhatsApp immer auf dem Laufenden!









