Sorge vor der Berliner Warteschleife

Erinnern Sie sich daran, was vor nur wenigen Wochen eines der bestimmenden Themen der maritimen Branche in Deutschland war?
Michael Meyer
Michael Meyer – Chefredakteur – HANSA International Maritime Journal (© HANSA)

In der schnelllebigen Welt wechselnder Herausforderungen ist es fast schon wieder etwas aus der Wahrnehmung gerutscht. Gemeint ist die 14. Nationale Maritime Konferenz, zu der die Spitzen der deutschen Politik mit der Wirtschaft in Emden zusammengekommen waren, um über die »Begleitung« der Branche zu sprechen: Der Kanzler war da, zahlreiche Minister und Ministerpräsidenten und noch zahlreichere Behördenvertreter. Es war zudem auffällig, dass sehr viele sehr hochrangige Vertreter der maritimen Wirtschaft vor Ort waren – neben dem Schiffbau und der Zuliefererindustrie auch aus Häfen und Reedereien. Und zwar nicht nur über die Verbände. Offenbar wird durchaus ein Bedarf und ein Sinn in der NMK gesehen. Die Nachfrage war groß, viele Akteure konnten angesichts der begrenzten Kapazitäten kein Einlass-Ticket ergattern.

Die Sorge vor einer »Palaver-Runde« war im Vorfeld groß, ebenso wie die Hoffnungen. Nun haben wir die vieldiskutierte NMK hinter uns. Und was bleibt?

Eine sehr gute Rede des Emder Oberbürgermeisters, ein guter Gastgeber Emden, ein sehr engagierter Organisator Christoph Ploß als Maritimer Koordinator der Bundesregierung – aber auch weniger inspirierte und inspirierende Reden des Bundeskanzlers oder der Bundeswirtschaftsministerin. Die Bewertung im Nachgang fiel so unterschiedlich aus wie erwartet. Von »guter Zusammenkunft« bis hin zu der Frage, ob eine solche Veranstaltung angesichts der politischen Inhaltsleere überhaupt noch in diesem Umfang nötig ist.

Man sollte sich bei der Bewertung aber vor Augen halten, dass es ja eigentlich auch um die Arbeit der untergeordneten Behörden und Fachabteilungen in den Ministerien geht. Und deren Vertreter zeigten sich durchaus informiert und gesprächsbereit. Mit klaren Worten, aus denen geschlossen wird, dass sie wissen, worum es geht. Oft wurden das »Gemeinsame« und der Bedarf an »Zusammenarbeit« betont. Jetzt geht es dann nur noch darum, die Kräfte zu bündeln. Einerseits, um schlagkräftig handeln zu können. Andererseits aber auch, um überhaupt voranzukommen.

Der ganz große Wurf war das Event wohl nicht. Entschieden oder verkündet wurde nicht wirklich etwas. Aber das war vielleicht auch so nicht zu erwarten. Vielleicht müssen wir einfach (noch) ein bisschen geduldiger sein. Es ist eine sehr komplexe Lage, in der sich die maritime Wirtschaft und auch die Politik derzeit befinden. Diese komplexe Situation erfordert eben entsprechend komplexe politische Detailarbeit. Beim Thema Hafenfinanzierungen geht es beispielsweise nicht zuletzt auch um verfassungsrechtliche Fragen. Beim Thema Sicherheit müssen eine Vielzahl an Behörden an einen Tisch gebracht werden.

Eine komplexe Situation, auf die man sich einstellen muss. Ob man politisch besser darauf vorbereitet hätte sein können oder ob schon früher einiges verschlafen wurde, was Politikern und Behörden jetzt auf die Füße fällt? Möglich.

Nun, es ist wie es ist. Daher muss man der Politik wohl noch ein wenig Zeit geben. Man mag das Zweckoptimismus nennen – oder einen den Erfahrungen der Vergangenheit angepassten Pragmatismus. Christoph Ploß hatte schon im Vorfeld der NMK den Wunsch geäußert, zum Ende der Legislaturperiode sagen zu können, dass nach der NMK einiges in die Wege geleitet wurde.

Hoffen wir, dass nun auch wirklich an konkreten Weichenstellungen gearbeitet wird. In einer Zeit, in der die Bundespolitik von einer Vielzahl wichtiger Themen dominiert wird, darf die maritime Wirtschaft nicht in die Warteschleife rutschen. Dafür ist sie zu wichtig – mit zu vielen Auswirkungen auf zu viele gesellschaftliche Bereiche. Es geht um Resilienz, kritische Infrastruktur, Arbeitsplätze, Steuereinnahmen, die Energiewende und und und … (Übrigens, ein kleiner Hinweis »in eigener Sache« mag hier erlaubt sein: Auch für uns war die NMK ein sehr wichtiger Termin. An dieser Stelle möchte ich einen großen Dank an das gesamte Team des Schiffahrts-Verlag HANSA richten: Ihr habt im Vorfeld und vor Ort einen tollen Job gemacht!)

Wir blicken auf die NMK in unserer Juni-Ausgabe. Aber auch auf eine weitere wichtige Veranstaltung: Die »Breakbulk Europe« findet in diesen Tagen wieder in Rotterdam statt. Für die MPP-Schifffahrt, in der eine große Anzahl deutscher Akteure engagiert ist. Wir blicken voraus mit Marktberichten und Artikeln über Flotten und Unternehmen sowie zwei kleine, aber doch bemerkenswerte Jubiläen.


Michael Meyer
Chefredakteur
HANSA International Maritime Journal

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