Deutliche Einbußen für die HHLA

Der Hamburger Containerterminalbetreiber HHLA muss für das erste Halbjahr ein deutliches Umschlag-Minus verbuchen. Das Jahr wird schwieriger als erwartet, den Grund sehen die Verantwortlichen in der Infrastruktur und der Politik.
Jeroen Eijsink ist CEO der HHLA
Jeroen Eijsink ist neuer CEO der HHLA (© HHLA)

Schon im Juli hatte die HHLA, die mittlerweile zu 95% der Stadt und der Schweizer Reederei MSC gehört, ihre ursprüngliche Prognose für 2026 einkassiert und nach unten geschraubt. Heute wurden nun die Geschäftszahlen für die ersten Monate veröffentlicht und die Gründe für den etwas schwächeren Ausblick konkretisiert.

„Die Geschäftsentwicklung war im ersten Halbjahr 2026 von anspruchsvollen geopolitischen und gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt. Zudem beeinträchtigten der starke Wintereinbruch zu Jahresbeginn, die umfangreichen Umbaumaßnahmen zur Automatisierung der Hamburger Containerterminals sowie Infrastrukturarbeiten im Schienennetz die operativen Abläufe und wirkten sich belastend auf die Umschlag- und Transportmengen aus“, heißt es in einer Mitteilung.

Der konzernweite Containerumschlag verringerte sich um 6,7% auf 2,959 Mio. TEU, die Containertransportmenge sank um 1,2% auf 985.000. Die Konzern-Umsatzerlöse stiegen dennoch um 3% auf 910,9 Mio. €. Das operative Betriebsergebnis (EBIT) ging hingegen um 35% auf 51,3 Mio. € zurück.

Der Vorstandsvorsitzende Jeroen Eijsink nannte die Modernisierung der Hamburger Containerterminals „eine entscheidende Investition in die Zukunftsfähigkeit der HHLA. Gerade in einem herausfordernden Marktumfeld ist es von zentraler Bedeutung, unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu stärken.“ Die HHLA will daran festhalten, „auch wenn unsere Umbaumaßnahmen und die Infrastrukturarbeiten im deutschen Schienennetz unser operatives Geschäft derzeit beeinflussen“.

Teilkonzern Hafenlogistik

Der börsennotierte Teilkonzern Hafenlogistik erzielte im ersten Halbjahr einen leichten Umsatzanstieg um 3% auf 891,6 Mio. €. Dazu trugen den Angaben zufolge insbesondere zusätzliche Lagergelderlöse, erforderliche Preisanpassungen sowie ein vorteilhafter Umsatzmix bei. Das Betriebsergebnis (EBIT) ging infolge operativer Belastungen dagegen stark um 40% auf 43,7 Mio. € zurück. Die EBIT-Marge verringerte sich auf 4,9%. Beim Ergebnis nach Steuern und nach Anteilen anderer Gesellschafter gab es sogar ein Minus: – 8,3 Mio. €, nach einem Plus von 15,3 Mio. €.

Im Segment Container ging der Containerumschlag an den Containerterminals der HHLA im ersten Halbjahr 2026 insgesamt deutlich um 6,7% auf 2,959 Mio TEU zurück.

An den Hamburger Containerterminals lag der Umschlag mit 2,786 Mio. TEU um 7,3% unter dem Vorjahresniveau. Neben dem witterungsbedingt schwachen Jahresauftakt sei die Umschlagentwicklung durch die fortlaufenden Modernisierungsmaßnahmen an den Hamburger Containerterminals beeinflusst worden, heißt es. „Zusätzliche Belastungen“ ergaben sich demnach aus den geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und den damit verbundenen Veränderungen internationaler Warenströme „sowie aus dienst- und kundenbezogenen Verschiebungen infolge der Neuordnung von Allianzen“. Rückläufige Mengen in wichtigen Überseeverkehren und bei den Feederverkehren konnten durch Zuwächse in anderen Fahrtgebieten nur teilweise kompensiert werden. Die Feederquote am wasserseitigen Umschlag lag bei 19,5%.

Die internationalen Containerterminals verzeichneten währenddessen einen Anstieg des Umschlagvolumens um 4,6% auf 173.000 TEU. Maßgeblich hierfür war der stark erhöhte wasserseitige Umschlag am Container Terminal Odessa (CTO). Die wasserseitigen Umschlagvolumen an den Multifunktionsterminals HHLA TK Estonia und HHLA PLT Italy gingen dagegen zurück. Ursache waren u.a. die schwierige wirtschaftliche Situation in Estland sowie Re-Routungen im Mittelmeer infolge der geopolitischen Spannungen.

Trotz der rückläufigen Mengenentwicklung lagen die Umsatzerlöse des Segments Container mit 426,6 Mio. € nahezu auf Vorjahresniveau. „Ausschlaggebend waren zusätzliche Lagergelderlöse infolge längerer Verweildauern sowie die positive Entwicklung an den internationalen Containerterminals“, so die HHLA weiter.

Das operative Betriebsergebnis (EBIT) sank infolge deutlich gestiegener Aufwendungen um 59,9% auf 17,2 Mio. €. Neben höheren Personal- und Energiekosten belastete insbesondere die laufende Terminalmodernisierung die Produktivität.

Intermodal

Das Segment Intermodal verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 einen leichten Mengenrückgang. Der Containertransport verringerte sich insgesamt um 1,2% auf 985.000 TEU. Die Bahntransporte gingen im Vergleich zum Vorjahr um 1% auf 855.000 TEU zurück. Der leichte Mengenrückgang wird vor allem auf rückläufige Verkehre mit den adriatischen Seehäfen sowie auf geringere Transportmengen im deutschsprachigen Raum zurückgeführt. Die Straßentransporte verzeichneten ebenfalls einen Rückgang um 2,4% auf 130.000 TEU.

Die Umsatzerlöse lagen mit 425,5 Mio. € um 6,3% über dem Vorjahreswert. Gründe hierfür waren insbesondere erforderliche Preisanpassungen sowie ein veränderter Umsatzmix. Der Bahnanteil an der Transportmenge lag mit 86,8% nahezu auf Vorjahresniveau.

Das Betriebsergebnis (EBIT) belief sich im Mitteilungszeitraum auf 47,5 Mio. € und verringerte sich somit um 1,6%. Die EBIT-Marge ging um 0,8 Prozentpunkte auf 11,2% zurück. Neben dem Rückgang der Transportmenge wird dafür außerdem „die anhaltenden operativen Belastungen durch Baustellen auf wesentlichen Transportstrecken und die hohe Auslastung der norddeutschen Seehäfen“ verantwortlich gemacht.

Ausblick angepasst

„Vor dem Hintergrund der stärker als erwarteten operativen Beeinträchtigungen durch die weitreichenden Umbaumaßnahmen zur Automatisierung der Hamburger Containerterminals in Verbindung mit umfangreichen Infrastrukturmaßnahmen im Schienennetz sowie anhaltender geopolitischer und gesamtwirtschaftlicher Unsicherheiten hat die HHLA ihre Erwartungen für das Geschäftsjahr 2026 angepasst“, heißt es abschließend. Zudem wird aufgrund der aktuellen Entwicklungen nicht mehr davon ausgegangen, dass die HHLA die Auswirkungen des Wintereinbruchs zu Jahresbeginn im weiteren Jahresverlauf vollständig kompensieren kann.

Explizit aufgeführt werden wie schon im Juli folgende Einschätzungen:

  • Für den Teilkonzern Hafenlogistik wird nunmehr ein leichter Rückgang im Containerumschlag gegenüber dem Vorjahr erwartet (zuvor: deutlicher Anstieg). Für den Containertransport wird mit einem leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr gerechnet (zuvor: starker Anstieg).
  • Für die Umsatzerlöse wird von einem deutlichen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr ausgegangen (zuvor: starker Anstieg). Die Erwartung für das operative Betriebsergebnis (EBIT) wurde angepasst und liegt nunmehr in der Bandbreite von 135 bis 155 Mio. €. Zuvor war eine Spanne von 160 bis 180 Mio. € angegeben worden.
  • Für den Teilkonzern Immobilien wird hingegen unverändert mit einem Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres gerechnet und für das operative Betriebsergebnis (EBIT) von einem deutlichen Rückgang ausgegangen.
  • Auf Konzernebene wird nunmehr ein „deutlicher Umsatzanstieg“ erwartet. Bislang galt die Formulierung „starker Anstieg“. Auch die Erwartung für das operative Betriebsergebnis (EBIT) wurde infolge der geänderten Annahmen angepasst und liegt nunmehr in einer Bandbreite von 150 bis 170 Mio. € statt zuvor 175 bis 195 Mio. €.

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