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Acht von zehn der wichtigsten Häfen in Großbritannien sind wenig bis gar nicht auf den drohenden Brexit vorbereitet. Es droht Chaos.

Während die Befürworter des britischen Ausstiegs aus der EU rosige Zeiten und eine Renaissance des Landes als Handelsnation vorhersagen, sieht die Realität anders aus: Die Chef der wichtigsten Häfen des Vereinigten Königreichs mussten jetzt zugeben, dass zehn Wochen vor Ablauf der Frist wenig oder gar keine Planung stattgefunden hat. So hat es das Beratungsunternehmen Odgers Berndtson ermittelt. Rund 100 Unternehmen seien befragt worden.

Demnach haben nur 16% der Hafenchefs angegeben, dass sie konkrete Maßnahmen eingeleitet oder Pläne entwickelt hätten. Der Rest diskutiere noch oder habe bislang gar nichts unternommen, heißt es. In jedem Fall aber befürchtet die Mehrheit (59%) deutlich negative Effekte des Brexit für ihr Unternehmen. Nur ein Viertel fühle sich gut gerüstet, ein Drittel glaube, irgendwie klarzukommen, ergab die Umfrage.

Die Ergebnisse sind insofern alarmierend, als Notfall-Pläne der Regierung in London vorsehen, dass regionale Häfen das durch die dann anstehenden Grenzkontrollen ausgelöste Chaos in den stark frequentierten Haupthäfen am Ärmelkanal lindern könnten. Investitionen in Infrastruktur, Technik und geeignete Führungskräfte werden von den Hafenchefs als dringlichster Bedarf genannt.

Pläne der Regierung sehen vor, dass durch zusätzliche Fähren mögliche Staus und Verzögerungen kompensiert werden. London hat dafür Schiffe für knapp 103 Mio. £ eingechartert. Rund 4.000 Lkw pro Woche sollen demnach von Dover auf andere Häfen wie Plymouth, Poole und Portsmouth umgelenkt werden.

Den 100-Mio.-Auftrag teilen sich drei Reedereien – DFDS (42,5 Mio. £), British Ferries (46,6 Mio. £) und Seaborne Freight (13,8 Mio. £). Sie sollen die nötigen RoRo-Schiffe für die zusätzlichen Transporte über den Ärmelkanal bereitstellen. Es gehe um ein Volumen von etwa 10% des bestehenden Verkehrs, rund 0,5 Mio. t im Monat, heißt es.