Bimco: Chinas Eisenerz-Hunger stärkt Dry-Bulk-Markt

China hat seine Eisenerz-Nettoimporte im ersten Halbjahr 2026 um 6% gesteigert. Längere Transportwege sorgten laut Bimco für einen überproportionalen Anstieg der Nachfrage nach Dry-Bulk-Tonnage.
Der Hafen von Port Hedland
Der westaustraleische Hafen von Port Hedland. Von hier aus wird (© Pilabara Ports)

Chinas Eisenerz-Nettoimporte sind in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6% gestiegen. Gleichzeitig ging die heimische Eisenerzförderung um 7% zurück. Nach Angaben von Bimco deckten Nettoimporte damit 57% des chinesischen Eisenerzangebots ab. Im ersten Halbjahr 2022 waren es noch 50%.

Als Gründe nennt Bimco unter anderem die häufig höhere Qualität und wettbewerbsfähige Preise importierten Eisenerzes. Gleichzeitig entwickelte sich die Nachfrage der chinesischen Stahlindustrie schwächer. Die Stahlproduktion sank im ersten Halbjahr um 3%. Die Produktion in Hochofen-Konverter-Verfahren, auf die der Großteil des Eisenerzverbrauchs entfällt, dürfte laut Bimco um rund 4% zurückgegangen sein. Die Eisenerzbestände in chinesischen Häfen blieben deshalb im ersten Halbjahr auf erhöhtem Niveau.

Transportnachfrage steigt um 9%

Trotz der schwächeren Stahlproduktion legte die Nachfrage nach Dry-Bulk-Schiffen für chinesische Eisenerzimporte um 9% zu. Neben den höheren Importmengen wirkten sich laut Bimco längere durchschnittliche Transportdistanzen aus.

Davon profitierte insbesondere das Capesize-Segment. Der „Platts Capesize T4 Index“ von S&P Global Energy lag nach Bimco-Angaben 79% über dem Niveau des Vorjahres. Der Index basiert auf vier wichtigen Capesize-Routen.

„Chinas Eisenerzimporte machen 24% der weltweiten Nachfrage nach Dry-Bulk-Schiffen und 59% der Nachfrage nach Capesize-Schiffen aus“, erklärt Filipe Gouveia, Shipping Analysis Manager bei Bimco.

Die Einfuhren aus Australien stiegen dabei um 4%, aus Brasilien um 6%. Zusammen standen beide Länder für 83% der chinesischen Eisenerzimporte. Größere Zuwächse verzeichnete Bimco zudem bei Lieferungen aus Guinea, Liberia und Peru. Die Transportwege von dort nach China sind im Durchschnitt länger.

Neue Mengen aus Guinea und Liberia

Das Simandou-Bergbauprojekt in Guinea nahm Ende 2025 den Eisenerzexport auf. Für 2026 werden laut BIMCO rund 20 Mio. t erwartet, von denen der Großteil nach China gehen soll. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnten die Mengen auf 120 Mio. t steigen.

In Liberia strebt ArcelorMittal 2026 eine Steigerung der Eisenerzexporte um 15 Mio. t an. Auch die peruanischen Ausfuhren entwickelten sich im zweiten Quartal stärker. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatten Störungen bei der Hafenabfertigung die Exporte belastet.

Für die zweite Jahreshälfte erwartet Bimco gegenüber dem hohen Niveau von 2025 eine mögliche Abschwächung des chinesischen Eisenerzangebots. Der Bestandsaufbau aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres dürfte sich angesichts der bereits hohen Lagerbestände nicht wiederholen.

Auch die Stahlproduktion könnte wegen der schwachen Nachfrage aus dem chinesischen Immobiliensektor unter Druck bleiben. Bei Flachstahlprodukten sieht Bimco dagegen bessere Aussichten durch die Automobilindustrie. Entscheidend für die Entwicklung der Eisenerztransporte dürfte daher sein, wie wettbewerbsfähig Importe gegenüber der chinesischen Eigenproduktion bleiben.

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