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Kaum ist die Hängepartie um die Elbvertiefung (sehr wahrscheinlich) beendet, gibt es im Hamburger Hafen eine neue große Debatte. Die oppositionelle CDU pflichtet dem Senat und der Wirtschaft bei.

Der Unternehmensverband Hafen Hamburg (UVHH) und sein Präsident Gunther Bonz hatten die Debatte vor ein paar Wochen begonnen. Nach der erfreulichen Halbjahresbilanz sprang auch der neue – parteilose – Wirtschaftssenator Michael Westhagemann auf den Zug auf.

MOL Triumph
Die »MOL Triumph« mit einer Kapazität von 20.170 TEU im Hamburger Hafen. Fotos: HHM

Der Tenor: Angesichts vermeintlich schrumpfender Vorteile bei zunehmender Größe solle man das Wachstum der Schiffe beziehungsweise deren Anlaufmöglichkeiten im Hafen begrenzen. Häfen und landseitige Infrastruktur bekommen tatsächlich zunehmend Probleme bei der Abfertigung der Mega-Carrier, die mittlerweile die 23.000-TEU-Grenze erreicht haben, Umschlagzeiten verlängern sich, Zusatzkosten entstehen. Westhagemann verweist auf Gespräche mit Reedereien, die eine Begrenzung befürworten würden. Wie glaubwürdig das ist, wird sich erst zeigen müssen, sind es doch die Reeder, die ihre Flotten immer wieder modernisieren und aus ökonomisch-rationalen Gründen größere Schiffe bestellen. Zumal die Kostenvorteile im transatlantischen Transport sehr attraktiv sind.

Aber dennoch: Geht das Größenwachstum so weiter, sind in vielen Häfen der Welt sehr bald enorme Investitionen nötig. Nicht an jedem Standort ist das möglich.

Die Hamburger Verantwortlichen wollen nun einen politischen Vorstoß wagen und sich dabei sowohl an die Bundesregierung als auch an die Europäische Union wenden. Das Ziel ist eine europaweite Begrenzung für Schiffsgrößen.

Ralf Niedmers (Foto: CDU)

Die oppositionelle CDU der Hansestadt hat sich nun auf die Seite des Senats geschlagen. Der hafenpolitische Sprecher der Bürgerschaftsfraktion Ralf Niedmers, sagte heute: »Containerschiffe werden immer größer, das belastet viele Häfen und deren Infrastruktur mittlerweile unverhältnismäßig.« Er bezeichnete es als »nicht sinnvoll«, dass diese Entwicklung unbegrenzt weitergeht und sich Hafenstädte weltweit ständig einigen wenigen Werften und Reedereien anpassen müssten, die ganz eigene strategische Interessen verfolgen würden.

»Das ist auch aus ökonomischen Gründen nicht weiter vertretbar, denn die landseitige Infrastruktur kann nicht ständig kostenintensiv nachgerüstet werden. Fahrrinnen, Wendekreise und Kaimauern können den steigenden Anforderungen von Schiffen, die noch größer als die derzeitige Generation mit bis zu 23.000 Standardcontainer (TEU) sind, nach heutigem Zustand nicht im Ansatz gerecht werden.« Für Niedmers ist es daher »in Hamburgs ureigenem Interesse«, das weitere Schiffswachstum zu begrenzen und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens dauerhaft zu sichern.

Er verweist auf die USA – ohne auf die nicht unerheblichen geographischen und handelsspezifischen Unterschiede zwischen Nordamerika und Europa einzugehen –, wo Grenzen für die Größe von Schiffen existieren. »Wir können diese Thematik nicht alleine lösen, sondern nur auf europäischer Ebene bspw. über das Kartellrecht. Dafür bedarf es jetzt eines großen politischen und parteiübergreifenden Kraftakts. Wir unterstützen eine entsprechende Initiative auf Bundes- und EU-Ebene«, so der Politiker.