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Der Hamburger Hafen hat im vergangenen Jahr den Containerumschlag um 6,1% auf rund 9,3 Mio. TEU gesteigert, beim Boxentransport über die Schiene gab es einen neuen Rekord. Auch der Gesamtumschlag legte zu.

Erstmals seit fünf Jahren hat der Hamburger Hafen mehr als 9 Mio. TEU umgeschlagen und den Marktanteil wieder ausgebaut. Das Wachstum im Containerumschlag sei vor allem auf beladene Boxen zurückzuführen, deren Anteil um 7,1 % auf 8,2 Mio. TEU gestiegen sei, sagte Axel Mattern, Vorstand von Hafen Hamburg Marketing (HHM), bei der Jahrespressekonferenz.

Mit China, dem Haupthandelspartner im Containerumschlag, konnte der Warenaustausch um 1,7% auf 2,6 Mio. TEU erhöht werden. Einen großen Sprung machten hier auch die USA. Aufgrund von vier zusätzlichen Transatlantik-Diensten mit einem Jahresvolumen von 500.000 TEU, die von Bremerhaven nach Hamburg verlegt wurden, hat sich Amerika zum zweitwichtigsten Partner entwickelt. Entsprechend legte der Güteraustausch hier um 314 % zu.

Der Handel mit Russland erlebte seit längerer Zeit wieder eine Steigerung (+14 %). Dies sei nicht zuletzt auf den Hafen Kaliningrad zurückzuführen, so Mattern. Dort kämen viele Waren per Zug aus China an, die per Seeschiff nach Hamburg weitertransportiert würden. All dies habe dazu beigetragen, dass Deutschlands größter Seehafen den Marktanteil um 1% auf 23 % steigern habe können.

Containertransporte per Bahn erreichen Rekordwert

Der Tansshipment-Umschlag ist mit 3,4 Mio. TEU (+3,2%) ein wichtiges Segment für Deutschlands größten Universalhafen. Viele Waren werden aus Hamburg weiter ins Hinterland transportiert. Dies geschieht vorzugweise per Bahn. Der Containertransport per Schiene  zwischen den Terminals im Hamburger Hafen und den Umschlageinrichtungen im Binnenland wuchs um 10,4 % auf einen Rekordwert von 2,7 Mio. TEU. Rund 62.000 Güterzüge wurden gezählt mit rund 1,7 Mio. Waggons. Damit sei die Waggonzahl um 3,6 % gestiegen, verdeutlichte Jens Meier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Port Authority (HPA). Auch die Gütermenge verbesserte sich um 3 % auf 48,2 Mio. t.

Eine wichtige Destination im Containerverkehr auf dem Schienenweg ist Österreich. 299.000 TEU wurden 2019 dort hin transportiert (2018: 242.000 TEU). Erst kürzlich habe man im Bereich Waltershof einen Brückeneinhub vollzogen, und damit die Anzahl der Gleise von zwei auf drei erhöht. Mit der verbesserten Erreichbarkeit der Terminals Eurogate und Burchardkai schaffe man weitere Voraussetzungen, »dass der Hafen optimal und effizient funktioniert.«

Insgesamt machen Bahntransporte fast die Hälfte (49,4%) der Hinterlandverkehre aus. Positiv wirke sich hier aus, dass schwere Brammen nun per Bahn von Österreich nach Hamburg transportiert würden, wo sie dann am Hansaport umgeschlagen würden, so Ingo Egloff, ebenfalls Vorstand von HHM.

Wirtschaftssenator Michael Westhagemenn führte in diesem Zusammenhang an, dass die funktionierende Schiene auch ein Grund für die Reederei Hapag-Lloyd gewesen sei, den Vertrag mit der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) zu verlängern. Unternehmen würden inzwischen nach dem ökologischen Fußabdruck fragen, so Westhagemann. Hier haben man als größter Eisenbahnhafen Europas einen Vorteil.

Kohle- und Getreideumschlag gehen zurück

Insgesamt wurden im Hamburger Hafen im vergangenen Jahr 136,6 Mio. t Güter umgeschlagen. Im Vergleich zu 2018 entspricht dies einer Steigerung um 1,1%. Dies sei ein gutes Ergebnis, so Mattern. Man habe sich trotz einer Abschwächung des weltweiten Handels und bestehender Handelssanktionen »sehr gut in einem schwierigen Umfeld behaupten können.«

Der Massengutumschlag konnte jedoch nicht an die Zahlen des Vorjahres anküpfen, er ging von 44,2 Mio. t auf 41,3 Mio. t zurück. Hauptgrund seien Rückgänge bei Kohle und Getreide, so Mattern. Auch der Stückgutumschlag konnte das Vorjahresergbnis nicht bestätigen. Hier gab es einen Rückgang von 1,6 Mio. t auf 1,4 Mio. t. Mattern führt dies auf die hier nun fehlenden Südfrüchte, die nun in Containern transportiert werden.

In Bezug auf die Prognosen für das laufende Jahr hielten sich die Hamburger derweil bedeckt. Gerade aufgrund des Coronavirus werde es sicher Auswirkungen geben. In welchen Umfang hänge im Wesentlichen davon ab, wie lange insbesondere China davon noch betroffen sei. »Wir können zufrieden sein, wenn wir die Umschlagmengen halten können«, sagte Meier.

Ein Faktor für die künftige Entwicklung des Hafens ist die Infrastruktur. Westhagemann sprach hier vor allem die Autobahn A 26 als Schanierfunktion zwischen der A1 und A 7 an sowie die Köhlbrandquerung. Noch sei zwei keine Entscheidung gefallen, wie der Ersatz für die Köhlbrandbrücke aussehe, die Tendenz ginge aber zu einem Tunnel. Der Wirtschaftssenator sieht bei dieser Lösung zwei wichtige Vorteile: Zum einen sei die Haltbarkeit höher und zum anderen seien so logistische Ströme besser zu organisieren.

Drohnen sollen Rohrleitungen inspizieren

Der Hamburger Hafen sei zudem das größte zusammenhängende Industriegebiet in Europa, so Westhagemann. Die Industrie stünde vor einem »riesigen Transformationsprozess«, um den künftigen CO2-Ausstoß zu reduzieren. Er sieht in grünem Wasserstoff eine geeignete Lösung.

Westhagemann beschreibt den Hamburger Hafen als ein Anwendungsfeld für jährlich 123.000 t grünen Wasserstoff. »Wir haben eine Riesenchance, aus dem Hafen einen Leuchtturm zu machen, mit innovativen Themen«, unterstrich der Senator. Damit meint er neben Wasserstoff auch Landstromanschlüsse, LNG-Technologie und Drohnen. Für den Einsatz von Drohnen habe man kürzlich einen Förderantrag aus Berlin erhalten. Sie sollen zur Erkundung von Leckagen bei Rohrleitungen eingesetzt werden und Bilder bei Sturmflutsituationen liefern, erläuterte Meier.

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