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In einer konzertierten Aktion und nach über einjährigen Ermittlungen haben deutsche Zollbehörden einen Schmuggler-Ring ausgehoben. Es geht um Kokain-Transporte über den Hamburger Hafen.

Es war eine großangelegte Aktion im Hamburger Stadtgebiet und in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen, die vom Zoll als großer Erfolg gewertet wird. Rund 500 Beamte des Zollfahndungsamts und der Polizei Hamburg haben gestern unter Leitung der Staatsanwaltschaft Hamburg nach über einjährigen Ermittlungen 38 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht und 15 Haftbefehle vollstreckt.

Hilfe im Hamburger Hafen

Die »Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift« ermittelt seit Oktober 2019 gegen eine in Hamburg ansässige Tätergruppierung wegen des Verdachts der unerlaubten Einfuhr von Betäubungsmitteln. Insgesamt sollen die Männer rund 2 t Kokain nach Deutschland beziehungsweise Europa eingeführt haben, heißt es in einer Mitteilung. Bei den über 20 Tatverdächtigen handelt es sich um Männer im Alter zwischen 19 und 58 Jahren mit ghanaischen, libanesischen, serbischen, irakischen, kroatischen, türkischen, polnischen, albanischen und deutschen Staatsangehörigkeiten.

Zoll findet Kokain auf Containerschiff

Sie stehen im Verdacht, im Hamburger Hafen mehrfach in Containern aus Südamerika eingeschmuggeltes Kokain empfangen zu haben. Dabei hatten sie offenbar Helfer im Hafen, der Zoll spricht von »speziellen Kenntnissen eines Tatbeteiligten, der mit den logistischen Abläufen im Containerumschlag im Hamburger Hafen vertraut war«. Für die Tatabwicklung legten die Verdächtigen offenbar entweder gefälschte Transportpapiere vor, um einen Container zeitweise vom Terminal abzuholen, beziehungsweise ließen Container vom Terminal stehlen, um die Betäubungsmittel daraus zu bergen. Für den Transport der Container waren auch mehrere Lkw-Fahrer in die Täterstrukturen mit eingebunden.

Im Rahmen des jetzigen Einsatzes, bei dem auch Spezialeinheiten des Zolls, der Bundespolizei und der Polizei Hamburg eingesetzt waren, stellten die Beamten insgesamt über 125.000 € Bargeld, 10 Schusswaffen, ein hochwertiges Fahrzeug (BMW X6), kleinere Mengen Betäubungsmittel sowie eine Vielzahl weiterer Beweismittel sicher. Die Ermittlungen dauern weiter an.

Eine Chronologie

  • Ein von der Gruppe zur Drogeneinfuhr genutzter Container wurde im Oktober 2019 bereits durch den niederländischen Zoll kontrolliert und hierbei 22 kg Kokain in einer Wartungsklappe aufgefunden und sichergestellt.
  • Im März 2020 erreichte ein Kühlcontainer aus Ecuador, beladen mit 1.080 Kartons Bananen, den Hamburger Hafen. Nach der Ankunft wurde er von einem der Beschuldigten unberechtigt abgeholt und in eine Lagerhalle im Landkreis Stade transportiert. Dort konnte der Container von der Polizei später aufgefunden und sichergestellt werden. Hierbei stellten die Beamten fest, dass Hohlräume unterhalb des Containerbodens aufgeflext worden waren. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand dürften hierin 381 kg Kokain nach Deutschland geschmuggelt worden sein.
  • Ende Juni 2020 nahmen die Täter im Hamburger Hafen 1,2 t Kokain in einem Container mit Reis entgegen. Mitte Juli zogen Londoner Behörden einen für den Hamburger Hafen bestimmten Container aus dem Verkehr, in dessen doppeltem Boden sich 380 Kilogramm Kokain für die hiesigen Beschuldigten verbargen.
  • Anfang April 2020 war es im Zusammenhang mit den Drogengeschäften dieser Gruppe in Hamburg-Neugraben zu einer Auseinandersetzung im Bereich der Fischbeker Heide gekommen, bei der auch Schusswaffen eingesetzt und zwei Männer verletzt wurden. Das Geschehen konnte im Rahmen der Ermittlungen weitestgehend aufgeklärt werden. Demnach hatten sich nach jetzigem Ermittlungsstand etwa zehn Personen in einem Waldstück getroffen, wobei ein damals 26-jähriger Deutscher das Feuer eröffnete und hierbei einem damals 27-jährigen Libanesen einen Oberschenkel- und einem 34-jährigen Deutschen einen Handdurchschuss zufügte. Der am Bein Getroffene sowie mindestens zwei weitere Personen setzten bei dieser Auseinandersetzung daraufhin offenbar ebenfalls Schusswaffen ein, ohne hierbei jedoch weitere Menschen zu verletzen. Im Zuge der Tatortarbeit stellten Polizeibeamte seinerzeit fünf scharfe Schusswaffen in dem Waldstück sicher.

 

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