Risiko für Schifffahrt im Persischen Golf weiter kritisch

Das German Navy Shipping Centre (GNSC) stuft das maritime Risiko im Persischen Golf und den angrenzenden Seegebieten weiterhin als „Critical“ ein. Als Gründe nennt das Lagezentrum die aktive US-Seeblockade iranischer Häfen und Küstengewässer, fortgesetzte Angriffe auf Handelsschiffe, mögliche Minengefahren in der Straße von Hormus sowie weiter bestehende AIS- und GPS-Störungen.
33 Handelsschiffe attackiert
Seit Kriegsbeginn wurden laut GNSC 33 Handelsschiffe angegriffen, teils mit schweren Schäden. Seit dem letzten Lagebericht vom 30. April kamen 4 weitere Angriffe hinzu. Betroffen waren der Tanker „Barakah“, der Massengutfrachter „Minoan Falcon“, der Tanker „JV Innovation“ sowie das Containerschiff „CMA CGM San Antonio“. Bei letzterem wurden mehrere Menschen verletzt, einige davon schwer. Das Schiff wird im Lagebericht mit deutschem Bezug geführt.
Insgesamt befinden sich nach AIS-Daten und Rücksprachen mit Reedereien rund 117 Schiffe mit deutschem Bezug in der betrachteten Region, davon 47 im Persischen Golf. Bislang wurden laut GNSC 3 Schiffe mit deutschem Bezug angegriffen.
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch neue iranische Vorgaben für die Passage durch die Straße von Hormus. Iran hat eine „Persian Gulf Strait Authority“ angekündigt, die Schiffe und Reedereien über Regeln für eine mögliche Durchfahrt informieren soll. Details sind bislang nicht bekannt. Zudem wurde ein neuer iranischer Durchfahrtsverbotsbereich veröffentlicht, dessen genaue Grenzen dem GNSC zufolge noch unklar sind.
Die USA hatten ein „Maritime Freedom Construct“ für sichere Passagen durch die Straße von Hormus angekündigt. Die dazugehörige Operation „Project Freedom“ wurde nach weniger als 36 Stunden wieder ausgesetzt. Zuvor waren 2 Schiffe eskortiert worden. Dabei mussten US-Kriegsschiffe iranische Angriffe mit Flugkörpern, Drohnen und Schnellbooten abwehren.
Minenjagdboote verlegen ins Mittelmeer
Deutschland bereitet sich laut Lagebericht auf eine mögliche Beteiligung an einer multinationalen Operation vor. Das Minenjagdboot „Fulda“ verlegt ins Mittelmeer, der Tender „Mosel“ wechselt in den Nato-Minenabwehrverband „SNMCMG2“. Eine deutsche Beteiligung wäre laut GNSC nur bei eingestellten Kampfhandlungen, Bundestagsmandat und völkerrechtlichem Rahmen möglich.
Auch die Hafenlage bleibt angespannt. In Fudschaira kam es am 4. Mai nach einem iranischen Angriff zu einem Brand. Die Häfen Fudschaira und Chaur Fakkan arbeiten zwar weitgehend normal, für bestimmte Schiffstypen werden aber Wartezeiten von 3 bis zu 4 Wochen genannt. Vor Fudschaira warnt eine Navigationswarnung zudem vor massiven GPS-Störungen.







