Ramona Zettelmaier von Bureau Veritas: „Wir müssen enger kooperieren“

„Wir stellen auf allen Ebenen einen Wandel fest“, betont Ramona Zettelmaier in der neuen Folge des HANSA-Podcasts. Die Veränderungen beträfen nahezu alle Bereiche der Schifffahrt – von der Digitalisierung über die Dekarbonisierung bis hin zu neuen Geschäftsmodellen. Besonders herausfordernd sei das Tempo der Entwicklungen. „Der Wandel geht manchmal einen Tick zu schnell“, sagt Zettelmaier. Unternehmen müssten deshalb auch ihre Mitarbeiter auf die Veränderungen vorbereiten.
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Eine der größten Herausforderungen bleibt die Dekarbonisierung. Regulatorische Unsicherheiten erschweren langfristige Investitionsentscheidungen. Zettelmaier plädiert für einheitliche globale Rahmenbedingungen. Die Schifffahrt benötige „ein gleiches Spielfeld“, an dem sich alle Beteiligten orientieren könnten. Die gegenwärtige Situation bezeichnet sie als „fragmentiert“. Für Entscheidungsträger stelle sich damit die Frage: „Welche Richtung gehe ich?“
„Das Thema ist heute Energie“
Zettelmaier empfiehlt, die Diskussion über alternative Antriebe breiter zu führen. „Das Thema ist heute Energie“, sagt sie. Entscheidend seien die Fragen, wie Energie künftig erzeugt, transportiert und verfügbar gemacht werden könne.
Kurzfristig könnten Reedereien durch Effizienzmaßnahmen wie Wind-Assisted Propulsion auf bestehende regulatorische Anforderungen reagieren. Solche Systeme ließen sich sowohl nachrüsten als auch bereits bei Neubauten berücksichtigen.
Auch der Methanschlupf bei LNG-betriebenen Schiffen beschäftigt Bureau Veritas. Die französische Klassifikationsgesellschaft führt dazu Messungen an Bord durch. Bei den bislang untersuchten Schiffen hätten die Werte nach Angaben Zettelmaiers rund 15% unter den von der IMO zugrunde gelegten Werten gelegen. „Das ist eigentlich ein sehr gutes Zeichen“, sagt sie.
Auch die Nuklearenergie müsse als mögliche langfristige Antriebsoption untersucht werden. Zettelmaier verweist dabei auf die Expertise von rund 300 Kollegen bei Bureau Veritas, die sich mit diesem Bereich beschäftigen. Für einen Einsatz in der Schifffahrt seien allerdings noch zahlreiche Fragen zu Sicherheit, Ausbildung, Versicherbarkeit und Akzeptanz in den Häfen zu klären.
KI verändert die Klassifikation
Neben der Dekarbonisierung spielt die Digitalisierung eine zentrale Rolle. Insbesondere KI könnte die Arbeit an Bord und die Tätigkeit von Klassifikationsgesellschaften verändern.
Bei Schiffsinspektionen kommen bereits Drohnen zum Einsatz, die beispielsweise Tanks digital erfassen können. „Wenn man in die Tanks einsteigt, hat man natürlich erhöhte Risiken“, erklärt Zettelmaier. Durch Drohnen ließen sich diese reduzieren. KI könne anschließend bei der Auswertung der Daten unterstützen. Den klassischen Besichtiger sieht sie dadurch allerdings vorerst nicht ersetzt.
Auch die autonome Schifffahrt wirft neue Fragen auf. Insbesondere die Haftung bei KI-gestützten Entscheidungen sei noch ungeklärt. „Wer ist dann verantwortlich?“, fragt Zettelmaier mit Blick auf Schiffe, die künftig ohne Besatzung von Land aus gesteuert werden könnten.
Ein weiteres Thema ist Cybersecurity. BV unterstützt Unternehmen unter anderem mit Risikoanalysen und Trainings, um mögliche Schwachstellen zu identifizieren und auf Angriffe vorbereitet zu sein.
„Ein Umdenken in den Köpfen“
Für die Zukunft der Schifffahrt sieht Zettelmaier vor allem die Zusammenarbeit als entscheidenden Erfolgsfaktor. Reedereien, Energieproduzenten, Häfen, Versicherungen und Politik müssten enger zusammenarbeiten. „Wir müssen enger kooperieren“, fordert sie. Zudem sei es wichtig, „dass ein Umdenken in den Köpfen stattfindet“.
Im Podcast spricht die Managerin auch über ihren persönlichen Werdegang. Ende der 1980er-Jahre begann sie ihre Laufbahn in der aktiven Seefahrt, als Frau im technischen Bereich damals eine ungewöhnliche Entscheidung. Jungen Menschen rät sie deshalb: „Hört auf euer Herz.“
Hören Sie hier die komplette Episode. In der vollständigen Episode spricht Ramona Zettelmaier außerdem über:
- Die Rolle von Klassifikationsgesellschaften bei neuen Technologien
- Fehlende globale Standards und die Auswirkungen von FuelEU Maritime und EU-ETS auf Investitionsentscheidungen
- Nuklearenergie: Potenziale für große Handelsschiffe und offene Fragen zu Sicherheit, Versicherbarkeit und Akzeptanz
- Autonome Schifffahrt und Haftungsfragen
- Wie Drohnen und digitale Zwillinge die Tankbesichtigung sicherer machen können
- Cybersecurity und geopolitische Risiken
- Warum neue Brennstoffe und Technologien bereits heute Veränderungen in der maritimen Ausbildung erfordern
- Wie Zettelmaier Ende der 1980er-Jahre ihren Weg in den Maschinenraum fand und was sie jungen Menschen rät


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