Welches Geld hat den Schlüssel zum Reeder-Herz?

Hand aufs Herz: Wissen Sie, welche die weltgrößte Schiffsfinanzierungsbank ist? Sie kommt nicht aus China, nicht aus den USA und auch nicht aus London. Aber wie wichtig sind die Banken für Reeder noch?
Michael Meyer
Michael Meyer – Chefredakteur – HANSA International Maritime Journal (© HANSA)

Nun, zumindest für das Jahr 2025 wissen wir es nun dank der nimmermüden Arbeit der Experten von Petrofin Research. Der Marktführer unter den schifffahrtsfinanzierenden Banken kommt aus Frankreich: es ist BNP Paribas mit einem Kreditvolumen von 21,4 Mrd. $. Auf Rang 2 folgt China Exim, dahinter kommt – siehe da – die deutsche KfW IPEX-Bank mit 15,3 Mrd. $.

Mindestens genauso interessant an der jüngst veröffentlichten Auswertung: Die Schiffsfinanzierung durch Banken erlebte ein Revival und stieg das erste Mal seit Jahren wieder an: um 6 % auf 300,6 Mrd. $.

Auch die mitgelieferte Begründung birgt Bemerkenswertes: Donald Trump und seine erratische Handelspolitik. Dank seiner Drohungen gegen chinesische Schiffe und solche, die mit chinesischem Leasing-Geld finanziert wurden, haben Reeder und Banken wieder näher zueinander gefunden. Der starke Aufwärtstrend bei »Nicht-Banken« aus 2024 kam zeitweise zum Stillstand, Banken sprangen mit Refinanzierungen und Neugeschäft in die Bresche.

Laut Petrofin bleibt Europa insgesamt – entgegen der oft diskutierten Vermutung, asiatische Banken hätten den Europäern den Rang abgelaufen – mit 50,4 % des Kreditvolumens der Top-40-Banken die bedeutendste Region. Das weltweite Buch aller Banken – einschließlich lokaler Institute – umfasste 425 Mrd. $. Das entspricht etwas mehr als 60 % des gesamten globalen Schiffsfinanzierungsvolumens über alle Finanzierungsarten hinweg.

Nun stehen die Zahlen für das vergangene Jahr. Und mittlerweile haben die Leasinghäuser und andere alternative Anbieter wohl zurück in die Spur gefunden. Aber es bleibt ein heißes Eisen: Wer ist der geeignete Kapitalpartner für die Flottenfinanzierung?

Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Meine These: Angesichts der Unsicherheit und des schwelenden Handelskonflikts zwischen Washington und Peking werden die europäischen Banken ein sehr relevanter Faktor bleiben. Nicht zuletzt auch, weil im Zuge der globalen Umweltregulierungen weiterhin eine große Flottenmodernisierung ansteht. Für die große Anzahl kleinerer und mittelgroßer Reeder ist der klassische Gang zur Bank leichter als der zu Leasing-Häusern oder auf die Kapitalmärkte. Ob diese Banken zwingend aus Europa kommen müssen, sei mal dahingestellt. Vermutlich wird der Markt diverser. Für die großen Player, die oft vorneweg marschieren, bleiben Kapitalmarkt, Invesotoren und Leasing allerdings unverzichtbare Partner. Sie sind gekommen um zu bleiben.

Was meinen Sie, wie entwickelt sich die Lage in 2026? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Übrigens: Weil wir die Entwicklung für hochrelevant halten, wird die Frage danach, welches Kapital wofür zur Verfügung steht, auch beim HANSA-Forum im November diskutiert. Neben u.a. »Sicherheit«, »Containerschifffahrt«, »Shortsea« und »Flottenmodernisierung« ist das Finanz-Panel ein zentraler Punkt auf der Agenda Das komplette Programm finden Sie auf unserer Homepage. Kommen Sie vorbei, wir freuen uns auf tiefgehende Debatten und den Input von Experten!


Michael Meyer
Chefredakteur
HANSA International Maritime Journal

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