Aramco steigert Gewinn trotz Störungen in der Straße von Hormus

Der saudi-arabische Energiekonzern Aramco hat im zweiten Quartal 2026 einen Nettogewinn von 32,69 Mrd. $ erzielt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 22,67 Mrd. $ entspricht dies einem Anstieg um rund 44 %. Ausschlaggebend waren vor allem höhere Erlöse und sonstige verkaufsbezogene Erträge. Gegenläufig wirkten unter anderem höhere Beschaffungskosten, Abgaben und Steuern.
Der bereinigte Nettogewinn belief sich unterdessen im zweiten Quartal auf 33,4 Mrd. $. Für das gesamte erste Halbjahr meldete der saudi-arabische Staatskonzern einen bereinigten Gewinn von 67,2 Mrd. $.
Der operative Cashflow erreichte zwischen April und Juni 25,4 Mrd. $ und im ersten Halbjahr 56,2 Mrd. $. Der freie Cashflow lag bei 12,3 Mrd. $ im Quartal und bei 30,9 Mrd. $ im Halbjahr. Nach Angaben des Konzerns wurde der freie Cashflow im zweiten Quartal durch einen Aufbau des Betriebskapitals um 13,6 Mrd. $ belastet.
East-West Pipeline sichert Rohöltransport
Aramco erzielte die Ergebnisse trotz erheblicher Unterbrechungen der Lieferströme durch die Straße von Hormus. Der Konzern nutzte nach eigenen Angaben unter anderem die East-West Pipeline, Lagerkapazitäten und Exportterminals, um Produktion und Exporte aufrechtzuerhalten.
„Wir konnten die Geschäftskontinuität trotz der beispiellosen Unterbrechungen der Lieferströme durch die Straße von Hormus aufrechterhalten“, betonte Aramco-CEO Amin H. Nasser. Dazu hätten die breit aufgestellte Anlagenbasis, eine langfristige Planung und Investitionen in strategische Infrastruktur beigetragen.
Nasser verwies zugleich auf die geopolitische Unsicherheit und sinkende weltweite Lagerbestände. Diese Entwicklungen unterstrichen aus seiner Sicht die Bedeutung der Energieversorgungssicherheit.
Investitionen in Öl- und Gasprojekte
Das Projekt zur Steigerung der Rohölförderung im Zuluf-Feld soll weiterhin 2026 abgeschlossen werden. Die Erweiterung der Gasanlage Fadhili ist für 2027 vorgesehen. Die erste Phase der Gasanlage Jafurah produziert den Angaben zufolge kontinuierlich Verkaufsgas und Kondensat. Die zweite Phase befindet sich in der Beschaffungs- und Bauphase und soll ebenfalls 2027 fertiggestellt werden.
Darüber hinaus vereinbarte Aramco den Verkauf seiner vollständigen Beteiligung an PRefChem an den malaysischen Energiekonzern Petronas. Aramco will damit sein nachgelagertes Portfolio strategisch neu ausrichten. Nach Abschluss der Transaktion soll PRefChem vollständig Petronas gehören und von dem Konzern betrieben werden. Zum Wert der Transaktion machten die Unternehmen keine Angaben. Der Vollzug steht noch unter den üblichen Abschlussbedingungen.
Sechs saudische Tanker meiden Golf von Aden
Unterdessen ist bekannt geworden, dass sechs unter saudi-arabischer Flagge fahrende Supertanker in den vergangenen Tagen im Golf von Aden ihren Kurs geändert haben. Nach Drohungen der Huthi-Miliz steuern sie nun in Richtung südliches Afrika.
Daten zur Schiffsverfolgung zufolge änderten die sechs Tanker ihren Kurs, nachdem die jemenitischen Huthi angekündigt hatten, Schiffe mit Verbindung zu Saudi-Arabien anzugreifen. Die Tanker befanden sich nach Fahrten zu Zielen in Asien auf der Rückreise und hatten keine Ladung an Bord. AIS-Daten von LSEG und MarineTraffic zeigten, dass die Schiffe in Formation in Richtung südliches Afrika fuhren. Damit meiden sie die Route durch das südliche Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandeb.
Einer der Tanker, die „Dilam“, hatte den Daten zufolge Gibraltar als Ziel angegeben. Der in Saudi-Arabien ansässige Betreiber Bahri sowie saudische Behörden reagierten zunächst nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.
Jeder der Tanker kann bis zu 2 Mio. Barrel Rohöl transportieren. Zwei mit dem Handel vertraute Quellen erklärten, die Schiffe seien angesichts der Sicherheitslage über das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet worden. Sollten die Tanker anschließend durch den Suezkanal zu saudischen Häfen am Roten Meer zurückkehren, verlängert sich die Reise nach Berechnungen um mindestens 25 Tage.
Die mit Iran verbündeten Huthi hatten am 20. Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt. Damit eröffneten sie im Krieg gegen Iran eine weitere Front gegen die USA und deren Verbündete. Nach Angriffen auf Schiffe mit Verbindung zu Saudi-Arabien weitete der Londoner Seeversicherungsmarkt in der vergangenen Woche seine Hochrisikozone im Roten Meer aus. Sie umfasst nun auch Gewässer in der Nähe weiterer saudi-arabischer Häfen.

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