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Die NordLB entlastet sich mit einem Milliarden-Deal weiter von Schiffskrediten – diesmal allerdings nicht über einen Portfolio-Verkauf sondern die Übernahme von Kreditausfall-Risiken durch institutionelle Investoren.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Bank angekündigt, ihren Schrumpfkurs fortzusetzen, und hatte Tobias Zehnter, Global Head of Shipping, auf dem 21. HANSA-Forum »Schifffahrt | Finanzierung« die Strategie bekräftigt, künftig wieder aktiver in der Schiffsfinanzierung zu werden. Dabei ging er auch auf den letztlich geplatzten Portfolio-Deal mit dem Investor KKR ein. Derartige Projekte schloss Zehnter explizit nicht aus.

Mehrere Investoren hinter Christofferson, Robb & Co

Heute veröffentlichte die NordLB eine milliardenschwere Transaktion, von der auch die Schifffahrt betroffen ist, die sich von dem KKR-Deal aber in einem wichtigen Punkt unterscheidet. Bei »Northvest 2« – so der Name der Transaktion – werden Kreditrisiken an institutionelle Investoren ausplatziert, keine Kredite verkauft. Strategischer Partner ist die Investmentgesellschaft Christofferson, Robb & Co. »Northvest 2« liege ein Portfolio aus rund 4.300 hochwertigen Krediten mit einem Gesamtvolumen von 10,1 Mrd. € zu Grunde.

Das Portfolio der NordLB (Quelle: HANSA)

Es enthält u.a. Kreditrisiken aus den Assetklassen Erneuerbare Energien, Infrastruktur, Flugzeuge und Deutscher Mittelstand. Ebenfalls konnten erstmals auch Schiffsfinanzierungen mit einem Volumen von rund 1 Mrd. € verbrieft werden. Auch in diesem Fall handelt es nicht um »faule«, sondern um hochwertige Kredite. »Dies ist die größte am Markt platzierte Verbriefung von Schiffskrediten in der jüngeren Vergangenheit«, so die NordLB weiter.

Nach Informationen der HANSA nimmt Christofferson, Robb & Co. das Ausfallrisiko nicht allein in die eigenen Bücher. Vielmehr agiert er im Auftrag anderer, langfristig orientierter Investoren, vor allem aus dem Ausland. Dabei handelt es sich dem Vernehmen nach unter anderem um Staats-, Pensions- und Stiftungsfonds.

NordLB bleibt an erster Stelle bei Ausfall

In dem Konstrukt übernimmt der Investor nicht die Kredite selbst, sondern steigt erst bei einem etwaigen Ausfall ein. Wie die Bank der HANSA bestätigte, wäre in einem solchen Fall aber zunächst die NordLB selbst an der Reihe, sie hält die erste Tranche der Ausfallrisiken.

Im Rahmen der Transaktion wurde eine Tranche von Ausfallrisiken beim strategischen Partner Christofferson, Robb & Co., einer Investmentgesellschaft mit langfristiger Anlagestrategie, platziert, die diese Tranche künftig abdecken wird. Die anderen Tranchen verbleiben bei der NordLB, die für ihre Kreditnehmer auch weiterhin der Vertragspartner bleibt. Über die Konditionen der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart.

»Derzeit einmalig«

Kapitalmarkt-Vorstand Hinrich Holm erklärte, insbesondere die Verbriefung eines großen Schiffskreditportfolios sei in einer solchen Struktur derzeit einmalig und unterstreiche das Vertrauen der Investoren in die Finanzierungs- und Strukturierungskompetenz der Bank. An dem angekündigten Abbau-Plan für die kommenden Jahre soll sich ungeachtet der jetzigen Transaktion nichts ändern.

»Mit dieser Transaktion hat die Bank ihre Kapitalstärkungsstrategie um einen weiteren Baustein ergänzt und kann ihre Risikoaktiva um rund 3,7 Mrd. € reduzieren. Daraus ergibt sich ein positiver Effekt auf die harte Kernkapitalquote (CET 1 ratio), die bereits zum Jahresende auf voraussichtlich rund 12 % ansteigen wird«, heißt es.

Bereits im März 2014 hatte die Bank die erste Northvest-Transaktion mit einem Gesamtvolumen von rund 11,4 Mrd. € aus vier Assetklassen aufgelegt und dieses im September 2015 um weitere 5,1 Mrd. € aufgestockt. Im Mai 2017 konnte eine zusätzliche Tranche des Portfolios bei Investoren platziert werden.