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Nur neun von 26 Werften auf der EU-Liste der zugelassenen Recyclinganlagen stünden realistisch für das Schiffsrecycling zur Verfügung, nur drei der 26 könnten ein großes Schiff (Panamax-Größe oder größer) recyceln, soll eine neue Studie zeigen.

Die Schifffahrtsorganisation BIMCO hatte im Februar 2019 eine Studie bei Marprof Environmental in Auftrag gegeben, um die Situation am Recyclingmarkt und die Auswirkungen der EU-Liste zu beleuchten.

»Die EU-Liste ist schwer ernst zu nehmen. Ich habe vor einigen Monaten eine dieser ›Recycling-Werften‹ angerufen, und sie hatten noch nicht einmal mit dem Bau der Werft begonnen«, sagt Angus Frew, BIMCO-Generalsekretär und CEO. »Die Liste sieht ein wenig nach Protektionismus aus und benachteiligt eindeutig die europäischen Reeder.«

Die Verordnung (EU) 1257/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates über das Recycling von Schiffen (EU SRR) ist am 1. Januar 2019 in Kraft getreten. Danach müssen Schiffe mit EU-Flagge auf zugelassenen Werften auf der EU-Liste recycelt werden.

»Verbesserungen sollten belohnt werden«

»EU-Werften sind offenbar auf der Liste zugelassen, ohne einheitliche Kriterien zu erfüllen, während Nicht-EU-Werften von der Europäischen Kommission ernannten Auditoren nach klaren Kriterien inspiziert werden müssen, bevor sie in die Liste aufgenommen werden«, poltert die Schifffahrtsorganisation. Bisher seien nur zwei türkische und eine US-Werft einbezogen worden.

Verteilung der von der EU zugelassenen Recycling-Werften (Quelle: Marprof Environmental)

Für die Studie wurden »historische Satellitenbilder, Informationen auf den Websites der Unternehmen und IMO-Recyclingkapazitätszahlen« ausgewertet. Insgesamt gebe es »einen guten Bestand an bestehenden und geplanten Schiffsrecyclinganlagen« in Europa, die einen hohen Servicestandard für den europäischen Markt böten. Dass laut BIMCO nur neun Werften »realistisch« für Verschrottungen zur Verfügung stehen, ist offenbar auch in der Methodik und den Kriterien der Studienautoren begründet. So werden beispielsweise Einrichtungen, deren Hauptgeschäft nicht das Schiffsrecycling ist, negativ bewertet.

BIMCO ist der Ansicht, dass Audits Verbesserungen in den Bereichen Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz, die an Standorten in Asien erreicht wurden, berücksichtigen und belohnen sollten. Darüber hinaus solle es auch eine »tatsächliche Inspektion« der EU-Werften geben.

Derzeit hätten einige asiatische Werften zwei Jahre Wartezeit hinter sich, nachdem sie ihren Antrag auf Zualssung »ohne Aussicht oder Weg zur Aufnahme in die Liste« eingereicht hätten, heißt es. »BIMCO will, dass die Anlagen ihre Sicherheits- und Umweltleistung verbessern, aber wenn es keinen Weg für Nicht-EU-Anlagen gibt, auf die EU-Liste zu kommen, wird die Verordnung dieses Ziel weiterhin nicht erreichen und einfach ein Gesetz zum Schutz des EU-Schiffsrecyclingmarktes sein«, sagt Frew.

Drängen auf weltweite Regelung

Das Hongkonger Übereinkommen müsse so schnell wie möglich in Kraft treten, und es sei wichtig, dass Verbesserungen auch von den Entscheidungsträgern in Europa anerkannt würden, so Frew. Indien, Bangladesch, China, Pakistan und die Türkei recyceln laut der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) 98% aller Tonnage weltweit.

Die Schifffahrtsbranche klagt schon lange über die angeblich zu knappen Kapazitäten der von der EU zugelassenen Abwrackbetriebe. Die EU selbst, europäische Verschrottungswerften und die NGO Shipbreaking Platform halten dagegen: ausreichende Kapazitäten seien durchaus vorhanden, um den jährlich anfallenden Anteil der Schiffe unter europäischer Flagge zu verschrotten. Es gehe den Reedern vor allem ums Geld. Im aktuellen HANSA-Magazin finden Sie auch den Standpunkt der European Ship Recyclers Group (ESR) zu der Problematik.

Ship Recycling - US Dollar prices per LDT
$-Preise per LDT laut der Website von GMS. In China sind die Preise nach dem Importverbot für Schrotttonnage eingebrochen

Die wirtschaftliche Attraktivität der Verschrottung in Südasien belegt auch die Studie durch einen Vergleich der Preise pro LDT Stahl. Über die Preise in Europa liegen offenbar keine Daten vor, es wird aber von den Studienautoren bezweifelt, dass diese konkurrenzfähig sein könnten – zumindest im großen Stil, schließlich existierten ja Verschrottungsbetriebe oder -Aktivitäten, die offenbar wirtschaftlich betrieben würden.

Abschließend heißt es in der Studie, die Anlagen der EU-Liste könnten »auf die wahrscheinlichen Anforderungen des europäischen Marktes reagieren, aber mit Ausnahme der Türkei nicht auf die globale internationale Nachfrage nach Schiffsrecycling für die Weltflotte«. Allerdings gebe es einen Mangel an globaler Versorgung. Das Ergebnis der Studie »Report on the European List of Ship Recycling Facilities« ist auf der BIMCO-Website verfügbar.