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Hamburg arbeitet an einem seiner wichtigsten maritimen Wahrzeichen: In der Speicherstadt werden die Fleete angehoben. Das hat Folgen auch für die Schifffahrt im Quartier. Die Stadt stellt Kapital bereit.

Im Rahmen des Projektes »Entwicklungskonzept Speicherstadt« saniert der zur Finanzbehörde gehörende Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) in den kommenden Jahren die Kaimauern in der Speicherstadt, wie jetzt offiziell bestätigt wurde.

Auf die Schifffahrt kommen Beeinträchtigungen zu, denn die mit den Arbeiten verbundene notwendige Anhebung der Fleetsohlen führt zu einer Reduzierung der Durchfahrtshöhe unter den Brücken bei Hochwasser und somit zu einer zeitlichen Einschränkung in der Befahrbarkeit der Fleete in der Speicherstadt.

Brücke und Ballasttanks im Fokus

Um die Auswirkungen für die für Hamburg charakteristische Barkassenschifffahrt so gering wie möglich zu halten, wurde laut einer Senatsmitteilung in enger Zusammenarbeit von Finanzbehörde, LIG, Behörde für Wirtschaft und Innovation, sowie der Hamburgischen Investitions- und Förderbank ein Förderprogramm aufgelegt. Es soll die Auswirkungen abfedern, indem Umbaumaßnahmen der Barkassen finanziell unterstützt werden.

Das Programm ist auf zehn Jahre angelegt. Barkassenunternehmer können Zuschüsse von bis zu 60.000 € je Schiff für Umbaumaßnahmen beantragen. Als Beispiele werden eine  Reduzierung der Aufbauhöhen mittels absenkbarer Ruderhäuser und eine Vergrößerung des Tiefgangs durch den Einbau von Ballasttanks genannt. So soll eine zeitlich längere Schiffbarkeit für heutige Barkassen in den Fleeten der Speicherstadt gewährleistet werden.

Die Sanierung der Kaimauern in der Hamburger Speicherstadt und entlang des Zollkanals ist nach Angaben des Senats Teil eines umfangreichen Programms zur Erhaltung der Speicherstadt. Nach Vorplanungen der 2016 eigens dafür eingerichteten Projektgruppe sollen die Arbeiten in den kommenden Jahren durchgeführt werden können. In der zum UNESCO-Welterbe gehörenden Speicherstadt sind die zum Teil über 100 Jahre alten Kaimauern auf einer Länge von insgesamt rund 2.600 m sanierungsbedürftig, im Bereich des Zollkanals sind es noch einmal 1.650 m.

Foto: HHLA

Finanzsenator Andreas Dressel zeigte sich erfreut, dass man im Dialog mit dem Hafenschifffahrtsverband eine Lösungen gefunden hat, die er »für alle Beteiligten gut vertretbar« nannte. Sie ermöglicht nun einerseits die dringend notwendige Sanierung der Kaimauern und stelle andererseits den Barkassenbetrieb weiterhin sicher. »Die Barkassen gehören zur Speicherstadt, sie werden diesen besonderen Ort auch zukünftig prägen«, so Dressel.

Klaus Ehlers, Vorstand des Hafenschifffahrtsverbandes und Inhaber der Barkassen-Centrale sagte: »Die sanierungsbedingten Eingriffe in die historische Speicherstadt stellen die Fahrgastschifffahrt vor große Herausforderungen, da die beliebten Fahrten durch die Fleete zukünftig nur seltener möglich sind. Wir begrüßen, dass LIG und Finanzbehörde ein Maßnahmenbündel beschlossen haben, um die Fahrgastschifffahrt zu unterstützen. Durch das Förderprogramm können die Herausforderungen bei der Ertüchtigung der historischen Schiffe angegangen werden.« Allerdings forderte Ehlers gleichzeitig, eine »dringend notwendige« Änderung der Bauvorschriften für Neubauten.

Sanierung kostet 200 Mio. €

Laut seinem Vorstandskollegen Gregor Mogi, Inhaber der Maritimen Circle Line, wurde die Absicht in Aussicht gestellt, die Fleete »wirklich nur maximal um einen Meter« anzuheben und die Fahrrinne regelmäßig zu unterhalten.

Die Maßnahmen in der Speicherstadt werden voraussichtlich bis 2025 dauern, die Sanierung am Zollkanal soll bis 2028 abgeschlossen sein. Der Senat rechnet für die Sanierung mit Kosten von über 200 Mio. € zu rechnen. Nach der Sanierung soll die innere Erschließung der Speicherstadt »anforderungsgerecht neu gestaltet« werden, etwa durch die Schaffung einer Promenade für Fußgänger und Radfahrer entlang des Zollkanals.