Angebotsdruck im Containermarkt nimmt zu

Der Containerschifffahrtsmarkt wird 2026 weiterhin durch Umleitungen und ein kräftiges Wachstum wichtiger Hauptrouten gestützt. Für 2027 erwartet der Reederverband Bimco jedoch eine Verschlechterung des Verhältnis von Angebot und Nachfrage.
Eine Rückkehr von Containerdiensten auf die Route durch den Suezkanal könnte zusätzliche Schiffskapazitäten freisetzen und den Angebotsdruck im Markt 2027 erhöhen (© Suez Canal Auhority)
Eine Rückkehr von Containerdiensten auf die Route durch den Suezkanal könnte zusätzliche Schiffskapazitäten freisetzen und den Angebotsdruck im Markt 2027 erhöhen (© Suez Canal Auhority)

Vor allem das hohe Flottenwachstum dürfte den Markt belasten. „Störungen und das starke Wachstum der Head-Haul-Verkehre stützen den Containerschifffahrtsmarkt 2026 weiterhin, aber das beschleunigte Flottenwachstum könnte das Verhältnis von Angebot und Nachfrage 2027 schwächen«, sagt Niels Rasmussen, Chief Shipping Analyst bei Bimco.

Die Organisation untersucht dabei weiterhin zwei entscheidende Szenarien: Im ersten, „SoH Closed“, bleibt die Straße von Hormus sowohl 2026 als auch 2027 faktisch geschlossen. Das Szenario „SoH Open“ geht dagegen davon aus, dass 2027 wieder normale Transitbedingungen herrschen. In beiden Fällen erwartet Bimco, dass das Schiffsangebot 2027 schneller wächst als die Nachfrage.

In den ersten sieben Monaten 2026 stiegen die weltweiten Containerverkehre gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,1%. Starkes Wachstum auf Verbindungen außerhalb des Persischen Golfs konnte rückläufige Mengen von und nach Süd- und Westasien mehr als ausgleichen. Exporte aus Ost- und Südostasien machten laut Bimco mehr als die Hälfte des bisherigen Volumenwachstums aus.

Die Volumina auf Head-Haul- und Regionalverkehren legten um 6,3% zu, während auf Back-Haul-Routen kein Wachstum registriert wurde. Dadurch sei die Nachfrage nach Schiffskapazität erneut stärker gestiegen als das gesamte Ladungsaufkommen.

Containerschiff-Orderbook erreicht 42% der Flotte

Auf der Angebotsseite nimmt der Druck allerdings deutlich zu. Das Orderbook der Containerschifffahrt umfasst inzwischen mehr als 14 Mio. TEU und entspricht damit rund 42% der bestehenden Flotte. Die globale Flottenkapazität hat nach Angaben von Bimco bereits 34 Mio. TEU erreicht.

Für 2026 erwartet der Verband ein Flottenwachstum von 4,6%, für 2027 sogar von 9%. Gleichzeitig dürfte die Verschrottungsaktivität gering bleiben. Zusätzliche Kapazitäten könnten verfügbar werden, wenn Reedereien ihre Dienste wieder verstärkt durch den Suezkanal führen. Erste Linienreedereien haben bereits damit begonnen. Sollte sich diese Entwicklung 2027 fortsetzen, könnte das Wachstum der Schiffsnachfrage laut Bimco um fünf Prozentpunkte niedriger ausfallen als derzeit prognostiziert. Bei einer vollständigen Normalisierung der Routen könnte die Schiffsnachfrage sogar rund 10% niedriger liegen als bei einer fortgesetzten Umfahrung Afrikas über das Kap der Guten Hoffnung.

„Während sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage 2026 verbessert hat, erwarten wir, dass das stärkere Angebotswachstum die Märkte 2027 schwächen wird – insbesondere, wenn eine Rückkehr zu den Suez-Routen die Schiffsnachfrage reduziert“, so Rasmussen weiter.

Auch auf der Nachfrageseite sieht die Organisationmit Sitz im Kopenhagener Vorort Bagsværd Risiken. Höhere Energiepreise belasteten weiterhin das Verbrauchervertrauen in den USA und der EU. Gleichzeitig habe sich das Wachstum der chinesischen Einzelhandelsumsätze deutlich abgeschwächt. Sollten sich die Transitbedingungen in der Straße von Hormus nicht normalisieren, könnten anhaltende Einschränkungen der Ölversorgung und höhere Ölpreise 2027 zusätzlich auf das globale Wirtschaftswachstum und die Containerverkehre drücken.

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