Print Friendly, PDF & Email

Die Tankerreederei meldet zwar einen »sehr starken Start« in das vierte Quarta, muss aber auch für das dritte Quartal einen Nettoverlust von knapp 23 Mio. € verbuchen. Nun hat Euronav auch die Nachfolge des auf den CEO-Posten aufgerückten De Stoop geregelt.

Für das dritte Quartal 2019 weist das Unternehmen einen Nettoverlust von 22,9 Mio. $ aus. Im Vorjahreszeitraum hatte es ein Minus von 58,7 Mio. $ gegeben. Das anteilige EBITDA für den gleichen Zeitraum betrug 96,8 Mio. $ (Q3 2018: 50,7 Mio. $). In der Dreiviertejahresbetrachtung konnte Euronav den Verlust von 110,3 Mio. € auf nunmehr 41,9 Mio. € reduzieren. Der Umsatz im dritten Quartal lag bei 175,3 Mio. €, im bisherigen Jahresverlauf hat die Reederei 577,2 Mio. € umgesetzt (Q1-3 2018: 363,9 Mio.).

Hugo De Stoop, CEO von Euronav, sagt: »Das jüngste Frachtratenniveau zeigt, dass unsere Märkte fein ausbalanciert sind und dass jede Störung dramatische Auswirkungen haben kann. Katalysatoren wie Sanktionen und geopolitische Ereignisse können vorübergehende Faktoren sein; die Marktgrundlagen und die Auswirkungen der IMO 2020 haben jedoch allmählich das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wiederhergestellt, und diese Faktoren bilden eine gute Grundlage für einen nachhaltigen Konjunkturaufschwung.«

Die Fundamentaldaten haben den Frachtmarkt für VLCCs im Jahr 2019 unterstützt, was sich in den saisonalen Gegenrallyes widerspiegelt, die Anfang dieses Kalenderjahres im Februar und Juli stattfanden. Die jüngste Erholung der Frachtpreise wurde durch eine Reihe von Ereignissen ausgelöst – einige sind permanent und andere vorübergehend.

Die sehr starke Entwicklung der Frachtraten im Oktober wurde von vier Schlüsselfaktoren getragen. Dazu zählt Euronav das Ausscheiden älterer Tonnage aufgrund der strengeren Emissionsvorschriften der IMO 2020. Zudem hätten die Ausfälle saudischer Ölanlagen zu einer stärkeren Diversifizierung der Rohöleinkäufe in Fernost geführt, wodurch mehr Kapazität gebunden werde. Dazu kommt eine Reihe kurzfristiger Faktoren wie mögliche Beschränkungen für bestimmte Tonnage im Zusammenhang mit Sanktionen sowie ein saisonaler Aufschwung bei der Zahl der verfügbaren Ladungen. Das habe die Raten höher gedrückt, was durch die Sorge um das zukünftige Schiffsangebot im vierten Quartal noch verschärft werde. Vor dem Ratenschub sollten außerdem über 60 VLCCs den Markt verlassen, um Scrubber nachzurüsten – einige befinden sich derzeit in den Werften, aber die Mehrheit soll noch im November und vor allem im Dezember auf die Werft gehen. »Das aktuelle Ratenumfeld kann die Eigentümer jedoch dazu veranlassen, ihr Retrofit-Programm auf das erste oder zweite Quartal 2020 zu verschieben, was positiv ist, da es eine globale Flottenknappheit verlängert«, heißt es.

»Robuste Fundamentaldaten« und gute Vorbereitung auf IMO 2020

Das laufende Quartal hat Euronavs Angaben zufolge sehr stark begonnen, wobei einige Handelsrouten hohe Frachtraten verzeichneten. Während einige kurzfristige Faktoren zweifellos dazu beigetragen haben, die Raten auf ein solches Niveau zu bringen, stützen robuste Fundamentaldaten von Schiffsangebot und -nachfrage einen stärkeren Frachtmarkt von einiger Dauer. Die Auswirkungen von IMO 2020 sollten sich im laufenden und den folgenden Quartalen positiv auswirken.

Euronav selbst hat sich nach eigenen Angaben auf die Einführung der IMO 2020 vorbereitet und verfügt »über ein hohes Maß an Optionalität mit einer starken Bilanz und operativen Kapazitäten. Euronav hat genügend Kraftstoff gekauft, um mehr als die Hälfte unseres Kraftstoffbedarfs für 2020 zu decken«, heißt es. »Dieser vollständig getestete Bestand ist zu einem sehr wettbewerbsfähigen Preis von rund 80 $/t unter dem aktuellen Spotpreis für konformen Kraftstoff gekauft, wobei mit der Umsetzung der IMO 2020 weitere Spotpreissteigerungen zu erwarten sind. Euronav hat bereits damit begonnen, dieses Inventar vor der IMO 2020-Implementierung im Januar einzusetzen.«

Neue CFO kommt von ArcelorMittal

Lieve Logghe
Lieve Logghe

Euronav hat mit dem Quartalsergebnis außerdem die Ernennung von Lieve Logghe als Chief Financial Officer bekannt gegeben. Sie folgt auf Hugo De Stoop, der die Funktion des CEO übernommen hat. Lieve Logghe wird Mitglied des Executive Committee sein.

Logghe begann ihre Karriere im Bereich International Finance bei PriceWaterhouseCoopers. Danach kam Lieve zu Sidmar (heute ArcelorMittal). Sie wechselte schrittweise durch die Finanzorganisation in verschiedenen europäischen Regionen bis hin zur Position des CFO für ArcelorMittal Europe. Ab Juli 2018 wurde sie zum VP Head of Energy für ArcelorMittal Europe und zum Energy Procurement Coordinator für ArcelorMittal weltweit befördert mit dem klaren Ziel, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren.